Und was guckst du so, Constantin von Jascheroff?

Der Schauspieler Constantin von Jascheroff erzählt in der neuen TV-Kolumne von seinem Fernsehverhalten. Als Kind, als Teenie und jetzt, als 27-Jähriger.
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Erinnerst du dich an deinen ersten Fernsehmoment?
Das war sicher so Disney-Zeug. So was wie "Arielle" oder "Das Dschungelbuch", beides lief damals immer wieder im Fernsehen.  

Haben dich die Flimmerbilder sofort fasziniert – oder hast du lieber draußen gespielt?
Ich war ein sehr fantasievolles Kind. Und das, was ich da im Fernsehen gesehen habe, hat meine Fantasie immer wieder neu angeregt, sie noch bunter gemacht. Ich durfte nicht viel gucken, das finde ich im Nachhinein auch gut, mit meinem Sohn mache ich das heute genauso. Der Fernseher war immer etwas Besonderes für mich. Für manche Kinder ist er ja leider nur eine Beschäftigungsmaschine. Für mich war es wie eine zweite Welt, in die ich manchmal abtauchen durfte.

Hattest du eine Lieblingssendung?
Disney Club! Der kam samstags um halb neun, und ich habe immer "Disney Klumpen" gesagt, das weiß ich noch. "Disney Klumpen" dufte ich auch tatsächlich immer gucken. Und James Bond. 

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Illustration: Julia Schubert

Constantin von Jascheroff hat man im Fernsehen zuletzt in der ZDF-Krimiserie "Kommissar Stolberg" gesehen.

Schon als Kind?
Ab meinem zehnten Lebensjahr. Hat mein Vater immer mit mir geguckt. Bei den etwas brutaleren Szenen hat er mir natürlich die Augen zugehalten.  

Was war so toll am Bond?
Ich war fasziniert davon, wie die das alles gemacht haben! Wie die die Kameraeinstellungen hinbekommen haben zum Beispiel. Das fand ich wirklich beeindruckend. So beeindruckend, dass ich irgendwann Bücher und Videokassetten hatte, in denen die Bond-Filme erklärt wurden, von den Stunts bis zu den Autos. Darauf war ich damals total heiß.  

Hattet ihr in der Familie außer Bond noch andere Fernsehroutinen?
Bei meinen Großeltern durfte ich "Wetten dass …?" gucken. Ich hab mich immer halb tot gelacht über diesen Lockenkopf. Die Frisur fand ich als Kind voll cool. 

 Und wann hast du deinen ersten eigenen Fernseher bekommen?
Als ich 13 wurde. Es war einer mit Black-Triniton-Röhren, die ein schönes, scharfes Bild gemacht haben – für damalige Verhältnisse.  

Wie viele Fernseher hast du heute?
Zwei. Einen im Wohnzimmer und einen im Schlafzimmer.  

Der im Wohnzimmer, ist das so ein modernes Ding?
Der ist auf jeden Fall riesengroß und hat eine Surround-Anlage. Ich zelebriere es, damit Filme zu gucken.  

Bevor wir den Fernseher mal anmachen und einen Fernsehabend beginnen – wo ist denn deine Fernbedienung in der Regel, wenn du sie nicht findest?
Da man ja für fast alles eine Fernbedienung braucht, hab ich mir eine große Universalfernbedienung besorgt. Es können also keine einzelnen irgendwo verschwinden. Wenn allerdings die universale verschwindet, ist das natürlich scheiße. Ich hab sie eigentlich immer auf dem Wohnzimmertisch. Einmal fand ich sie aber auch im Tiefkühlfach. Schnell mal in der Werbepause ein Eis geholt - schon war’s passiert.  

Jetzt hab ich die Fernbedienung, es ist früher Abend. Ich schalte durch und du sagst Stopp. Los geht’s:  

Sport1: Bundesligavorschau.
Weiter.  

VOX: Das perfekte Dinner.
Weiter.  

