Urheberrechtsstreit: Prince und Radiohead debattieren über Cover-Version

Die Geschichte des Urheberrechts im Internet ist eine Geschichte voller Mißverständnisse. Der Musiker Prince hat dieser gerade ein besonders absurdes Kapitel hinzugefügt
dirk-vongehlen

Die Geschichte des Urheberrechts im Internet ist eine Geschichte voller Mißverständnisse. Ein Musiker, der sich mittlerweil wieder Prince nennt, hat dieser gerade ein besonders absurdes Kapitel hinzugefügt. Prince hatte im Rahmen des „Coachella Valley Music and Arts Festival“ in Kalifornien Ende April den Zuschauern seine ganz eigene Version des Stücks „Creep“ vorgespielt. Solche Cover-Versionen sind beliebt bei Live-Konzerten und bei der Indie-Gemeinde des Coachella kann man sich besonders viele Freunde machen, wenn man Radiohead covert. Das weiß auch Prince und bediente sich an deren Hits. Das Cover kam so gut an, dass Konzertbesucher Mitschnitte des Songs ins Internet stellten (

und

zum Beispiel). Die Filme sind – wie bei Konzertmitschnitten üblich - sehr verwackelt und schlecht. Das ist aber nicht der Grund, warum der Kopierer Prince seine Anwälte einschaltete, um gegen die Clips vorzugehen. Wie CNN berichtet, fühlt sich Prince um sein Urheberrecht betrogen. Sein Label NPG Records ließ die Clips mit dem Hinweis auf die Verletzung des Urheberrechts entfernen.

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Illustration: Julia Schubert

Zwei Wege, auf die Herausforderungen des Internets zu reagieren: Prince und Radiohead-Frontmann Thom Yorke. Dass man die Filme trotzdem im Netz sehen kann, ist Radiohead-Frontman Thom Yorke zu verdanken. Als man ihn nämlich während eines Interviews auf das Vorgehen von NPG Records hinwies, reagierte er erstaunt: „Das ist doch unser Song“, soll Yorke gesagt haben und anschließend darum gebeten haben, die Filme wieder freizugeben. Der Wettstreit der beiden Künstler ist symptomatisch für die Art und Weise, wie Musiker auf die Herausforderungen des Internets reagieren können. Prince war in der Vergangenheit aufgefallen, weil er seinen Fans mit rechtlichen Schritten drohte, wenn diese Texte ihres Idols im Netz veröffentlichten. Thom Yorke und seine Band Radiohead hatten hingegen im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, weil sie ihr Album „In Rainbows“ mit Hilfe eines neuen Vertriebsmodells im Internet verkauften. Die rechtliche Situation im konkreten Fall ist übrigens nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick scheint: Selbstverständlich hält Prince das Urheberrecht an seinem Auftritt und es steht ihm zu, gegen Verletzungen dieses Rechtes vorzugehen. Der Fall zeigt aber vor allem, dass Kunst und Kultur nicht über den Rechtsweg entstehen und dort auch nur schwerlich zu regeln sind. Dass Musiker sich nicht nur auf andere Bands beziehen, sondern diese sogar covern, ist ein wichtiger Bestandteil der künstlerischen Entwicklung. Das Urheberrecht sollte dies weiterhin ermöglichen, denn nur so entsteht Neues. Es ist also auch im Sinne von Prince, wenn weiter kopiert und gecovert wird. *** Mehr zum Thema im Themenschwerpunkt Urheberrecht

Text: dirk-vongehlen - Fotos: ap

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