"Und ich kam nicht umhin, mich zu fragen"

Beste Nachwuchsdarstellerin 2013, ziemlich oldschool, ziemlich hübsch: Liv Lisa Fries hat mit uns über ihr ganz persönliches Fernsehprogramm geredet. Die TV-Kolumne.
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Liv, für welche Fernsehsendung hast du als Kind alles stehen und liegen lassen?
„Eine schrecklich nette Familie" habe ich immer gerne geguckt. Und „Mr. Bean". Und „Die Olsenbande". Das alles übrigens noch auf einem sehr kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher, so einem, den man sich damals eigentlich eher ins Auto gestellt hat. Schön old school.

Und die Sendungen ganz schön jugendlich. Keine Lieblingssendungen für Kinder gehabt? Keine „Sendung mit der Maus" geguckt?
Doch, die habe ich zu Hause geguckt, auch so Sachen wie „Pokémon" und „Gummibärenbande". Alles andere habe ich bei meiner Oma geguckt. Wenn meine Schwester und ich bei ihr waren, haben wir immer viel fern gesehen. Wir hatten sogar ein geheimes Zeichen dafür, wenn wir uns vor dem Fernseher treffen wollten: zum Quadrat gelegte Daumen und Zeigefinger.

Und in deiner frühen Jugendzeit? Was lief da so bei dir?
Ich habe viel von dem geguckt, was mein Vater geguckt hat. Zum Beispiel habe ich sehr oft die Tour de France mitverfolgt. Von meinem Vater habe ich auch die Angewohnheit übernommen, gezielt zu schauen, was läuft und was man davon wirklich sehen möchte. Außerdem hat er mir gezeigt, wie toll die große Leinwand ist: das Kino. Wir sind sehr oft zusammen ins Kino gegangen. Ich weiß noch, dass ich damals durch den Film „Crazy" eigentlich erst richtig aufgeklärt wurde.

Illustration: Julia Schubert


Voll oldschool, die Liv Lisa Fries.

Gab es in deiner Jugend ein Thema, das dich im Fernsehen besonders interessiert hat? Kitsch? Krimis? Gameshows? Erotik? Musikfernesehen?
Ganz klare Antwort: „Sex and the City"! Das war voll meine Jugend.

Was mochtest du daran?
Ich war fasziniert von der Hauptfigur Carrie und davon, was die so schrieb. Sie hatte immer diese Redewendung „Und ich kam nicht umhin, mich zu fragen ...", die habe ich dann in meinen Sprachgebrauch übernommen. Ich fand auch diese Oberflächlichkeit der Serie total gut. Zu der Zeit war ich schon sehr auf Inhalte aus. Alles, was ich mir ansah, musste irgendeine Aussage haben. Und bei Carry und ihren Mädels ging es ganz einfach und fast nur um Äußerlichkeiten. Eine angenehme Abwechslung.

Bist du aus der Serie irgendwann rausgewachsen?
Den ersten Kinofilm habe ich mir noch angesehen, den zweiten aber schon nicht mehr. Mein Interesse daran hat sich einfach verloren. Und „Sex and the City" hat sich ja auch verändert, wurde immer bunter und noch kommerzieller. Das brauchte ich bald nicht mehr. Außerdem habe ich mich irgendwann gefragt: Die haben da allen super viel Kohle, tragen ständig die krassesten Klamotten und Schuhe – aber von was leben die eigentlich?

Wann hast du deinen ersten eigenen Fernseher bekommen?
Ich hatte noch nie einen eigenen Fernseher, bis heute nicht.

Wolltest du auch nie einen haben?
Nein. Es gab zwar Phasen, in denen ich meine Eltern dafür verflucht habe, dass ich nicht so viel fern sehen durfte, aber dafür habe ich das dann eben bei meiner Oma und bei Freunden nachgeholt und auch ziemlich ausgereizt.

Jetzt haben wir einen Fernseher da, ich habe die Fernbedienung, es ist früher Abend. Ich schalte durch, und du sagst stopp. Los geht's: ARD: „Verbotene Liebe".
Nee, weiter.

Magst du generell keine Soaps?
Nein.

Stattdessen die „Simpsons" auf ProSieben?
Ja, der Klassiker. Können wir ein bisschen gucken.

Danach weiter zu RTL, es kommen Nachrichten: „RTL aktuell".
Die Art von Nachrichten brauche ich nicht.

Lieber „Das!" im NDR? Auf dem roten Sofa sitzt Moritz Bleibtreu.
Ja. Neulich habe ich mir auch mal gezielt „Das!" angeguckt, als Lars Eidinger da war.

Der 20-Uhr-Gong. „Tagesschau?"
Ja, können wir gerne gucken.

Um 20.15, hast du die Wahl: „Germany's Next Topmodel", der Spielfilm „Inception" mit Leonardo DiCaprio oder eine Doku über Flüchtlinge in Berlin auf Arte.
„Inception" ist super! Und Leo sowieso, ein grandioser Schauspieler, schon immer gewesen. Aber die Doku möchte ich mir auch ansehen, wie so vieles auf Arte. Den Sender liebe ich allein für das Format „Durch die Nacht mit" ...

... wo du auch mal mitmachen würdest?
Klar, wahnsinnig gerne!

Wer wäre dein Wunschpartner für den Abend?
Ich glaube, am liebsten würde ich mich überraschen lassen. So wie ich von den „Durch die Nacht"-Konstellationen als Zuschauer auch immer überrascht werde.

Was könnte dich denn heute noch zur Anschaffung eines Fernsehers bewegen?
Eigentlich nichts. Weil man sich ja fast alles auch online ansehen kann. Außerdem bin ich großer Kino-Fan und sehe mir oft lieber dort einen Film an. 

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