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"Stromberg gucken macht mir Spaß"

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jetzt.de: Herr Herbst, wenn Sie als Jugendlicher die Wahl hatten zwischen Hausaufgaben machen, Fußball spielen, Mädels treffen und Fernsehen – was war Ihre erste Wahl?
Christoph Maria Herbst: Alles der Reihe nach. Weil ich dachte, ich könnte Mädels treffen und Fußball spielen erst dann richtig genießen, wenn ich vorher meine Hausaufgaben schon gemacht hatte. Ansonsten hätte ich so einen Druck im Nacken gespürt. Ich war damals schon erschreckend langweilig und diszipliniert.  

Fernsehen kam an letzter Stelle?
Das war für mich immer so ein Sonntagsding. An den viel zu langen, zähen Sonntagen habe ich mich nachmittags vor die Glotze gesetzt und meine Liebe zu Heinz-Rühmann- und Hans-Moser-Filmen entwickelt. Wir hatten ja sonst nichts.  

Keine Lust gehabt auf die damalige Jugendkultur? Kein "Formel Eins" geguckt?
Nee, das war nicht meine Welt. Dann lieber Hans Moser.  

Wann hatten Sie denn Ihren ersten eigenen Fernseher?
Tatsächlich erst, als ich zu Hause ausgezogen bin und mein erstes Theaterengagement hatte. Irgendeine Rappelkiste habe ich damals mit in meine kleine Bude genommen. Wobei ich nicht wirklich dazu gekommen bin, das Fernsehen zu vertiefen, ich hatte zu viel zu tun. Wenn man am Theater beschäftigt ist, probt man ja vor allem zu Uhrzeiten, zu denen im Fernsehen die spannenden Sachen laufen – so es die denn überhaupt gibt.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert


Guckt lieber sechs Folgen "Tatortreiniger" am Stück als Olympia: Christoph Maria Herbst, 48, der als Bernd Stromberg ab diesem Donnerstag im Kino zu sehen ist.

Der Fernseher wurde also auch erst mal nicht größer und moderner?
Gott sei Dank nicht. Ich eifere nicht dem Kollegen Bastian Pastewka nach, der zu Hause ganze Räume vollgestellt hat mit Fernsehern und Rekordern. Ich habe durchaus auch einen Festplattenrekorder, aber der ist randgefüllt mit irgendwelchen Dateien, die ich mir gar nicht ansehe.  

Wieso nicht?
Mir passiert es oft, dass ich Sendungen aufnehme, sie drei Monate später entdecke und gar nicht mehr anschauen will. Weil ich denke, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum schon abgelaufen ist. Und dann lösche ich’s. Frische ist mir beim Fernsehen schon wichtig.
 
Beginnen wir jetzt mal einen gemeinsamen Fernsehabend. Ich schalte durch, Sie sagen Stopp. ProSieben: "Die Simpsons".
Ja, lassen Sie mal laufen, das ist schon lustig. Vielleicht ist das sogar die Folge, in der ich mit synchronisiert habe.

Im Zweiten kommt ja gerade Olympia: Snowboardfahren der Damen.
Nee, bleiben wir mal auf ProSieben. Was kommt denn da als nächstes?  
"taff".
Dann lassen Sie uns doch mal Olympia gucken!  

Gucken Sie generell viel Sport?
Ich freue mich jetzt vor allem auf die Weltmeisterschaft. Mit Kunstschnee und Putin habe ich’s nicht so.  

Danach: "Das!" im NDR. Auf dem roten Sofa sitzt Attila Hildmann.
Spannend, der hat sich ja der veganen Küche verschrieben, was durchaus ein Thema ist, das mich interessiert. Trotzdem schade, dass Katja Riemann gerade nicht da ist.  

Schalten wir noch mal weiter …
… nee, wir bleiben im NDR, da kommt vielleicht gleich "Tatortreiniger"!  

Das mögen Sie?
Ja! Am liebsten gucke ich das aber auf DVD, weil, wenn ich "Tatortreiniger" gucke, dann gebe ich mir auch die volle Packung und haue mir gleich sechs Folgen hintereinander rein.
 
Acht Uhr: "Tagesschau"?
Selbstverständlich!  

Gucken Sie die regelmäßig?
Auf keinen Fall.
 
Um 20.15 Uhr haben Sie die Wahl zwischen: "Der Bachelor" auf RTL, "Typisch Kölsch - Ausschnitte aus der traditionellen Prunksitzung der Ehrengarde der Stadt" im ZDF und einer Doppelfolge "Two and a Half Men" auf ProSieben.
Es wird Zeit für "House of Cards", was ich gerade auf DVD da habe.

Fehlt Ihnen grundsätzlich was im Abendprogramm?
Ich bin ganz zufrieden – so lange mein DVD-Player funktioniert. 

Sehen Sie sich eigentlich gerne selbst?
Ja, so lange es nicht "Traumschiff" ist, wo ich aber auch nur einmal mitgespielt habe. Die meisten Sachen von mir kann ich mir schon angucken, gerade "Stromberg" macht mir Spaß, das kann ich nicht anders sagen. Ich gehöre nicht zu den Kollegen, die sagen: Ich ertrage mich überhaupt nicht!  

Lachen Sie auch über sich selbst?
Ich lache über das, was ich lustig finde, und dazu gehört teilweise auch das, was ich selbst spiele. Ich lache dann aber nicht, weil ich finde, dass mir irgendwas wahnsinnig geil gelungen ist, sondern weil die Situationen, die Ralf Husmann...  
...der "Stromberg"-Autor...  
...erfunden hat, so herrlich absurd sind, und weil es dem Regisseur Arne Feldhusen gelungen ist, sie auch noch fantastisch in Szene zu setzen.  

Sind Sie selbstkritisch?
Sehr! Es gibt kaum einen Film oder eine Folge "Stromberg", nach der ich nicht gedacht habe: An der und der Stelle hätte ich mal ein bisschen weniger machen müssen. Das ist aber auch gut so, denn es kommt ja irgendwann eine nächste Chance, und dann kann man es besser machen. Grundsätzlich ist es ein gutes Regulativ, sich selbst zu gucken, das kann ich nur jedem Schauspieler empfehlen. Nur Dienst nach Vorschrift zu machen, ergibt keinen Sinn. Man sollte sich dem nachher auch stellen.   


Text: erik-brandt-hoege - Foto: Brainpool/Willi Weber

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