Und was guckst du so, Johanna Klum?

Ob Elton vs. Simon oder Bundesvision Song Contest - die Berlinerin Johanna Klum ist ein gut gebuchtes Fernsehmädchen. Uns hat sie für die TV-Kolumne verraten, was sie selbst gerne guckt, und was lieber nicht.
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Illustration: Julia Schubert




Wo steht dein Fernseher?
Im Wohnzimmer. Ich hatte früher auch mal einen im Schlafzimmer, als ich beweisen wollte, dass man von 24 Stunden auch ungefähr 16 Fernsehen gucken kann. 

Der im Wohnzimmer, ist das so ein modernes Ding?
Relativ modern. Ich habe während der WM im letzten Jahr gewettet, dass wenn wir ins Halbfinale kommen, ich mir einen größeren Fernseher kaufe.  

Was war dir beim Kauf wichtiger: Größe oder Design?
Mir war schon wichtig, dass man von der Couch aus auch ohne HD die Gesichter gut erkennt. Aber ich mag es nicht, wenn so ein Flatscreen das ganze Zimmer dominiert. Deshalb hat meiner zumindest eine unauffällige Farbe, nämlich weiß.  

Weiß findest du eine unauffällige Farbe für einen Fernseher?
Zumindest bei mir, denn mein Wohnzimmer ist in weiß gehalten.  

Wie oft sitzt du so vorm Fernseher?
Wenn ich früh wach bin, gucke ich mir schon mal die Nachrichten oder ein Morgenmagazin an. Ansonsten sehe ich eigentlich eher abends fern, und dann meistens etwas, das mein Gehirn nicht all zu sehr beschäftigt, so dass ich parallel zum Beispiel noch kochen kann. 

Wenn wir jetzt anfangen zu zappen, schaltest du direkt auf ProSieben?
Nein, ich gucke erst mal generell, was so kommt.  

Keinen Lieblingskanal?
Nein.  

Aber bestimmt Vorlieben im Vorabendprogramm. Da läuft gerade eine Soap, ein Quiz und Promi-News. Was ist es für dich?
Bei den Soaps weiß ich nie, was da gerade los ist.  

Da kann man doch jederzeit wieder einsteigen
Ja, ich habe aber keinen Bock auf Soaps.  

Kein Kitsch am Vorabend?
Nee, eher bleibe ich da hängen, wo David Hasselhoff gerade über seinem Burger hängt. Traurig aber wahr.  

So was schauen sich ja viele an. Warum eigentlich?
Ich gucke das, weil ich dabei nicht denken muss, und weil es immer kurze, kleine Geschichten sind. Wenn die zu Ende sind, kann ich schnell wieder wegschalten.  

Ist es auch die Lust am Fremdschämen?
Wenn ich so was zu lange sehe, wird mir das doch so unangenehm, dass ich wegschalten muss. Ich habe aber tatsächlich auch Freunde, die mit Begeisterung Telefonkonferenzen machen, wenn „Bauer sucht Frau“ läuft.  

Aber die Klatsch-News guckst du.
Ich gucke sie mir an, weiß aber natürlich auch, wie wenig Wahrheit darin steckt. Das sind schöne bunte Bilder – aber das war es dann auch schon.  

Was machst du eigentlich in den Werbepausen?
 Dann schalte ich um oder gleich aus. Weil es mich latent aggressiv macht, dass die Werbung immer doppelt so laut ist wie die dazugehörige Sendung.  

Der 20-Uhr-Gong. Tagesschau?
Ich finde es immer interessant – wenn man sich zu dieser Zeit mal zu einem anderen Sender außer der ARD verirrt hat – was so alles als Nachrichten verkauft wird. Ich gucke nur die Tagesschau. Vor allem dann, wenn ich es vorher nicht geschafft habe, die Zeitung zu lesen.  

Danach: Krimi oder Castingshow?
Krimis sehr gerne, die einzige Castingshow, die ich gucke, ist „X-Factor“. Vielleicht schau ich aber auch mal bei "The Voice" rein.  

Warum nur die?
Weil mir die anderen zu sehr wehtun. Allgemein sehe ich mir gerne gute Musikformate an, weil ich aus dem Bereich ja selbst komme. Und bei „X-Factor“ fühle ich mich sehr unterhalten. Außerdem schau ich auch dem Jochen gerne zu.  

Danach noch eine Talkrunde?
Wenn es interessante Gäste und Themen gibt, dann ja.  

Irgendwelche Präferenzen?
Markus Lanz gucke ich gerne, zum Beispiel neulich, als Nelson Müller da war, mit dem ich befreundet bin. Aber auch die „NDR-Talkshow“ oder den Kölner Treff“. Früher bin ich auch mal bei Kerner hängen geblieben, und jetzt bei Jauch. Nur „Beckmann“ kann ich mir nicht angucken. Den möchte ich immer aus seiner Denkerpose rausschubsen.  

Achtest du generell sehr darauf, was Moderatoren richtig und falsch machen?
Ich nehme es jedenfalls sofort wahr, wenn da jemand etwas gut oder schlecht macht. Ich merke ja, wenn einer nur seinen Fragenkatalog runterrattert, und das ganz unabhängig von den Antworten seines Gegenübers, oder ob jemand ein richtiges Gespräch führt, bei dem man sich als Zuschauer auch mal zurücklehnen kann. So wie bei Maischberger, das finde ich einfach angenehmer.  

Guckst du dich auch selbst im Fernsehen?
Wenn, dann eher zufällig. Und dann erschrecke ich mich im ersten Moment total.  

Und sagst du anderen Bescheid, wenn du im Fernsehen kommst?
Im Normalfall nicht. Aber neulich habe ich bei der „Kocharena“ mitgemacht, die Sendung kommt im Januar. Ich werde auf jeden Fall darauf achten, dass meine Familie dann zusieht, weil ich so stolz auf meinen Nachtisch bin. Das ist eine Sondersituation. Meine Mama, die mir das Kochen beigebracht hat, soll doch sehen, dass es jetzt endlich Früchte trägt.  

Manchmal kommt ja auch nur Mist. Wann hast du zuletzt gedacht: Ich werf die Kiste raus?
Beim Fußball. Ich rede sehr viel mit meinem Fernseher, wenn Fußball kommt, und dann ärgere ich mich zum Beispiel, wenn Beckmann kommentiert. Ich werde dann wahnsinnig aggressiv und streite mich auch lautstark mit ihm.  

Eher untypisch, für eine Dame.
Ja, aber Beckmann und Fußball? Das geht überhaupt nicht! Ansonsten bin ich da ja gar nicht so.  

Wenn du mal bei Beckmann eingeladen wärest, würdest du ihm das dann auch so sagen?
Jederzeit! 

Wo ist deine Fernbedienung, wenn du sie nicht findest?
Entweder unter meiner Katze, oder im Kühlschrank.  

Was soll sie denn im Kühlschrank?
Ich weiß auch nicht, aber da habe ich sie schon mehrfach gefunden. Passiert wahrscheinlich beim Kochen.



Text: erik-brandt-hoege - Foto: dpa

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