Und was guckst du so, Oliver Wnuk?

Oliver Wnuk kennt man vor allem als einen: als Versicherungsmacho Ulf aus "Stromberg". In der TV-Kolumne spricht Wnuk über seine frühe Vorliebe für Jodelfilme, eine Rateshow und zu kranke Krimis.
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Oliver, wann hast du deinen ersten eigenen Fernseher bekommen?
Das war der alte braune, ich schätze mal 35 Kilo schwere Röhrenfernseher meiner Eltern. Der hatte acht Knöpfe, zum Umschalten musste man immer Aufstehen. Bekommen habe ich ihn 1990, was sehr pikant war, weil RTL zu der Zeit immer samstags um halb elf diese Jodelfilme ausgestrahlt hat. Für mich als Pubertierender waren die extrem interessant. Und „Tutti Frutti“ gab’s auch noch, ich glaube, das kam sogar hintereinander. Das habe ich natürlich alles geheim geguckt, was es noch spannender machte.  

Und wie wichtig war Fernsehen in deiner Jugend generell?
Ich durfte unfassbar viel fernsehen. Meine Eltern haben mich sicherlich nicht schlecht erzogen, aber in Sachen Fernsehen haben sie mir viele Freiheiten gelassen. Ich bin mit Fernsehen aufgewachsen. Ich konnte – und kann es wahrscheinlich immer noch – die Fernsehsendungen von damals innerhalb einer Millisekunde an ihrer Musik und Ästhetik erkennen.  

Warst du mal süchtig nach Fernsehen?
Ja, das kann sein, ein bisschen vielleicht. Vor allem aber war ich vom Fernsehen inspiriert und habe zum Beispiel irgendwann angefangen, mir selber Detektivausweise auszuschneiden und damit dann auf dem Fahrrad irgendwelchen Lehrern hinterher zu spionieren. Fernsehen war schon eine Jugendinspiration.  

Bei welchen Sendungen musstest du unbedingt zu Hause und vorm Fernseher sein?
Bei „Raumschiff Enterprise“ natürlich. Das war damals zwar bestimmt auch schon die achte Wiederholung, aber Captain Kirk war irgendwie faszinierend! Und „Captain Future“ war auch nicht schlecht.     

Zurück ins Hier und Jetzt. Wie viele Fernseher besitzt du heute?
Einen.  

Wo steht der bei dir?
Im Wohnzimmer. Der ist auch ordentlich groß, aber relativ selten an. Durch die Erfindung der Mediathek und des DVD-Players kann der Fernseher bei mir eigentlich fast in Rente gehen. Er ist nur noch da, um mir Nachrichten zu vermitteln, oder für die Momente, wenn mir wirklich extrem langweilig ist, was ganz selten vorkommt. Oder wenn ich im Familienkreis mal samstagabends so was „Wetten dass …?“-mäßiges gucke.

 Bevor wir den Fernseher doch mal anmachen und ein bisschen rumzappen: Wo ist denn deine Fernbedienung meistens, wenn du sie nicht findest?
Entweder liegt sie ganz ordentlich am Fernseher oder in der Sofaritze.  

Jetzt habe ich die Fernbedienung, schalte durch und du sagst stopp: Sat.1, RTL, ARD …
Ja, stopp.  

Was lief da zuletzt Spannendes?
Zum Beispiel politische Talkshows.

Herr Jauch?
Ja, oder auch Frau Will.  

Magst du politische Talkshows an sich?
Ja, wobei wenn ich wirklich etwas über Politik wissen möchte, lese ich meistens darüber. Wenn ich mir die Talkshows angucke, interessiert mich die Streitkultur eigentlich mehr als der Inhalt.   

Illustration: Julia Schubert



Welcher Polit-Talk ist der beste in Deutschland?
Ich gucke komischerweise die Frauen ganz gerne, Frau Will, aber auch die Maischberger. Ich kann gar nicht begründen, warum.  

Starten wir doch mal einen Fernsehabend, und du sagst, was wir gucken. Am Vorabend hast du die Wahl zwischen: „Simpsons“, „Verbotene Liebe“ und „RTL Exclusiv“.
Ich erinnere mich gerade an die Filmszene, als der Typ bei „Clockwork Orange“ Augenklappen bekommt und damit gefoltert wird, in dem er immer wieder diese Bilder sehen muss und sich nicht wehren kann. Wenn man mir diese Klappen aufsetzen würde, dann würde ich mich wahrscheinlich für „Exclusiv“ entscheiden. Und auch um zu gucken, ob sie den eigenen Namen wieder schändlich behandeln.  

