Und was guckst du so, Katrin Bauerfeind?

Kommt Popkultur im deutschen Fernsehen, kommt oft Katrin Bauerfeind. Im Interview erzählt sie von ihremFernseh-Trauma, GNTM und schicken Fernsehattitüden
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Illustration: Julia Schubert



Katrin, erinnerst du dich, wann du zum ersten Mal vom Fernsehen fasziniert warst?
Vom Fernsehen fasziniert war ich schon als Kind. Super war damals immer, wenn ich krank war - dann durfte ich bei meinen Großeltern als Entschädigung den ganzen Tag Fernsehen gucken. Bis irgendwann der Opa kam und sagte: Vom Fernsehen kriegt man viereckige Augen. Dabei hätte ich nach 80 Folgen „Die Schlümpfe“ doch gerne noch die 81. geguckt.   

Hast du damals generell viel Fernsehen geguckt?
Es war nicht so, dass ich vom Fernsehen übersättigt war. Fernsehen zu gucken war schon noch was Besonderes.  

Welche Sendungen waren denn besonders für dich?
Ich habe sehr früh „Aktenzeichen XY“ geguckt.  

Schon als Kind?
Schon mit fünf. Meine Mutter hat mich damals vor „Aktenzeichen XY“ gesetzt und gesagt: Wenn mal so ein Onkel kommt und sagt, „Möchtest du mitgehen“, weißt du, dass du das nicht sollst. Seitdem habe ich das „XY“-Trauma.  

Das heißt?
Bis heute kann ich das nicht mehr gucken, dann kriege ich nämlich wahnsinnige Angst. Ich kann auch keine Krimis lesen oder überhaupt irgendwas, bei dem Ungutes mit Menschen passiert, weil ich sonst über mehrere Monate innerlich sehr gestresst bin und denke: Das könnte ja überall passieren!  

Hast du damals neben „XY“ noch was geguckt, was du eigentlich nicht gucken solltest?
Als ich schon etwas älter war, haben wir oft „RTL Samstag Nacht“ geguckt, wenn unsere Eltern Kegeln waren. Wir haben nichts kapiert, aber die ganze Zeit schallend gelacht.  

Und wann hast du deinen ersten eigenen Fernseher bekommen?
Zum 18. Geburtstag! Das war ein großer Tag, weil ich damit ja auch eine gewisse Verantwortung übertragen bekommen habe. Meine Eltern meinten damals: Kind, wir trauen es dir jetzt zu - du darfst Auto fahren und selber Fernsehen gucken.  

Vergleichsweise spät.
Ja, aber was das Fernsehen anging, war die Macht bei uns zu Hause eben immer in den Händen der Eltern. Wir hatten zu Hause auch nur drei Programme. Während manche aus meiner Klasse schon mit „GZSZ“-Halsketten zur Schule kamen, wusste ich noch nicht mal, was das war. Ich wurde ausgelacht, weil es für mich nicht selbstverständlich war, von viertel vor bis viertel nach acht „GZSZ“ zu gucken. Als ich dann einen eigenen Fernseher hatte, war das natürlich toll! Auch wenn der total mini war. So einer von der Sorte, die sich andere in ihre Wohnwagen stellen.  

Wie lange hattest du den?
Bis vor zwei Jahren. Bis mich alle für bescheuert hielten, weil ich trotz fortschreitenden Technik immer noch in dieses kleine Ding guckte.  

Dann kam der Flachbildschirm?
Ja. Ich wollte mich ja nicht schon wieder zum Gespött des gesamten Freundeskreises machen. Die haben alle schon einen Beamer und Riesenleinwände.  

Bevor wir den Fernseher anmachen und ein bisschen rum zappen: Wo ist denn deine Fernbedienung meistens, wenn du sie nicht findest?
Ich verlege meine Fernbedienung nie. Die liegt immer auf der Couch.  

Dann starten wir doch mal einen Fernsehabend. Im Vorabendprogramm haben wir zur Auswahl: „Verbotene Liebe“, „Simpsons“ oder „mieten, kaufen, wohnen“. Was wird geguckt?
„Simpsons“. Die nehme ich sogar manchmal auf. Ich finde die sehr entspannend. Wenn ich jetzt mal krank bin, gucke ich den ganzen Tag die „Simpsons“.  

Und danach Nachrichten?
Ja, obwohl man ja meistens schon Bescheid weiß.  

Wenn Nachrichten, dann die „Tagesschau“?
Ja. Wenn es irgendwie geht, finde ich das Nachrichtengucken von 20 Uhr bis 20 Uhr 15 als festes Element im Tag total schön.  

Um 20 Uhr 15 kommen: „Opdenhövels Countdown“, „Germany’s Next Topmodel“ und „Wer wird Millionär“.
Dann gucke ich die Huuh-Mädchen! (lacht)  

Die Huuh-Mädchen?
Das sind die Topmodels. Die machen doch alle immer huuhuu, wenn sie Schuhe, Klamotten, irgendwen oder sich selbst sehen. Ständig ist irgendeine am Kreischen. 

So richtig gerne gibst du nicht zu, dass du dir das anguckst …
Ich gucke das mit einer ironischen Distanz. Das ist mir schon wichtig. Mit ironischer Distanz kann man alles machen im Leben.  

Aber du guckst das doch vor allem, weil es dich unterhält – oder?
Joah, ich finde das auch ganz unterhaltsam.  

Verabredest du dich auch manchmal mit Freundinnen und …
...natürlich! Das haben wir auch schon gemacht, mit Pizza bestellen und so. Aber eben: alles mit ironischer Distanz. Eigentlich finden wir es nämlich furchtbar, und es wird auch alles negativ und abwertend kommentiert. Denn: Man selber ist natürlich in keiner Hinsicht und niemals so. Und man möchte auch niemals so sein. Man findet es nur lustig, anderen beim Mädchensein zuzugucken.  

Und nach den Mädchen? Eine Talkrunde?
Ja, so was gucke ich zwischendurch sehr gerne.  

Welche denn?
Ich mag Sandra Maischberger sehr gerne. Aber ich gucke auch Plasberg und Beckmann. Talkrunden sind mir eigentlich immer willkommen im Wohnzimmer. Ich mag es, wenn da fröhlich geplaudert und gequatscht wird. Wenn da irgendwer blubbert, und man mal genauer hinhört und mal nicht.  

Manchmal kommt ja aber nur Mist im Fernsehen. Schon mal darüber nachgedacht, ohne zu leben?
Habe ich auch schon überlegt. Auch weil das Gerücht kursiert, man wäre sehr viel produktiver, wenn man keinen Fernseher mehr hat. Dieses „Ich habe keinen Fernseher mehr, läuft ja auch nichts“ ist mir aber irgendwie zu schick. Ich meine: ich habe auch Abende, an denen ich denke, jetzt habe ich mir schon 247 Sender zugelegt, und ich finde trotzdem nichts. Aber an sich mag ich Fernsehen. Ich mag es, mal nichts runterladen zu müssen, sondern einfach mal einzuschalten und zu gucken, was angeboten wird.

Text: erik-brandt-hoege - Foto: ZDF/3sat

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