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jetzt.de: Jessica, wann war dir Fernsehen zum ersten Mal wichtig?
Jessica Schwarz: Da ich aus einer Kleinstadt komme, war mir die große, weite Welt im Fernsehen schon als kleines Kind sehr wichtig. „Das Sandmännchen“ zum Beispiel war ein Ritual, das ich gebraucht habe, genauso wie später die typischen Samstagabendshows, von der „Schwarzwaldklinik“ bis „Wetten dass …?“, also alles, was man sich als Familie gemeinsam ansieht.

Und in deiner Teenagerzeit? Gab es da auch wichtige Sendungen?
Meine Eltern hatten einen Kiosk, und immer, wenn ich von der Schule nach Hause kam, saßen wir gemeinsam in der Küche dieses Geschäfts und haben „California Clan“ geschaut. Das war damals tatsächlich wahnsinnig wichtig.

Wann hast du deinen ersten eigenen Fernseher bekommen?
In meinem letzten Jahr zu Hause. Das war so eine ganz alte, grüne Kiste, an der man zum Schalten noch Drehen musste. Und als ich mit 16 ausgezogen bin, hatte ich in meiner ersten Model-WG auch einen eigenen Fernseher. In dieser Zeit habe ich angefangen, selbstständig Fernsehen zu schauen.

War der eigene Fernseher auch gut, um mal was heimlich zu gucken?
Och, das habe ich auch schon vorher gemacht. Immer, wenn unsere Eltern abends weg waren, haben meine Schwester und ich uns Dinge angeschaut, die man sich eigentlich nicht anschauen sollte.

Was lief dann bei euch so?
Zum Beispiel Stephen-King-Geschichten. Heimlich Horrorfilme zu gucken fanden wir super.

Und heute? Gibt es heute etwas, das du lieber heimlich guckst? Hast du eine Lieblingssendung, die dir peinlich ist?
Ich sehe total gerne „Scrubs“. Über diese Serie freue ich mich immer sehr.

Bevor wir den Fernseher mal anmachen und ein bisschen Zappen – wo ist eigentlich deine Fernbedienung meistens, wenn du sie nicht findest?
Meistens verschwindet sie einfach im Sofa, ganz typisch. Oder ich schleppe sie mit mir herum, und sie landet in der Küche. Mir ist es aber auch schon passiert, dass ich sie statt des Handys einfach eingesteckt und irgendwohin mitgenommen habe. Und als ich dann telefonieren wollte, hatte ich die Fernbedienung in der Hand.

Jetzt habe ich die Fernbedienung, schalte durch, und du sagst stopp, wenn du bei einem Sender gucken willst, was da gerade läuft. Los geht’s: Sat. 1, Sport 1, RTL, ZDFkultur …
Da würde ich mal kurz stehen bleiben.
Was kam da zuletzt Spannendes?
„Roche und Böhmermann“.
Jetzt hast du die Auswahl am Vorabend: „Verbotene Liebe“, „Simpsons“ oder eine Doku über selten Pflanzen in der Wüste.
Simpsons.
Weil sie das kleinste Übel sind?
Nein, weil ich sie wirklich mag.
Danach die „Tagesschau“?
Wenn ich es schaffe, ja. Wenn nicht, gucke ich im Internet nach.
Nach den Nachrichten kommen Kinofilme der 00er Jahre. Und zwar: „Gegen die Wand“, „Barfuss“ und „Herr Lehmann“. Was wird geguckt?
„Gegen die Wand“.
Siehst du generell lieber ernstere Filme?
Ja.
Danach noch eine Talkrunde?
Ja.
Welche denn?
„Inas Nacht“.

Du selbst sitzt ja nicht so häufig in Talkrunden. Woran liegt’s?
Ich versuche, solche Auftritte immer für meine Filme auszuwählen. Ich würde mich nicht einfach so in eine Talkshow setzen.

Weil Talkshows heute nicht mehr so frei und wild sind wie früher? Bei „Roche und Böhmermann“ ist es ja schon wieder so.

Dort darf wieder geraucht und getrunken werden. Gut so?
Ich glaube schon, dass es dadurch etwas lockerer und ungezwungener wird. Aber ich finde, was nach wie vor fehlt, ist so eine typische Talkkultur, in der jeder einfach mal ein bisschen mitquatscht. Es fehlt das Miteinander. In den momentanen Talkrunden fühlt man sich als Gast immer etwas auseinandergenommen. 

Vermisst du noch irgendwas im deutschen Fernsehen?
Was könnte man denn vermissen?

Das Niveau vielleicht? Stimmt (lacht). Und was ich wirklich vermisse, sind gute deutsche Fernsehfilme. Es gibt welche, klar, aber es gibt zu wenig. Mir wird da zu viel eingekauft, es gibt zu viele – natürlich wahnsinnig günstige - Dokusoaps. Das interessiert mich alles nicht, das ist für eine andere Generation. Und es ist schade, dass sich diese Generation so schnell daran gewöhnt und so sehr mitgeht.

Manchmal kommt ja auch nur Mist im Fernsehen. Schon mal darüber nachgedacht, ohne zu leben?
Ich habe schon mal anderthalb Jahre auf Fernsehen verzichtet – bis zum 11. September 2001. Da stand ich in so einem Elektro-Markt und habe die Nachrichten verfolgt. Danach habe ich meinen Fernseher wieder mobilisiert. Ich wollte einfach wissen, was da geschieht und wie es weitergeht. Und ich brauche den Fernseher natürlich auch, um mir Filme anzuschauen. Ich schaue wahnsinnig viele Filme.