Die wollen nur spielen

Technische Studiengänge sind nur was für Langweiler? Ingenieure und Informatiker sind nicht kreativ? Völliger Quatsch! Auf dem Burning Man-Festival in der Wüste Nevadas beweisen Tüftler jedes Jahr, dass das Gegenteil der Fall ist.
david-benedek

Wenn sich 70 000 halb nackte Menschen in einer abgelegenen Wüste zusammenfinden, um dort einem einwöchigen Experiment gesellschaftlicher Utopie beizuwohnen, denkt man dabei nicht zuallererst an Ingenieure und Softwareentwickler. Aber es gibt dort mehr davon, als man denkt. Das „Burning Man“-Festival begann als kleines Lagerfeuer in San Francisco. Mittlerweile ist es nach Nevada umgezogen und so groß geworden, dass in der Wüste einmal jährlich die drittgrößte Stadt des Bundesstaats entsteht. Das „Burning Man“ hat in den vergangenen drei Jahrzehnten eine Subkultur geschaffen, die weder zu kategorisieren noch wirklich zu benennen ist. Althippies, Künstler und Freizeithedonisten mischen sich hier mit der liberalen und akademischen Elite des Silicon Valley. Was dann entsteht, ist eine verwirrende und faszinierende Mischung aus Nerdcore, Kunst und Do-it-yourself-Kultur.


Henry, Ingenieur und Bildhauer aus Las Vegas, und sein Wüstenfahrzeug.
Das selbst gebaute Chassis um-schließt eine ausrangierte Laserinduktionskammer des Los Alamos National Laboratory, die ursprünglich Laserstrahlen auf viele Millionen Grad erhitzte, um damit Wasserstoffmoleküle zu bearbeiten. 

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Illustration: Julia Schubert



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Julius und Kito, Software-Entwickler aus San Francisco, fahren ein Fischerboot mit intern verbautem LED- und Soundsystem. Neben dem Fahrer können auf einem mittig positionierten Pferdesattel noch zwei Gäste auf Vintage-Eames-Stühlen Platz nehmen. Der Unterbau einer benzingetriebenen Honda Elite aus dem Jahr 1985 ließ bis vor Kurzem noch Wheelies auf einem eigens dafür gebauten Hinterrad zu. Die verkehrt herum gehisste niederländische Flagge sei, sagt Kito, als Köder für holländische Schönheiten gedacht gewesen. Die Flaggenstange sollte dann ihre Zweitverwendung als Stripperpole finden.

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Hannah, Hair-Stylistin, und Cory, Biotech-Forscher aus Santa Cruz. Der Roboter „Dalek“ ist ein Nachbau des gleichnamigen extraterrestrischen Cyborgs aus der britischen Sechzigerjahre-Serie „Doctor Who“. Basierend auf einem Golf Cart von Yamaha und zum größten Teil aus Fiberglas und Vakuumschaum konstruiert, kann „Dalek“ aus seinen Ohren bis zu drei Meter hohe Propangasflammen feuern. Sein „Laser Blaster“ schießt zudem Wasser aus einem Kanonenrohr. In den blasen-ähnlichen Kuppeln sind mehr als 10 000 Licht- dioden verbaut. Über iPhone kann eine Sinuswelle an einen Ringmodulator geschickt werden, der dann über ein Lautsprechersystem zum Live-Stimmenverzerrer wird.

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Max, Software-Entwickler aus Boston, hat seinen Riesenkinderwagen mit Differenzial, Lenkhilfe und elektronischer Tretunterstützung hauptsächlich konzipiert, um einen erhöhten Posten und somit einen besseren Blick auf die rituellen Verbren-nungen des Festivals zu bekommen. Eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Speicher-kapazität von 40 Amperestunden betreibt außerdem eine Licht- und Soundanlage.

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Ian, Software-Entwickler aus San Francisco, hatte den Kran ursprünglich angeschafft, um ein Klavier auf seine Installation des Vorjahres fallen zu lassen. Dann entschied er sich mit seinem 15-köpfigen Team aber zu einem Umbau: Die „Ardent Mobile Cloud Platform“ ist der dreidimensionale Nachbau einer Pixelwolke aus „Super Mario Bros“. Über die eigens programmierte iPad-App kann die Wolke angesteuert werden und – neben 25 Lichteffekten – tatsächlich Regen fallen lassen. Die CNC-gefrästen Würfel, aus denen die Wolke besteht, werden über einen Generator mit Wasser versorgt. 12 000 Kabelbinder halten sie zusammen. Die Wolke kann bis zu fünf Leute tragen. Ach, und sie spielt über ein Soundboard auch alle Super-Mario-Töne und -Melodien ab.  

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Bryan, IT-Berater aus Reno, hat den detailgetreuen Nachbau eines F-15-Interceptor-Jets ursprünglich als Empfangsfahrzeug für den temporären örtlichen Festivalflughafen gebaut. Nach ihrer Landung auf dem Wüstenboden mussten Flugzeuge der F-15 zu ihrem designierten Parkplatz folgen. Bryans F-15 besitzt einen elektronischen Antrieb mit acht 36-Volt-Batterien und einem 2000-Watt-Generator. Im rechten Flügel des Kampfjets befindet sich eine Bierkanone. Sie ist über eine Hochdruckleitung an ein Fass in der Fahrerkabine angeschlossen.

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Text: david-benedek - Fotos & Text: David Benedek

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