Und was guckst du so, Ingo Zamperoni?

Ingo Zamperoni ist der perfekte Schwiegersohn unter den Nachrichtensprechern. Wir haben ihn nach seinen Glotz-Gewohnheiten gefragt.
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jetzt.de: Herr Zamperoni, erinnern Sie sich an Ihren ersten Fernsehmoment?
Ingo Zamperoni: Ja, gerade neulich habe ich daran denken müssen, als sich meine Kinder zum ersten Mal eine Folge „Biene Maja“ angesehen haben. Im Intro schwebt Maja zwischen Seerosenblättern über einen Teich. Das war, glaube ich, das allererste, was ich im Fernsehen gesehen habe. In den tiefen Siebzigerjahren.  

Waren Sie an sich ein Fernsehkind, oder haben Sie lieber draußen gespielt?
Lieber würde ich nicht sagen, aber ich habe mehr draußen gespielt. Wir hatten zwar einen Fernseher, aber meine Eltern haben unser Fernsehverhalten doch eher geregelt. Ferngesehen habe ich mehr bei Freunden, als zu Hause. Zum Beispiel ging ich nach dem Hockeytraining immer mit zu einem Kumpel, und dann gab es „Western von gestern“ wie „Zorro“, natürlich noch in schwarz-weiß. Das waren Highlights der Woche.  

Gab es weitere Sendungen, die Sie als Kind ungern verpassten – oder aus erzieherischen Gründen vielleicht nicht verpassen sollten?
Die „Sesamstraße“ habe ich immer geguckt. Und bei meinen Großeltern in Italien, wo andere Fernsehregeln galten, habe ich sehr viele „cartoni animati“ schauen dürfen. Das haben meine Eltern unter dem Aspekt abgehakt: Na ja, immerhin lernt er dadurch die Sprache besser.  

Und später, als Teenager? Gab es etwas, das sie regelmäßig gesehen haben? Eine Serie? Eine Unterhaltungsshow?
Es gab nichts, wofür ich alles hätte stehen und liegen gelassen, nur um es zu gucken. Aber es gab schon Sendungen, die wir uns im Familienkreis angesehen haben. Wir hatten diese typischen Fernsehlagerfeuer an Samstagabenden, wenn zum Beispiel „Wetten dass …?“ oder „Verstehen Sie Spaß?“ kam. Und zur Karnevalszeit habe ich mit meiner Großmutter immer „Mainz, wie es singt und lacht“ geguckt.  

Hatten Sie als Teenager einen eigenen Fernseher?
Nein.  

Hätten Sie denn gerne einen gehabt?
Ich hatte nie den Bedarf. Und meine Eltern hätten es auch nicht gut gefunden, wenn damals jeder in sein Zimmer gegangen wäre, um irgendetwas alleine zu gucken.  

Wann hatten Sie denn zum ersten Mal einen eigenen Fernseher?
Im Studium. Das war ein ganz kleiner, ohne Fernbedienung, den ich von meiner Großmutter vermacht bekommen hatte. Und dann kam es schon mal vor, dass ich den nachts eingeschaltet habe, wenn ich nach Hause kam, und früh morgens davor aufgewacht bin.

Was haben Sie zu der Zeit geguckt?
In den Achtzigern gab es ja die ersten Programme auf Englisch. MTV fand ich spannend, Ray Cokes habe ich zum Beispiel immer gerne geguckt. Und amerikanische Sportarten wie Football, Basketball und Baseball. 

Und heute? Wie viele Fernseher haben Sie jetzt?
Einen. Der steht ganz klassisch im Wohnzimmer. Ich hatte noch ganz lange den Fernseher von meiner Oma, also den ohne Fernbedienung. Erst vor drei Jahren haben wir einen neuen besorgt.  

So ein modernes Ding?
Ja, mit Flachbildschirm. Der stand eine Zeitlang in der Ecke auf dem Boden. Mittlerweile steht er etwas höher, damit die Kinder ihn beim KiKa-Gucken nicht über den Haufen rennen.  

Bevor wir den Fernseher mal anmachen und einen Fernsehabend beginnen – wo ist eigentlich Ihre Fernbedienung meistens, wenn Sie die nicht finden?
Seitdem die Kleinen mobil sind, legen wir sie immer auf ein Bücherregal, etwa auf meiner Schulterhöhe. Wenn wir das mal vergessen und die Kinder sie in die Hände kriegen, kann sie überall landen.   

Jetzt habe ich die Fernbedienung, es ist früher Abend, ich schalte durch, und Sie sagen stopp. Los geht’s: RTL. Es läuft: „RTL aktuell“.
Och, da würde ich mal reingucken. Einfach um zu schauen, was die Konkurrenz so macht.  

Sehen Sie „RTL aktuell“ wirklich als Konkurrenz?
Sagen wir mal so: Die „Tagesschau“ und Nachrichten im Ersten generell stehen vielleicht für sich. Aber das heißt ja nicht, dass man nicht auch mal über den Tellerrand schauen sollte, um zu sehen, was die anderen machen.  

