Und was gucken Sie so, Jan Hofer?

Wer Fernsehen guckt, guckt auch Jan Hofer. Er ist Chefsprecher der Tagesschau und moderiert die Talkshow Riverboat. Uns hat er erzählt, was er sich selbst gerne ansieht.
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Illustration: Julia Schubert


Herr Hofer, wie viele Fernseher besitzen Sie?
Oh, wir haben eigentlich überall einen stehen. Lassen Sie mich mal durchzählen: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Büro, Esszimmer … sieben!

Und wo steht der wichtigste?
Bei mir im Büro. Ich habe so ein separates Bürohaus im Garten.

Haben Sie kein typisches Fernsehzimmer?
Wir haben ein Wohnzimmer, wo auch ein Fernseher steht, aber der wird in der Regel nicht benutzt.

Ich hatte mir das bei Ihnen ja so vorgestellt: antike Möbel werden vom Kaminfeuer angestrahlt, und inmitten einer Bibliothek ragt ein kleiner Bildschirm hervor ...
(lacht) Eine Bibliothek habe ich schon, aber das Drumherum ist eher modern gehalten.

Wie oft sitzen Sie vorm Fernseher?
Der läuft immer so nebenbei. Tagsüber gucke ich das, was an Informationen läuft.

Sie gucken, während Sie arbeiten?
Na ja, ich schalte den Fernseher schon auf stumm und drehe dann lauter, wenn es wichtig wird.

Bevor wir mal ein bisschen zappen: Wo ist eigentlich Ihre Fernbedienung in der Regel, wenn Sie sie nicht finden?
Ich habe irgendwann mal alles auf eine Fernbedienung umgestellt, und die hat ihren festen Platz auf meinem Schreibtisch.

Jetzt habe ich die Fernbedienung, schalte durch und Sie sagen stopp: ARD ..
Können Sie gleich anlassen, das gucke ich immer, ist ja klar.

Was kam da zuletzt Spannendes?
Neulich habe ich da einen ganz guten Film mit Götz George gesehen. Die Tagesschau und Tagesthemen gucke ich natürlich auch immer, auch auf dem Handy, wenn ich gerade unterwegs bin.

Beginnen wir mal einen Fernsehabend chronologisch. Am Vorabend haben Sie die Wahl zwischen einer Quizshow, einem Klatsch-Magazin und Wintersport. Was gucken Sie?
Die Quizshow, weil ich da immer mitraten kann. Klatsch-Magazine gucke ich mir nie an, weil sie mich nicht interessieren, das gilt sowohl für die Privaten als auch für die Öffentlich-Rechtlichen. Aber bei uns läuft ja auch „Großstadtrevier“, das sehe ich gerne. Weil ich in Hamburg lebe und man da Orte sieht, die man ganz gut kennt. Jan Fedder kenne ich auch ganz gut.

Der 20-Uhr-Gong, Nachrichten. Mal Hand aufs Herz: Mit welcher Nachrichtensendung gehen Sie der Tagesschau manchmal fremd?
Mit dem ZDF gehe ich schon fremd.

Das war’s schon?
Das war’s.

Manche Nachrichtensendungen heißen ja auch fälschlicherweise Nachrichtensendungen ...
Deswegen interessieren die mich auch nicht. Die ersten Meldungen sind da in der Regel zwar auch Nachrichtenmeldungen, aber danach geht es sehr schnell in die Cross-Promotion rein. Ich finde, dass „Deutschland sucht den Superstar“ nicht unbedingt eine Nachricht wert ist.

Nach den Nachrichten ist Zeit für Unterhaltung. Gibt es eine deutsche Gameshow, die Sie mitreißen kann?
Wir machen ja seit einiger Zeit wieder „Dalli Dalli“, das ist außerordentlich witzig. Ich gucke aber auch „Wetten dass …?“, „Schlag den Raab“ und „Wer wird Millionär“ ganz gerne. Neulich habe ich auch Frank Elstner in „Das unglaubliche Quiz der Tiere“ gesehen. Das finde ich klasse, weil man da viel lernt. Eine Frage war mal: Woher kommt eigentlich das Moschusparfum? Eine Antwort war der Moschusochse, den kennt natürlich jeder, deswegen haben auch alle auf ihn getippt. Er war es aber gar nicht.

