Was guckst du so, Anna Maria Mühe

Anna Maria Mühe ist das Mädchen für alle Fälle im deutschen Film. Wir gucken sie ständig. Und was guckt sie so? Im Interview spricht sie über ihr Fernsehverhalten von ihrer Kindheit bis heute und warum sie keine Rolle als Ermittlerin im Tatort will.
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Illustration: Julia Schubert



jetzt.de: Anna, wenn du als kleines Mädchen zur Auswahl gehabt hättest: Drachensteigenlassen, ins Theater gehen oder zu Hause stundenlang fernsehen – wofür hättest du dich entschieden?
Anna Maria Mühe: Definitiv fürs Drachensteigenlassen. Allein, weil es draußen gewesen wäre. Draußen sein in der Natur, das habe ich schon immer geliebt, schon als Kind.  

An welcher Stelle wäre Fernsehen gekommen?
Hm, wahrscheinlich an letzter. Ich durfte als Kind auch gar nicht so viel gucken. Es wurde bei uns zu Hause nicht gerne gesehen, wenn ich vor dem Fernseher saß.  

Wurde auch streng darauf geachtet, was du geguckt hast?
Auf jeden Fall.  

Gab’s Sendungen, für die du aus elterlich-pädagogischer Sicht unbedingt vorm Fernseher sitzen durftest?
Ja, für die „Sesamstraße“!  

Was ist mit der „Sendung mit der Maus“?
Für die natürlich auch.  

Mochtest du diese Sendungen auch?
Ich war froh, wenn ich fernsehen durfte, von daher habe ich diese Sendungen natürlich gerne mitgenommen (lacht).

Hast du manchmal heimlich ferngesehen?
Selten. Weil ich mich das meistens nicht getraut habe. So rebellisch war ich damals nicht.  

Und später, als Teenager? Was hat dich im Fernsehen gereizt? Welche Sendungen fandest du als Jugendliche spannend?
Es gab damals im Ersten eine Serie mit Nora Tschirner, wie hieß die doch gleich …  
… „Sternenfänger“?
Genau! Das war voll meine Jugend. Das mochte ich wirklich sehr gerne.  
Quasi das deutsche „Dawson’s Creek“.
(lacht) Ja, genau. Aber „Dawson’s Creek“ habe ich natürlich auch geguckt.

Hattest du Fernsehhelden? Schauspieler, Moderatoren, Entertainer, von denen du als Teenager nicht genug bekommen konntest, die Vorbilder für dich waren?
Ich habe damals, wenn ich durfte, gerne alte Filme gesehen, und besonders gerne welche mit Marilyn Monroe. Die fand ich toll. Und es gab eine Phase, in der ich genau so sein wollte wie sie.  

Wann hattest du deinen ersten eigenen Fernseher?
Sehr spät. Ich glaube, das war erst mit 17.  

War das wichtig für dich?
Och, das war schon schön. Obwohl: Ich bin dann oft davor eingeschlafen, und das finde ich bis heute ja das Schlimmste, was beim Fernsehen passieren kann. Wenn man irgendwann vor der Glotze einpennt und nachts von irgendeinem Schwachsinn aufwacht. Furchtbar ist das!  

Jetzt haben wir etwas Zeit und beginnen mal einen gemeinsamen Fernsehabend. Ich habe die Fernbedienung, schalte durch, und du sagst stopp. Los geht’s: Wir landen direkt im Ersten, es kommt „Verbotene Liebe“.
Direkt weiter.  

Stattdessen „Shopping Queen“ auf Vox?
Durchaus gerne. Allein, weil ich Guido Maria Kretschmer wahnsinnig amüsant finde.  

Was magst du an ihm?
Ich habe bei ihm das Gefühl, dass er einem nichts vorspielt. Ich glaube, der ist privat ganz genauso lustig wie in seiner Sendung.  

Auf ProSieben läuft parallel „Galileo“. Bisschen Wissensfernsehen?
Nö.  

Sport? Auf Sport1 gibt’s Wrestling.
(lacht) Auf gar keinen Fall!  

Wir springen zum NDR: „Das!“. Auf dem roten Sofa sitzt Elyas M’Barek.
Ja, das schauen wir uns doch mal an.  

Weil du die Sendung magst, oder weil du Elyas magst?
Weil ich Elyas M’ Barek mag.  

Der 20-Uhr-Gong. „Tagesschau?“
Schwierig, weil ich um diese Zeit erstmal meine Tochter ins Bett bringen muss. An sich gucke ich das aber schon gerne.  

Um 20.15 Uhr hast du die Auswahl zwischen: „Germany’s Next Topmodel“, „Expeditionen ins Tierreich: Pinguine im Anmarsch“ und „Kokowääh“.
Wir gucken die Pinguine! Weil ich Pinguine wirklich wahnsinnig lustig finde.  

Lustiger als „Kokowääh“?
Den Film habe ich schon gesehen, die Pinguine aber noch nicht. Deshalb lieber was Neues.  

Danach noch etwas leichte Unterhaltung? Auf ProSieben kommt „Circus Halligalli“.
Definitiv! Finde ich auch lustig. Ich mag den Humor der beiden sehr gerne.  

Wenn du abends den Fernseher einschaltest, findest du eigentlich immer was für dich?
Unterschiedlich. Sonntags finde ich meistens den „Tatort“. An anderen Abenden kann es passieren, dass ich auch mal nichts für mich finde.  
Was machst du dann? Kompromissfernsehen?
Nein, dann mache ich aus.  

Fehlt dir generell irgendwas im deutschen Fernsehabendprogramm?
Nein, ich finde, es ist schon für jeden was dabei.  

Gibt’s irgendein Fernsehformat, eine Serie, eine Show, bei der du denkst: Das könnte ich aber besser als die!
Nein. Ich habe auch keine Probleme mit Neid. Ich gönne meinen Kollegen ihre Rollen und schaue ihnen gerne zu.  

Wie wäre es denn mit einer „Tatort“-Ermittlerrolle für dich? Sagen wir: Du und Kostja Ullmann auf einem zweiten Berliner Kommissariat?
(lacht) Wir sind doch aber noch so jung!  

Andere Kommissare sind doch auch jung.
Ich mache beim „Tatort“ immer sehr gerne mal bei einer Episode mit. Das ist ja mittlerweile auch so was wie ein Ritterschlag, wenn man das darf. Aber eine Ermittlerrolle ist jetzt, zu diesem Zeitpunkt, noch nichts für mich.  

Wurde dir eine Rolle als „Tatort“-Kommissarin auch noch nicht angeboten?
Doch (lacht). 

 „Junges Deutschland“ mit Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann läuft am 21. April im Ersten.

Text: erik-brandt-hoege - Foto: rtr

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