Ich zappe mal weiter, lande auf ProSieben: die „Simpsons“.
Da würde ich auch hängen bleiben! Die „Simpsons“ finde ich großartig. Vor allem, wie die Macher es immer wieder schaffen, etwas aus wichtigen realen Ereignissen relativ zeitnah in die Serie einzubauen. Das finde ich faszinierend.

Weiter geht’s, wir sind im Ersten. Dort ist Vorabendzeit ja immer auch Soapzeit: „Verbotene Liebe.“
Wir können weiterschalten.  

Arte: eine Doku über Wüstentiere.
Ich finde Tierdokus an sich zwar super, aber es kommt eher selten vor, dass ich mich hinsetze und sage: die Dreiviertelstunde über Wüstenmäuse schaue ich mir jetzt einfach mal an.  

Der 20-Uhr-Gong - „Tagesschau?“
Ja, aber mittlerweile auch nicht mehr nach dem Motto: Griffel fallen lassen und gucken! Manchmal ergibt es sich, wenn ich die Kinder rechtzeitig ins Bett bekommen habe. Aber ich gucke die Nachrichten auch immer häufiger online und über die „Tagesschau“-App. Quasi News on Demand. Fernsehen nach der vorgegebenen Zeit gucke ich generell immer weniger.  

20.15 Uhr. Sie haben die Auswahl: „Deutschland sucht den Superstar“, der Spielfilm „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ oder „Dalli Dalli“?
Auf jeden Fall „Dalli Dalli“! Da war ich selbst schon Gast. Ein großartiger Spaß! Ich musste Glasvasen-Weitwurf und Tortenkopfrennen machen.

Die alte Schule der Fernsehunterhaltung…
Ja, auch wenn es jetzt schon einen gewissen Retro-Geschmack hat. Wenn „Dalli Dalli“ lief, saß ich schon als Kind mit meinen deutschen Großeltern auf dem Sofa. Ich finde es auch super, dass der NDR kaum etwas daran verändert hat. Das ist wohl das Erfolgsgeheimnis der Show.  

Gibt es sonst noch Unterhaltungsshows, die Sie reizen? Vielleicht so was wie „Schlag den Raab“?
Nee, aber an sich finde ich es faszinierend, aus was Stefan Raab alles ein Event macht. Die „Wok-WM“ zum Beispiel. Die habe ich mir auch schon mal angeguckt. Die ist ja schon echt schräg.  

Wovon lassen Sie sich denn gerne unterhalten?
Wenn ich mal einen Abend Zeit habe, gehe ich selten dazu über, durchs deutsche Programm zu zappen. Wir gucken zu Hause eher DVDs. Meine Frau ist Amerikanerin, und wir gucken unheimlich viele amerikanische Serien, „Mad Men“ zum Beispiel und „Modern Family“. Was mir im deutschen Fernsehprogramm fehlt, ist die Möglichkeit, Serien wie „How I Met Your Mother“, die ich auf ProSieben eine Zeitlang schon auf Deutsch gesehen habe, auf Englisch zu sehen. Und viele englische Filme würde ich auch gerne mit Originalton gucken.

Würden Sie auch selbst Fernsehunterhaltung moderieren? Gibt es ein Format, das Sie übernehmen würden?
Ich glaube, ich bin bei Aktualität und Nachrichten ganz gut aufgehoben. Ich bin eher Journalist als Unterhalter.  

Und wenn man Sie fragen würde, ob Sie zum Beispiel die „Sportschau“ moderieren möchten?
Och, vorstellen könnte ich mir das schon. Sportbegeistert bin ich zumindest genug, und das Terrain finde ich auch interessant. Ich mache ja auch selbst viel Sport. Und da ich immer neugierig bin und gerne Neues ausprobiere – warum nicht? Gerade, wenn es um Fußball geht, gibt es allerdings schon viele Experten.  

Und wenn Sie an der Seite eines solchen Experten auftreten würden? Etwa neben Mehmet Scholl bei einem Länderspiel in de ARD?
Am besten bei Deutschland gegen Italien (lacht). Das könnte ich mir gut vorstellen. Können wir dem Programmdirektor ja mal vorschlagen.  

Manchmal kommt ja auch nur Mist im Fernsehen. Schon mal darüber nachgedacht, ohne zu leben?
Könnte ich mir ein Leben ohne Fernsehen vorstellen? Es wäre ja bigott, jetzt „ja“ zusagen, denn ich arbeite ja fürs Fernsehen. Ich verteufele das Fernsehen auch nicht. Ich schaue gerne fern. Deshalb: lieber mit. Auch weil ich gerne den Zugang zu den Angeboten habe, vor allem zum Live-Fernsehen. Ich glaube, es war Kulenkampff, der mal gesagt hat: Fernsehen, das nicht live ist, ist wie künstliche Befruchtung. Das geht zwar auch, aber es ist nicht das Gleiche. Live-Fernsehen erlaubt einem, bei etwas mitzufiebern, das irgendwo stattfindet, wo man selbst gerade nicht sein kann. Zuletzt zum Beispiel bei der Vereidigung von Barack Obama. Dabei sein, ohne vor Ort zu sein – das ist die große Stärke von Fernsehen.

Text: erik-brandt-hoege - Foto: Jennifer Fey