Wussten Sie die Antwort?
Nein, ich hätte auch Moschusochse gesagt.

Gucken Sie auch mal eine Castingshow?
Nein, auch nicht die Dschungel-Show. Die Leute sollen schauen, was ihnen Spaß macht, und es gibt ja offensichtlich auch viele, die sich am Nachmittag Barbara Salesch ansehen. Mein Ding ist das alles aber überhaupt nicht.

Fremdschämen mögen Sie sich nicht beim Fernsehen?
Es gibt Sendungen, da kann man gar nicht mehr weggucken, weil es so dämlich ist.

Gibt es etwas, das Sie heimlich gucken?
Ich hab mir ein einziges Mal „Bauer sucht Frau“ angesehen, das aber mehr aus professionellem Interesse. Ich wollte wissen, wie die das machen. Und dann sind mir bestimmte Mechanismen aufgefallen.

Zum Beispiel?
Die werden da immer umschrieben als „der lustige Schweinebauer“ oder „der ruhige Pferdewirt“ und bekommen damit Adjektive und Attribute, bei denen ich mich frage: In welche Richtung wollen Sie die Zuschauer damit manipulieren? Es gibt dort auch keine Moderation, das ist alles gescriptet, denn sonst würde man so nicht sprechen.

Danach gibt’s Talkshows. Sind Sie noch dabei?
Ja, da bin ich noch dabei. Früher habe ich immer Harald Schmidt geguckt, mir war es auch vollkommen egal, auf welchem Sender der aufgetreten ist. Ich finde nur, dass er dramatisch nachgelassen hat.

Können Sie das an irgendetwas festmachen?
Ja. Wenn er eine halbe Stunde lang mit Mario Basler Fußbälle auf ein Holzhaus schießt, finde ich das nicht mehr lustig. Am Anfang denkt man, das ist wieder so eine abstruse Schmidt-Nummer, aber dann wird es ausgereizt bis zum Gehtnichtmehr. Und kürzlich war Olli Dietrich da. Der sollte Fotos von Leuten bewerten, die für „Wetten dass …?“ in Frage kommen. Eigentlich eine hübsche Idee, es ging auch sehr lustig los, ein Comedian wie Dietrich ist ja nicht auf den Mund gefallen. Aber irgendwann hat der auch gesagt: Geht das jetzt die ganze Sendung so?

Und Talkrunden? Finden Sie als Moderator eigentlich auch, dass die früher viel unterhaltsamer waren?
Das glaubt man nur, weil das, was einem von früher vorgesetzt wird, immer nur eine Essenz aus 20 Jahren Talkshows ist. In der Tat waren Talkshowgäste damals nicht so geschult wie heute, deshalb konnte es schon mal vorkommen, dass einer ausgerastet ist und Dinge gemacht hat, die nicht so medienkonform waren, wie man es heute kennt. Trotzdem: Talkshows sind heute schneller und auch spannender.

Und manchmal kommt doch nur Mist. Wann haben Sie zuletzt gedacht: Ich werf’ die Kiste raus!
Das kommt bei mir nicht vor, ich finde eigentlich immer irgendwo was. Ich finde sogar, dass wir in Deutschland das beste Fernsehsystem der Welt haben! Wer viel reist, der weiß, was in anderen Ländern los ist. Gucken Sie mal in Italien Fernsehen oder in Amerika, so viel Langeweile können Sie überhaupt nicht ertragen. Und wer wie ich mit dem Rauschen nach Hans-Joachim Kuhlenkampffs Nachtgedanken groß geworden ist, der findet die Vielfalt, die wir hier und heute haben, sowieso toll.

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