Was guckst du so, "Tatort"-Assistent?

Ferdinand Hofer ist 21 und studiert in München BWL. Sein Studentenjob: Sidekick der Kommissare Leitmayr und Batic im München-"Tatort". In der neuen TV-Kolumne spricht Ferdinand über seine Fernsehvorlieben und mögliche Rollen in Soaps und Horrorfilmen.
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jetzt.de: Erinnerst du dich an die erste Sendung, die du dir angeschaut hast?
Ferdinand Hofer: Hm, ich weiß gar nicht so genau, was das damals war. Als ich ganz klein war, habe ich Sachen wie „Pumuckl“ und „Jim Knopf“ geschaut. Und natürlich „Die Sendung mit der Maus“.  

Hast du viel ferngesehen?
Gar nicht so viel, weil ich lieber draußen mit Freunden unterwegs war. Ferngesehen habe ich meist nur, wenn das Wetter schlecht war und sonst nichts ging. Ich war kein Kind, dem man erzählen musste, dass es nicht so viel fernsehen soll.

Welche Serien mochtest du als Jugendlicher?
„How I Met Your Mother“ habe ich komplett gesehen, wenn möglich aber nicht im Fernsehen, sondern auf dem Rechner, weil mich die ständigen Werbeunterbrechungen genervt haben.  

Illustration: Julia Schubert

Mit Wumme und bayerischem Dialekt: Ferdinand Hofers erster Auftritt am vorvergangenen Sonntag im Münchner "Tatort".

Was mochtest du daran?
Die Figuren fand ich super. Und dass die Suche nach der Mutter immer wieder andere Storys hervorgebracht hat. Insgesamt natürlich ein seichtes Format, man muss sich nicht besonders anstrengen, wenn man davor sitzt. Aber nach einem stressigen Tag ist das doch sehr entspannt.

Wann hast du angefangen, dich für Krimis zu interessieren?
Ich habe schon früh Krimis gelesen. Mit zehn oder elf habe ich dann auch angefangen, mir welche im Fernsehen anzuschauen.

Welche?
Die, die vor 20 Uhr liefen, diese „SOKO“-Krimis. Irgendwann habe ich auch angefangen, mir den „Tatort“ anzusehen. Es war aber nicht so, dass ich dafür jeden Sonntag vor dem Fernseher sitzen musste.
 
Wann hattest du denn deinen ersten eigenen Fernseher?
Habe ich nie gehabt.  

War dir das nie wichtig?
Ich habe schon mitbekommen, dass viele andere in meinem Alter einen Fernseher hatten. Ich hatte aber nicht das Gefühl, einen eigenen zu brauchen.  

Bis heute nicht?
Heute haben wir einen in der Dreier-WG, in der ich in München wohne. Wir schauen allerdings nicht viel fern. Wenn wir mal zusammen vor dem Fernseher sitzen, dann meistens zum Fußball.   

Jetzt sitzen wir gemeinsam vor dem Fernseher. Es ist früher Abend, ich schalte durch, du sagst stopp. Los geht’s: Wir landen im Ersten. Es läuft „Brisant“ – Klatschnachrichten.
Können direkt weiterschalten.  

Keine Lust auf Storys über die Kollegen?
Manchmal sind schon ein paar interessante Berichte dabei. Im Großen und Ganzen interessiert mich das aber eher weniger.  

Mittlerweile bist du ja selbst interessant für solche Sendungen. Ist dir das unangenehm?
Och, ich sehe das jetzt nicht als Nachteil - so lange nichts Schlechtes über mich erzählt wird. Ich find’s sogar eigentlich ganz witzig, dass gerade so viel Interesse an mir gezeigt wird.  

Schalten wir mal weiter. ZDF: ein Länderspiel der Frauenfußballnationalmannschaft.
Um ehrlich zu sein können wir ruhig noch mal weiter schalten.  

Zur gleichen Zeit kommt auf 3sat „Kulturzeit“.
Das kenne ich nicht.  

Geht um Theater, Musik, Kino…
Hört sich auf Anhieb nicht so spannend an. Können weiterschalten.  

Gibt’s irgendeine Jugendkultursendung, die du magst? Irgendwas für dich dabei zwischen „Tracks“ und „Circus Halligalli“?
„Circus Halligalli“ schaue ich mir schon gerne an. „NeoParadise“ fand ich damals allerdings noch besser.  

Kurz vor der „Tagesschau“ landen wir noch bei RTL. Es kommt „GZSZ“.
Habe ich mir noch nie angeschaut.  

Kein Freund von Soaps?
Nicht wirklich.

Und wie wäre es mit einer Soap-Rolle?
Über Rollen kann man immer sprechen. Bisher habe ich noch fast keine Rolle abgelehnt. Das mache ich nur dann, wenn sie mir wirklich gar nicht gefällt. Auch hier würde ich also erstmal nicht nein sagen.  

Hättest du nach deinem „Tatort“-Einstand wirklich Lust, der nächste Mädchenschwarm in einer Daily-Soap zu werden?
Das wäre halt mal eine ganz andere Schauspielkunst.

Eine weniger anspruchsvolle.
Wahrscheinlich. Ich würd's trotzdem nicht von vornherein ablehnen. Vielleicht würde ich bei so was nicht auf Dauer einsteigen, aber über so eine Gastrolle könnte man schon reden.  

Weiter geht's, „Tagesschau“?
Joah, die Schlagzeilen würde ich mir kurz anschauen, und wenn mich etwas interessiert vielleicht auch kurz dabei bleiben. Wenn es zu politisch wird, können wir aber weiterschalten.  

Um 20:15 Uhr hast du die Wahl: „Let’s Dance“, eine Doppelfolge „Two and a half Men“ oder eine Wiederholung von „Make Love – Liebemachen kann man lernen.“
Das Letzte kenne ich gar nicht.  

Eine Doku-Reihe im MDR und SWR, die Tipps für Paare gibt, denen der Sex abhanden gekommen ist.
Dann würde ich „Two and a half Men“ gucken.  

Fehlt dir eigentlich grundsätzlich irgendwas im Programm?
Ich finde das Fernsehprogramm relativ einseitig. Unter der Woche laufen meist irgendwelche Casting- oder Reality-Shows, und jeden Abend gibt es einen Krimi! Davon gibt es fast zu viele im deutschen Fernsehen, finde ich. Offenbar schafft man es nicht, irgendwelche anderen Filme zu drehen. Oder andere Filme sind einfach nicht mehr gefragt. Ich wünsche mir etwas mehr Abwechslung.  

Bei welchem Format, das es noch nicht gibt, würdest du gern mitmachen?
Für lustige Sachen bin ich immer zu haben. Irgendwas Comedymäßiges könnte ich mir vorstellen. Aber auch ganz andere Sachen. Bei einem Horrorfilm würde ich auch mitspielen, so was gibt es ja fast gar nicht im deutschen Fernsehen.

Text: erik-brandt-hoege - Foto: BR

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