"Fernseher sind unglaublich hässlich"

Sie kam groß raus durch "Shoppen" und gehört fest zum Team des Münchner "Tatorts". In der neuen TV-Kolumne erzählt Lisa Wagner, was sie selbst wie und wo guckt. Und was auf keinen Fall.
erik-brandt-hoege

jetzt.de: Welchen Film hast du zuletzt online gesehen?
Lisa Wagner: Gestern Abend habe ich „Es war einer von uns“ mit Maria Simon, Devid Striesow und Hans-Jochen Wagner geguckt. In der Mediathek.

Guckst du viel in Mediatheken?
Ja, und noch mehr, seitdem ich keinen Fernseher mehr habe.

Wie lange ist das schon?
Mittlerweile sind es vier Jahre ohne.

Warum eigentlich?
Gibt ganz profane Gründe: Ich finde Fernseher unglaublich hässlich, und meine Wohnung ist zudem sehr klein. Da habe ich ihn einfach rausgeschmissen. Seitdem gucke ich immer auf meinem Laptop oder auf dem iPad.

Illustration: Julia Schubert

"Ich find's ein bisschen komisch, dass sich so viele Leute meine Filme anschauen" - Lisa Wagner, 35, geht lieber mit ihrem Vater essen, wenn Filme mit ihr im Fernsehen laufen.

Vermisst du den Fernseher?
Nein, weil ich jetzt gezielter gucke. Vorher bin ich immer mal so durch die Programme gegangen, das mache ich jetzt ja nicht mehr.

Magst du auch Video-Plattformen wie YouTube?
Nein, da bin ich sehr old fashioned. Was diese vielen Internet-Plattformen angeht, ist es eine Katastrophe mit mir (lacht).

Wieso?
Es ist mir einfach zu anstrengend. Es langweilt mich auch. Und ich bin wohl auch zu faul.

Facebook zumindest?
Ja, aber nur, weil mich mal jemand angemeldet hat. 

Was ist mit Videos, in denen du mitspielst? Googelst du manchmal danach?
Nee. Ich googele mich grundsätzlich nicht. Da bin ich wahrscheinlich die einzige in der ganzen Branche. Ich googele auch keine Kollegen, auch nicht die, mit denen ich demnächst spiele. Das würde mir ansonsten oftmals den ersten Eindruck kaputt machen.

Guckst du allgemein mehr im Internet oder im Kino?
Schon mehr Internet.

Was hast du zuletzt im Kino gesehen?
„Gone Girl“. Auch weil ich zuvor den Roman gelesen hatte. War ein guter Thriller. Im Kino gucke ich aber alle Sparten. Ich gehe einfach leidenschaftlich gerne ins Kino.

Wie oft?
Im Schnitt einmal die Woche oder alle zehn Tage.

Alleine oder in Begleitung?
Gerne alleine.

Und dann mit Chips und Bier in den Sessel sinken?
Nein, mit Popcorn.

Gibt’s Fernsehsendungen, die du demnächst unbedingt sehen willst? Also in Mediatheken dann?
Gerade nicht. Manchmal läuft mir aber ein Kollege über den Weg und sagt, dies und das müsste ich mir unbedingt angucken. Das mache ich dann natürlich auch.

Guckst du deine eigenen Filme?
Als der erste „Kommissarin Heller“ ausgestrahlt wurde, bin ich mit meinem Vater Essen gegangen. Ansonsten wäre das irgendwie spooky gewesen – sich selbst gucken.

Weshalb?
Ich kann mich nicht so sehr in die Illusion fallen lassen, die ich mir da selbst vorspiele. Ich find’s auch ein bisschen komisch, dass sich das so viele andere Leute angucken (lacht).

Ist doch aber eigentlich ganz schön, wenn die eigene Arbeit in die Welt hinausgeschickt wird.
Joah, aber auch sehr abstrakt. Ich war lange beim Theater, und da gab’s immer direkte Reaktionen. Das gibt’s beim Fernsehen natürlich nicht und ist eher gewöhnungsbedürftig.

Die meisten Fernsehzuschauer verbinden dich mit Krimis. Bist du selbst Krimi-Fan?
Wenn’s ein guter Film ist, ist mir das Genre eigentlich egal. Nur ist die deutsche Fernsehlandschaft mittlerweile so eintönig, dass es zu 95 Prozent Krimis gibt.

Was vermisst du am meisten in der Fernsehlandschaft?
Naja, den vollen Überblick habe ich ja nicht. Aber was mir wirklich fehlt, sind diese ganz normalen Geschichten. Es muss ja nicht immer gleich jemand sterben, um eine Geschichte spannend zu machen. Und mir fehlt niveauvolle, heitere Unterhaltung. Kann auch gerne ein bisschen böse sein.

Hast du ein Beispiel?
Neulich habe ich mal wieder „Alles auf Zucker“ geguckt. Das ist einfach ein supergeiler Film. Liebevoll gezeichnete Charaktere, die Leute haben Nöte, nichts ist oberflächlich – super!

Zum Schluss: Was glaubst du, wird weder das Kino, noch das Fernsehen oder das Internet jemals schaffen, uns zu zeigen?
Sie sind letztlich alle indirekt – die Mattscheibe ist immer dazwischen. Es gibt Dinge, die können nur im Theater funktionieren, davon bin ich überzeugt. Wenn man einen tollen Theaterabend erlebt, geht das so unter die Haut, dass es einfach noch mal anders berührt als alles andere.  

Die nächste Folge „Kommissarin Heller“ läuft am Samstag, 15. November, um 20.15 Uhr im ZDF.


Text: erik-brandt-hoege - Foto: dpa

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