RTL: RTL aktuell.
Stopp. Nachrichten sind schließlich Nachrichten, und mich interessiert immer, was in der Welt gerade los ist.  

Danach kommt das Erste: Verbotene Liebe.
Oh Gott, weiter!  

ZDF: Sondersendung über die katholische Kirche.
Ja, stopp. Bei guten Reportagen bleibe ich immer hängen, und gerade dieses Thema finde ich sehr interessant.  

Einen noch. ProSieben: Simpsons.
Stopp! Die sind der Knaller! Gucke ich immer wieder, und es ist immer wieder schön.  

Der 20-Uhr-Gong. Tagesschau?
Super, gucke ich mir an. Gegen die Tagesschau kann „RTL aktuell“ auch einpacken.  

Um 20:15 Uhr hast du die Auswahl: Wer wird Millionär, der Spielfilm „Million Dollar Baby“ und ein Bericht über Kinderarbeit in Asien.
Ich schwanke zwischen „Million Dollar Baby“ und Kinderarbeit in Asien. Da ich „Million Dollar Baby“ aber schon gesehen habe, schaue ich mir wohl den Bericht über Kinderarbeit an.  

Gefällt dir das derzeitige Fernsehabendprogramm ganz allgemein? Findest du immer irgendwas für dich, wenn du einschaltest?
Vor 18 Uhr braucht man die Glotze ja sowieso nicht anmachen, weil bis dahin nur Volksverblödung läuft. Danach bleibe ich meistens auch eher bei den Reportagen hängen. Kinofilme gucke ich mir selten ein zweites Mal an, wenn sie im Fernsehen kommen. Neulich lief zum Beispiel „Black Swan“, den ich schon kannte und wirklich super finde, aber er war schnell zu durchschauen, so dass ich ihn mir nicht noch ein zweites Mal hätte anschauen müssen.  

Hast du stattdessen etwas anderes gesehen?
Ja, „Iron Man“ (lacht). Ein geiler Actionfilm! Ich bin halt ein Junge. Und danach kam noch „Number 23“ mit Jim Carrey, den ich unwahrscheinlich toll finde. Jim Carrey ist nicht nur ein besonders guter Komiker, sondern vor allem ein beeindruckender Schauspieler. „The Mask“ hat mich sehr geprägt.  

Fehlt dir etwas im Programm?
Ich würde es toll finden, wenn es ein Kurzfilmformat gäbe, vielleicht wöchentlich. Man könnte Kurzfilme aus aller Welt zeigen, denn es gibt unheimlich viele unheimlich gute. Leider gehen die oft unter, weil man mit diesem Medium im Fernsehen einfach nicht viel Geld verdienen kann, die Werbung refinanziert sich nicht. Es könnten also Kurzfilme gezeigt und die Filmemacher aus den verschiedenen Ländern porträtiert werden.  

Kannst du dir vorstellen, ohne Fernsehen zu leben?
Kann ich mir vorstellen, will ich aber nicht. Fernsehen finde ich ein tolles Medium, für das ich gerne GEZ bezahle. Wobei ich es etwas schwach finde, dass jedem Menschen in Deutschland ein Vertrag dafür aufgedrückt wird, der erst mit dem Tod endet. Und Menschen, die blind sind, sollen nur die Hälfte zahlen – das kann ich nicht verstehen. Es sollte doch jedem selbst überlassen bleiben, ob er einen Fernseher möchte oder nicht. Und vielleicht sollte ich auch mal erwähnen: die Gebühren bleiben Pflicht, gleichzeitig gibt es aber immer mehr und überall Kürzungen im TV-Geschäft. Früher hatte man für einen Spielfilm 30 Drehtage, heute teilweise nur noch 18. 18 Tage für 90 Minuten Film! Und die Qualität darf natürlich nicht darunter leiden. Da frage ich mich doch als junger, ambitionierter Filmemacher und -gucker: Wo geht die Kohle hin?

Text: erik-brandt-hoege - Foto: Screenshot Vimeo

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