Und was guckst du so, Steven Gätjen?

Ob Autorennen, Turmspringen oder Unser Star für Baku: Steven Gätjen moderiert fast alles, was sich Stefan Raab ausdenkt. Wir haben mit ihm über sein privates Fernsehverhalten gesprochen.
erik-brandt-hoege

Illustration: Julia Schubert



Wie viele Fernseher hast du?
Ich habe drei Fernseher.  

Brauchst du die alle?
Irgendwann kommt man ja in ein Alter, in dem man den Fernseher nicht mehr hin und her schieben will, sondern in den Zimmern, in denen man Fernsehen gucken möchte, auch möglichst einen Fernseher hat.

Ist einer der drei der wichtigste?
Ja, das ist der, der in unserem Wohn- und Fernsehzimmer steht. 

Ist das so ein modernes Ding?
Es ist kein 3D-Fernseher, aber er ist schon gut.  

Wie oft sitzt du so davor?
Kommt ganz darauf an. Alles zwischen fünf Minuten und fünf Stunden. 

Schon mal süchtig nach Fernsehen gewesen?
Früher eher. Als Kind freut man sich ja viel mehr auf’s Fernsehen gucken, wenn man es denn darf. Ich habe damals zum Beispiel immer „Tom und Jerry“ und „Ein Trio mit vier Fäusten“ geguckt.  

Bevor wir anfangen, mal ein bisschen durch die Programme zu schalten: Wo ist deine Fernbedienung meistens, wenn du sie nicht findest?
Ich lege sie immer direkt neben den Fernseher, damit mir so was gar nicht erst passiert.

Jetzt habe ich die Fernbedienung, zappe durch und du sagst stopp: ARD … Stopp. 

Was kam da zuletzt Spannendes?
Neulich habe ich da zum Beispiel diesen Film über Scientology gesehen: „Bis nichts mehr bleibt“.  

Beginnen wir mal einen Fernsehabend chronologisch. Am Vorabend hast du die Wahl zwischen einer Soap, einem Quiz und den aktuellen Klatsch-News. Was guckst du?
Eine Soap ist nichts für mich, und Quiz-Shows gibt es mir zu viele. Ich entscheide mich für die Klatsch-News, um mich berieseln zu lassen und ein bisschen mittratschen zu können.  

Interessiert dich auch, was da getratscht wird?
Kommt ganz darauf an. Ich finde es manchmal ganz spannend, mir das anzuschauen.  

Was machst du in den Webepausen?
Ich bin kein Rumzapper, der versucht, in den Werbepausen etwas Besseres zu finden. Wenn mich eine Sendung interessiert, dann bleibe ich auch dabei.  

Der 20-Uhr-Gong. „Tagesschau“?
Ja, auf jeden Fall.  

Gibt es für dich noch andere gute Nachrichten?
Ich finde, dass die RTL-Nachrichten – auch wenn sie vom Privatfernsehen sind und gerne verpönt werden -, sehr gut und informativ sind.  

Nach den Nachrichten ist Zeit für Unterhaltung. Du hast wieder die Wahl, dieses Mal zwischen einer Castingshow, einem Krimi und Comedy.
Welche Castingshow denn? 

Sagen wir, du könntest dich zwischen „The Voice“, „DSDS“ und „Germany’s Next Topmodel“ entscheiden.
Dann würde ich „The Voice“ in der Anfangsphase und „Germany’s Next Topmodel“ in der Endphase gucken. Und „DSDS“ gar nicht.  

Es gibt immer mehr Castingshows, und fast alle sehen Sie sich irgendwann mal an. Warum eigentlich?
Ich glaube, aus zwei Gründen. Es gibt Castingshows, in denen man sieht, wie sich andere Menschen blamieren, und Schadenfreude ist immer ein Antrieb, sich Dinge anzuschauen. Auf der anderen Seite ist es ja aber auch spannend zu sehen, wie diese Leute Träume leben, die man selbst auch gerne leben würde. Man verfolgt ihren Weg und schaut dabei zu, wie sie sich steigern und verändern, auch wie sie sich verhalten, wenn sie durch Prüfungen gehen. Das ist natürlich alles inszeniert, aber dann auch wieder ziemlich nah dran an dem, wie das Geschäft funktioniert.  

Aber du moderierst keine Formate mehr, die zum Fremdschämen einladen. Heute sieht man dich in Shows wie „Schlag den Raab“ und „Unser Star für Baku“, während du früher auch so was wie „Gülcans Traumhochzeit“ und „Das Sommermädchen“ moderiert hast.
Ich stehe komplett zu diesen beiden Formaten. Aber „Gülcans Traumhochzeit“ würde ich aus dem Grund nicht mehr machen, weil die Organisation der Produktion damals eine Vollkatastrophe war. 80 Prozent der Sendung fanden im Freiflug statt. Das war in der Situation extrem anstrengend, hat mich aber auch vieles gelehrt. Und beim „Sommermädchen“ haben wir uns mit dem Castingaufruf ja selber ein bisschen verhohnepipelt. Ich meine: Was ist das Sommermädchen 2009? Was kann man sich von diesem Titel kaufen? Das wichtigste für Charlotte Engelhardt und mich war damals, dass wir genügend gesunden Menschenverstand anwenden und nicht anfangen, das Ganze ernst zu nehmen.  

Zurück zum Fernsehabend. Es ist schon spät, aber es kommen noch Talkshows. Guckst du dir eine an?
Ich finde, dass sich die Talk-Formate leider sehr gleichen. Man spürt auch, dass da so eine Belanglosigkeit Einzug erhalten hat. Dabei gibt es eine Menge Möglichkeiten, unterhaltsamer zu sein. Entertainment ist ein Begriff, den ich sehr schätze, der in Deutschland aber so ein bisschen verpönt ist, denn Unterhaltung ist halt kein seriöses Fernsehen. Ich finde Unterhaltung aber genauso wichtig wie die Nachrichten. Es kommt nur darauf an, wie man sie aufbereitet. Meiner Ansicht nach sollte es noch mal eine vernünftige Late-Night-Talkshow nach amerikanischem Vorbild und mit wirklich spannenden Gästen geben.  

Würdest du so eine Show auch gerne moderieren?
Total gerne. Ich glaube, dass eine Late-Night-Talkshow nicht unbedingt von einem Comedian moderiert werden muss, sondern vor allem von jemandem, der eine gute Gesprächsführung hat und sich für seine Gäste interessiert. Da gibt es ja genügend Beispiele von früher. Zum Beispiel Joachim Fuchsberger, der in seinen Talkshows fantastische Interviews gemacht hat.  

Manchmal kommt ja auch nur Mist. Wann hast du zuletzt gedacht: Ich werf’ die Kiste raus?
Das denke ich jedes Mal, wenn ich tagsüber Fernsehen gucke. Mit ‚tagsüber’ meine ich unter der Woche zwischen 8 und 18 Uhr. Das finde ich unerträglich.

  • teilen
  • schließen