"Das war mal ein echter Griff in die Pussy!"

Wie die Late Night Talker auf Trumps Wahl reagierten.
Von Christina Waechter
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Bild: screenshot

Der Monolog am Beginn der Sendung ist das Herz und der prestigeträchtigste Teil einer jeden Late Night Show. Gestern waren die Showmaster besonders herausgefordert. Kaum einer von ihnen hatte mit dem Ausgang der Wahl gerechnet und keiner freute sich darüber. Einige Shows pausierten wegen der Wahlberichterstattung, doch die Moderatoren, die auf Sendung waren, haben ihren Gefühlen auf ganz verschiedene Weise Ausdruck gegeben. 

Manche hatten sich dafür entschieden, eine hoffnungsvolle Botschaft zu senden und zu versuchen, das Land mit der Kraft der Worte zu vereinen. Anderen, wie Seth Meyers von der „Late Night Show“, standen die Tränen in den Augen, als er über die Enttäuschung seiner Mutter sprach, keine weibliche Präsidentin zu erleben. Conan O’Brien war offensichtlich so ratlos, dass er einen Dackel mit langen Beinen ins Studio rollen ließ. Richtig wütend war hingegen wieder mal nur eine: Samantha Bee, die schon seit Beginn ihrer Show im Februar mit am schärfsten gegen Trump geschossen hatte.

Hier die besten und wichtigsten Auszüge aus allen Shows: 

1. Seth Meyers

„So, das war jetzt ein echter Griff in die Pussy. Wir haben 18 Monate lang über Trump geredet und ich lag jedes Mal falsch. Ich habe gesagt, er würde nie kandidieren, niemals die Kandidatur der Republikaner gewinnen und definitiv niemals Präsident werden. Die gute Nachricht: Basierend auf meinen Vorhersagen könnte es sein, dass er ein verdammt guter Präsident wird. Lasst uns einfach hoffen.“

„Das Gute ist, dass da draußen eine junge Frau ist, die eines Tages die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten sein wird. Vielleicht bist du im Moment Senatorin, vielleicht gerade im College. Hoffentlich bist du kein Kleinkind. Aber wer weiß... angesichts dessen, was letzte Nacht passiert ist, wer weiß... Dieser Moment heute wird dich definieren. Du wirst härter arbeiten und nach Höherem streben und wer auch immer du bist, ich hoffe, ich werde deine Präsidentschaft erleben und ich hoffe, meine Mutter auch.“

„Ich habe gestern und heute viele Emotionen gespürt: Trauer, Ärger, Angst. Aber ich weiß auch, dass viele Trump-Unterstützer diese Emotionen gefühlt und deshalb für ihn gestimmt haben. Und es wäre falsch von mir zu denken, dass meine Gefühle authentischer sind als ihre. Wir sind als Gesellschaft immer besser, wenn wir Empathie füreinander empfinden. Also will ich zu diesen Trump-Unterstützern sagen: Gratulation zu eurem Gewinn. Ich hoffe ernsthaft, dass er sich um eure Ängste kümmert. Wenn ihr euch vergessen gefühlt habt, dann hoffe ich, dass er euch jetzt nicht vergisst.“

2. Stephen Colbert

"Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass diese Wahl absolut brutal war und jetzt mit einem Ausgang endet, den ich mir nie hätte vorstellen können. Wir alle fühlen uns so, wie Rudy Giuliani aussieht. Während dieser Wahl hat die ganze Welt zugesehen und gesagt: 'Hat Amerika den Verstand verloren?' Und die Antwort lautet: 'Halt dich da raus, Kumpel! Wir haben 300 Millionen Waffen und fühlen uns gerade leicht gestresst.'“

„Unser Land ist gespaltener als jemals zuvor. Mehr als die Hälfte der Demokraten sagt, dass ihnen die republikanische Partei Angst einjagt und 39 Prozent der Republikaner denken das über die Demokraten. Beide Seiten haben Panik voreinander. Wie ist es soweit gekommen?"

"Früher haben wir nur alle vier Jahre über Politik nachgedacht oder alle zwei Jahre, wenn dein Sozialleben nicht besonders lebhaft war. Und das war gut, denn es hat Raum für andere Dinge und Menschen in unserem Leben gelassen. Meine Mutter ist zwei Tage geboren, bevor Frauen das allgemeine Wahlrecht bekamen. Und ich dachte, heute würde sie das bekommen, was sie sich gewünscht hat.... puhhh. Sie hat mir mit 92 Jahren kurz vor ihrem Tod gesagt: 'Ich glaube, diesmal wähle ich Hillary, denn es ist Zeit.' Sie hat nur zweimal in ihrem Leben für einen Demokraten gestimmt. Der andere war Kennedy.

"Politik ist jetzt überall und nimmt uns eine Menge wertvoller Hirnkapazität, die wir dazu nutzen könnten, darüber nachzudenken, was wir eigentlich gemeinsam haben. Egal, ob deine Seite gewonnen oder verloren hat: Wir müssen diesen Scheiß eine Weile lang nicht mehr machen. Also lasst die amerikanische Flagge oben, aber zieht euren Flaggen-Hut aus. Puhlt die „I Voted“-Sticker runter und geht zurück in euer Leben.“

3. Samantha Bee

"Unsere Demokratie hat einen Marmelade-farbenen Haarball hochgewürgt und die ganze Welt hat uns dabei zugesehen. In den nächsten Tagen werden die Leute nach jemandem suchen, dem sie die Schuld geben können: den Statistikern, den Feministinnen, der demokratischen Partei... Doch es ist eigentlich ziemlich klar, wer schuld ist: das weiße Amerika. Ich denke mal, (die Gentrifizierung von) Brooklyn war nur ein erster Versuch.“

 

„Amerika ist immer noch ein großartiges Land und es gibt eine Menge, für das es sich zu kämpfen lohnt: Wir haben Shonda-Rhimes-Sendungen, wir haben Erdnussbutter, und Beyoncé und Lin-Manuel Miranda, und unsere wunderbare Verfassung.  Wir haben immer noch Millionen von „Nasty Women“ und wir werden auch nicht weggehen. So, und jetzt lasst uns aufstehen und loslegen. Wir haben eine Menge Arbeit zu tun.“

 

4. James Cordon

„Es ist fast zwei Jahre her, dass meine Frau und ich unserem Sohn gesagt haben, dass wir nach Amerika ziehen würden und er hat mich angeschaut und gesagt: 'Papa, das ist super!'

 

Er war dreieinhalb Jahre alt, aber er wusste instinktiv, dass das ein fantastischer Platz zum Leben ist. Denn Amerika repräsentiert so viel für den Rest der Welt: Es ist ein Land der Möglichkeiten, der Diversität und der Hoffnung, und das wird sich nie ändern. Amerika hat Leute auf den Mond geschickt, es ist das Land der Chicago Cups, von Michael Jordan, und es ist das Land der Tacos. Und ja, Tacos sind mexikanisch, aber das heißt nicht, dass sie nicht hierhergehören.“

 

5. Conan O’Brien

"Schreckliche Wahlen wie diese gibt es schon seit 200 Jahren. Das ist einfach unser Ding. Und der Optimist in mir entscheidet sich heute, froh darüber zu sein, dass wir faire und freie Wahlen haben. Das meine ich so. In den letzten Jahren bin ich in einige Länder gereist, wo die Leute alles dafür geben würden, unser System zu haben. In Amerika dürfen wir uns aussuchen, wer unser Land ruinieren wird.“

 

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