Und was guckst du so, Jonas Nay?

Jonas Nay spielte die Hauptrolle in "Homevideo" und gewann zwei Fernsehpreise. In der TV-Kolumne erzählt der 21-Jährige von seinem ersten eigenen Fernseher, der kein Fernseher war, von Stefan Raab und der Magie des Käptn Blaubär.
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Illustration: Julia Schubert


Jonas, wann hast du deinen ersten eigenen Fernseher bekommen?
Ich war 14, und es war gar kein Fernseher, sondern ein Laptop. Einen Laptop zu besitzen, war damals immer mein großer Traum. Und nachdem ich eine Kinderserie gedreht hatte, habe ich mir einen gekauft. Meine Eltern hatten mich eigentlich eher fernsehfern aufgezogen und wussten nicht, dass im Laptop auch ein DVB-T-Tuner ist, über den ich heimlich Fernsehen gucken konnte. Erst als meine Mutter die kleine Antenne entdeckte, die aus meinem Fenster guckte, kamen sie dahinter.  

Wurde bei dir zu Hause allgemein nicht viel fern gesehen?
Sehr reduziert. Meine Geschwister und ich konnten als Kinder natürlich „Die Sendung mit der Maus“ und „Sesamstraße“ sehen. Und mit meinem Vater durfte ich immer Handball gucken. Das war es dann aber auch. Alles andere musste ich beim Nachbarskind gucken.  

Was zum Beispiel?
Zum Beispiel „TV Total“, das war damals ein absolutes Highlight für mich. Stefan Raab gucken war immer ganz toll. Und „RTL Samstag Nacht“ fand ich auch super.  

Und heute? Gibt es Sendungen, die du nur ungern verpasst?
Ich habe irgendwann angefangen, mit meiner Mutter die „Tagesschau“ zu gucken. Das war etwa in der Zeit, als Politik- und Wirtschaftsunterricht in der Schule dazu kamen. Die „Tagesschau“ gehört bis heute zu meinem Alltag. Wenn ich sie mal verpasse, lade ich sie mir später runter.  

Sonst gibt es keine Sendungen, die du regelmäßig siehst?
Doch. Früher war es Captain Blaubär und Pumuckl. Das hat sich natürlich mittlerweile ein wenig geändert. Heute sind die Sendungen, die ich nie verpasse „neo paradise“, die „heute show“ und „extra 3“.
  
Guckst du immer noch über den Laptop – oder hast du heute einen richtigen Fernseher?
Einen Fernseher habe ich nicht, aber mittlerweile gucke ich über den Bildschirm meines PCs.  

 Beginnen wir doch mal einen Fernsehabend mit lockerem Durchzappen. Ich habe die Fernbedienung, schalte an, und du sagst stopp: RTL, Sat. 1, Sport 1, ZDF …
Stopp.  

Was kam da zuletzt Spannendes?
Das „ZDF Sportstudio“.  

Guckst du generell viel Sport?
Fußball gucke ich eigentlich immer, und immer gerne mit Freunden.  

Stell dir vor, du hättest die Auswahl zwischen der „Sportschau“, „Simpsons“ und einem Star-Magazin.
Wenn ich alleine wäre, würde ich mir wahrscheinlich die „Simpsons“ angucken. Das finde ich immer toll: hinsetzen, was leckeres Essen, mal an gar nichts denken – „Simpsons“ gucken. Die habe ich auch oft geguckt, wenn ich mal krank war. Dann habe ich mir ganze Staffeln reingezogen, einige Folgen kann ich bestimmt schon mitsprechen. Wenn aber meine Jungs da wären und wir in geselliger Runde mit einem Bierchen auf der Couch säßen, würde ich sicherlich die „Sportschau“ anmachen.  

Um 20.15 kommen verschiedene Shows: „Schlag den Raab“, „Wetten dass …?“ und „DSDS“. Was wird geguckt?
Ist doch klar: „Schlag den Raab“. Castingshows finde ich zum Fremdschämen. Manchmal muss ich welche mit meinen Geschwistern oder meiner Freundin gucken, aber ich halte nie lange durch. Und „Wetten dass …?“ hat mich noch nie wirklich gereizt. Ich mochte immer nur die Live-Auftritte der Bands. Also: „Schlag den Raab“! Da würde ich auch gerne mal mitmachen.  

Bei „Schlag den Star“?
(lacht) Das dauert noch ein bisschen, bis ich dafür angefragt werde. Aber ich würde es machen. Da darf ich dann aber nicht gegen Raab antreten, oder?  

Nein.
Ach, ich würde es trotzdem machen. Aber am liebsten würde ich gegen Raab antreten.

Würdest du gegen ihn gewinnen?
Ich glaube, ich hätte eine reelle Chance. Zumindest in den sportlichen Kategorien. Sportlich schafft er es gegen mich nicht. In den Promi-Fragen wäre er mir allerdings haushoch überlegen.  

Nach Raab noch eine Talkrunde?
Ich schaue mal in die NDR-Talkshow rein. Da sitzen oft Leute, denen ich ganz gerne zuhöre. An sich bin ich aber nicht so der Talkshow-Gucker.  

Und wie wäre es, als Gast in einer Talkshow zu sitzen?
Ich finde spannend, wenn Leute in Talkshows sitzen, die auch wirklich was zu erzählen haben. Und ich bin ja noch ziemlich grün hinter den Ohren und weiß gar nicht, was die Welt von mir hören will.  

Bescheidene Gäste sind doch immer gerne gesehen.
Stimmt, das sind die angenehmsten. Aber bei mir hat das weniger mit Bescheidenheit zu tun als damit, dass ich nicht weiß, ob ich zu bestimmten Themen auch etwas erzählen könnte. Oft werden in Talkshows ja interessante Themen behandelt, und dann sitzen da aber Leute, die damit eigentlich gar nichts zu tun haben, sondern einfach nur gerne reden. Die setzen zum Beispiel ja auch immer einen Comedian dazwischen.  

Manchmal kommt ja auch nur Mist. Hast du schon mal überlegt, ohne Fernsehen zu leben?
Als ich das erste Mal umgezogen bin, hatte ich tatsächlich keinen Fernseher. Und ich habe auch wenig vermisst. Dann kam aber die Zeit, in der ich intensiv gedreht habe. Ich habe Schauspieler und Regisseure kennen gelernt, und damit kam auch wieder das Interesse, sich im Fernsehen mal ein bisschen umzuschauen, gerade was die deutschen Produktionen angeht.

Text: erik-brandt-hoege - NDR/Gordon Timpen

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