Wintersachen

Keine Jahreszeit, in der wir uns mehr für netten, käuflichen Kram interessieren als der Winter. Deshalb ist höchste Zeit für einen kleinen "Haben will!"-Produktspaziergang.
max-scharnigg
Default Bild

Illustration: Julia Schubert



Ah, Winter, die Jahreszeit in der man so viel über selbstgebastelte Adventskalender nachdenken muss. Wir finden, damit verhält es sich wie mit Mixtapes – sollte man schon mal gemacht haben, muss es aber nicht unbedingt verklären und keinesfalls alljährlich wiederholen. Außerdem wollen wir lieber ein vernünftiges Geschenk als 24 mal Fummelkram aus bemalten Joghurtbechern.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert


Das einzige selbstgemachte Geschenk das wir uneingeschränkt gut finden sind gehäkelte Mützen, denn die sehen auch bei mittlerem Talent des Häkelnden meistens genauso aus wie die Mützen, die wir uns in schlecht geheizten Szeneläden kaufen würden. Also schnell diese irre recycelte Textilrest-Wolle kaufen und jemandem schenken, der eine große Häkelnadel hat und damit umgehen kann. Wie man Bommel macht steht im Internet!

Default Bild

Illustration: Julia Schubert


Passend zur Mütze kaufen wir uns dann bitteschön selber in London die schönen Handschuhe von Oliver Spencer. Auf denen sind die Lederflicken ja gerade noch erträglich, an Pulloverärmeln und Jackets aber können wir dieses Vintage-Geprolle nicht mehr ertragen. Prügelt die Jacket-Lederflicken dahin zurück wo sie herkommen: In die Garderobe von zerzauselten Studienräten!

Default Bild

Illustration: Julia Schubert


Als Antireflex finden wir die hochmoderne Rodel von Thonet gut, gebogen aus total unsoftem Stahlrohr und so schnittig wie Zorro im Buttergeschäft. Damit mindestens einmal durchs verschneite Bergwäldchen brechen, das nehmen wir uns feste vor. Riesenproblem jeden Winter: Geschenke für alle. Die Eltern sagen zwar, ihnen würde es genügen, wenn wir uns am zweiten Weihnachtsfeiertag mal vorbei bequemen, aber das stimmt natürlich nicht! Eltern sind total materialistisch und wollen schön schweren BlingBling. Da kommt die Neuauflage des monumentalen Silberlöffel-Kochbuchs (Il Cucchiao d’argento) gerade recht auf den Markt, erstens wiegt es so viel wie das Enkelkind, auf das sie dieses Jahr wieder vergeblich gewartet haben und enthält zweitens: Alle italienischen Rezepte. Kann man Papa ruhig so sagen: Alle! Und die soll er erst mal lesen und nachkochen, bis er was Neues kriegt. Allerdings will man das Ziegelstein-Buch auch ganz gerne selbst behalten und dafür den ganzen Kochbuchmüll verramschen, der sich so im Lauf der Jahre angesammelt hat. Sind ja noch mit D-Mark, die Rezepte!

Default Bild

Illustration: Julia Schubert


Die Geschwister bekommen ein Abo für das liebevolle Nischenblatt „The Weekender“, das sieht fesch aus, erscheint etwa im gleichen Rhythmus in dem man mit der Schwester telefoniert (zwei- bis dreimonatlich) und ist irgendwie auch eine gute Tat. Für Mama?
Immer schwierig, man darf ihr ja leider nicht dieses gutaussehende Emailleschüssel-Set schenken, weil sie dann wieder eine Schnute zieht, von wegen Kinder, Küche, Kirche.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert


Dann vielleicht schicke Handcreme aus Amerika? Lieber nicht. Karten für das Konzert der wiedervereinigten Stone Roses im Juni 2012? Behalten wir selber, außerdem schon ausverkauft.

Nein, für Mama gibt es natürlich die erste Staffel von „Downtown Abbey“, der großartigen BBC-Aristokraten-Serie, die in Großbritannien für Traumquoten sorgt und perfekte Unterhaltung für lange Winterabende bietet.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert


Und was bekommen unsere vielen Grafiker-Freunden, Teilzeit-Kreative und Altbau-Insassen? Na, wie immer den legendären Font-Kalender „Typodarium“ vom Schmidt-Verlag und Pantone-Weihnachtskugeln für auf den Kühlschrank!

  • teilen
  • schließen