Ich hätte gedacht, du sagt sofort: „Simpsons“!
„Simpsons“? Nee, ich verstehe auch den Hype nicht wirklich. Comics und Erwachsenenhumor finde ich nicht so stimmig.  

Jetzt haben wir den Vorabend hinter uns …
… der ist ja auch schrottig zurzeit!  
… und sind bei 20 Uhr 15 angekommen. „Wer wird Millionär“, Champions League oder ein Krimi? Ich gucke „Wer wird Millionär“.  

Rätst du mit?
Ja! Mein Vater hatte so eine Macke. Als „Wer wird Millionär“ damals angefangen hat, hat er die Sendung immer auf Video aufgenommen, die Werbung rausgeschnitten und immer kurz, bevor die Antwort kam, auf Pause gedrückt und im Lexikon nachgeguckt. Gab ja noch kein Internet. Und dann, als er’s wusste, hat er vor dem Fernseher den Kandidaten angeschissen, wenn der’s nicht wusste. Das fand ich interessant und lustig und allein deshalb habe ich Sympathien für diese Sendung. Ich würde mich da übrigens auch gerne mal selbst hinsetzen!  

Wie weit würdest du kommen?
Bis 16.000 Euro schon.  

Krimis guckst du keine?
Mit Krimis ist es bei mir genau wie mit Horrorfilmen: ich mag es, sie selbst zu machen, gucke sie mir aber nur selten an. Ich will jetzt keine Lusche sein, aber ich finde auch, die Brutalität wird da immer extremer und härter und heftiger. Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist. Subtile Geschichten finde ich oft interessanter und auch spannender als noch perversere, noch kränkere.  

Warum wird es immer heftiger?
Weil wir immer heftiger werden. Weil wir abstumpfen. Weil die Realität, die in der „Tagesschau“ gezeigt wird, schon so heftig ist. Da  muss man im Krimi dann natürlich noch eine Schippe drauf legen. In der Komik ist das genau so. Da wird auch geguckt, dass man von Staffel zu Staffel weiter am Rädchen dreht.

 Zum Beispiel bei „Stromberg“. Kannst du eigentlich über dich als „Ulf Steinke“ lachen, wenn du dir mal eine Folge im Fernsehen ansiehst?
Ja, doch doch. Ich freue mich auch, wenn etwas funktioniert, also wenn ich zum Beispiel etwas mit anderen zusammen gucke, und die an genau der richtigen Stelle lachen. Das ist ja genau das, was wir mit der Komödie erreichen wollen: dass das Timing stimmt, gerade bei so einem Format wie „Stromberg“, wo wenig geschnitten wird und es wirklich auf das Zusammenspiel ankommt und wie man eine Pointe setzt. Ob man das, was man ausdrücken wollte auch erreicht hat, kontrolliert man natürlich schon gegen.  

Schaltest du allgemein ein, wenn du im Fernsehen kommst?
Selten, und ganz selten live. Vor einigen Tagen habe ich mal ein bisschen durchgezappt, und dann kam so ein alter Film, in dem ich Georges Sohn spiele. Ich wusste nicht, dass der kommt, und als ich ihn dann guckte, fand ich das irgendwie strange. Ein komischer Moment. Ich gucke mir die Filme, in denen ich mitspiele, natürlich einmal an, aber eben selten live im Fernsehen.  

Manchmal kommt ja nur Mist im Fernsehen. Wann hast du zuletzt gedacht: ich schmeiß’ die Kiste raus!
Ich hatte schon mal ganz lange keinen Fernseher. Meine damalige Freundin und ich haben ein Kind zusammen. Und man will seinem Kind ja nur Holzspielzeug geben und pädagogisch sein und bloß keinen Fernseher! Also haben wir uns extra so einen megahässlichen Ikea-Fernsehschrank gekauft, einen Riesenklotz, ganz schlimm. Bei dem konnte man vorne die Türen schließen, so dass das Kind – aber auch wir – keine Impulse haben, die Klappen zu öffnen und uns diesem bösen Fernsehprogramm zu stellen. Ist natürlich Quatsch gewesen. Kaum schrie das Kind, und es hat viel geschrien, haben wir alles laufen lassen, was einigermaßen beruhigend wirkte. Auch wenn ich wenig gucke, rausschmeißen würde ich den Fernseher nicht. Alleine wegen dem Sprichwort „Beiß nicht in die Hand, die dich füttert.“ Es gibt da noch so eine Art Rest-Respekt. 


Text: erik-brandt-hoege - Cover: dapd; Foto: oh

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