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Renata von Hoessle – Quelle der Kreativität

Text: IsabelleCVO
KÜNSTLERIN -  ­ AUTORIN -  ­ FREIGEIST


Als geborene Kosmopolitin erkundet Renata von Hoessle fremde Kulturen und lässt sich von außergewöhnlichen Erlebnissen und Begegnungen inspirieren. Ihre Eindrücke verarbeitet die Künstlerin in Ihren Gemälden, Skizzen und Publikationen. Ein Motiv fasziniert sie ganz besonders: Das freiheitsliebende Pferd – ob als Wüstenwirbel oder grell kolorierter Rappen.
 









Renata, wann hast Du mit dem malen begonnen?

Nun das erste Mal habe ich als Kleinkind ein großes Pferd an die Zimmerwand von Freunden meiner Eltern gezeichnet. Das war natürlich nicht sehr ruhmreich, aber immerhin der Beginn
meines künstlerischen Werdegangs ...


Pferde sind eines Deiner Hauptmotive. Was fasziniert Dich so sehr an ihnen?

Vor allem die Kraft und Eleganz von Pferden begeistern mich ungemein. Ich werde ganz in Bann
gezogen von diesen außergewöhnlichen Geschöpfen. Wenn ich sie male, dann vergesse ich die
Zeit – ob Tag oder Nacht, dunkel oder hell, ich vertiefe mich so sehr in meine eigene Kreativität,
dass ich meine Umwelt überhaupt nicht mehr wahrnehme.


Du hast einen sehr internationalen Background – beeinflusst dies auch Deine Kunst?

Oh ja, natürlich. Meine Mutter ist Inderin und mein Vater Deutscher. So bin ich von klein auf in
zwei verschiedenen Kulturen aufgewachsen, was mich selbstverständlich auch geprägt hat.
Diese Einflüsse lassen sich in allen meinen Werken wiederfinden.

Dazu kommt, dass mein Vater Diplomat war und so hat unsere ganze Familie an den verschiedensten Orten der Welt gelebt. Zum Beispiel bin ich in Kuwait geboren und die Schule habe ich zeitweise in Algerien besucht. Später studierte ich dann in Deutschland, Ägypten und Indien.


Wie bist Du zur Literatur gekommen?

Ach, geschrieben habe ich schon immer gerne. Außerdem kann ich meine Kreativität nicht nur
mit Farbe und Pinseln äußern, sondern auch anhand von schönen Sätzen! Ganz stolz bin ich auf
mein Buch: „Eine Nacht in Kairo“ – hier habe ich von meiner Studienzeit in Ägypten erzählt. Wie
spannend es zum Beispiel ist, in eine fremde Kultur einzutauchen, doch auf der anderen Seite
auch erhebliche Barrieren sich vor einem auftun können.

Obwohl ich zu den Künstler­ und Intellektuellenkreise Kairos Zugang hatte, gab es trotzdem   eine gewisse Trennung zwischen Frauen und Männern. Man konnte nicht einfach so im Café mit männlichen Freunden sitzen,  ohne seltsam angesehen zu werden. Einmal bin ich in Kairo auch joggen gegangen – hier habe ich mich absichtlich nicht figurbetont angezogen, sprich eine weite Sporthose und  Sweatshirt getragen. Nach einigen Metern wurde ich a allen Seiten beschimpft und sogar verfolgt.

Aber nicht von Männern, sondern von ägyptischen Frauen! Erst nachdem ich meine Sonnenbrille
abgenommen habe und die Frauen meine blauen Augen sahen, entschuldigten sie sich sofort,
da sie erkannte, dass ich eine Ausländerin bin.


Du bist viel gereist – gab es ein Land, das Dich ganz besonders geprägt hat?

Nun, begeistert bin ich nach wie vor ganz besonders von Indien und das nicht nur wegen meiner
familiäreren Wurzeln, sondern auch weil ich das Land und die Hindu­ Kultur überaus interessant
finde. In Indien ist man von grellen Farben und Kontrasten aller Art umgeben – die Menschen
sind sehr gastfreundlich. Sofern man natürlich die lokalen Regeln und Sitten beachtet.

Aber das  Land hat selbstverständlich auch mit großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen zu kämpfen – auf der einen Seite gibt es sehr viele, unglaublich reiche Menschen, auf der anderen Seite stehen die Slums, die vor Müll und Schmutz ersticken. Das Elend der armen Menschen ist in Indien wirklich grenzenlos. Meiner Meinung nach spielt hier die Bildung eine herausragende Rolle. Ohne diese werden viele Inder auch weiterhin keine Zukunft haben.









Wie würdest Du Deutschland in Deinem ganz persönlichen „Länder­Ranking“ einordnen?

Die deutsche Kultur ist im Vergleich zu der indischen und ägyptischen ganz verschieden.
So sind die Menschen hier durchaus herzlich und aufgeschlossen, aber erst nach einer gewissen
Man muss sich sozusagen erstmal „beschnuppert“ haben, bevor man dem Gegenüber das Herz
ausschüttet. In Deutschland ist jeder viel reservierter – bei anderen Nationen ist das nicht so.

Diese Eindrücke spiegeln sich im Übrigen auch in meiner Kunst: Werke, die ich in Deutschland gemalt habe sind viel ruhiger und von der farblichen Zusammensetzung viel grauer – einfach deswegen, weil das der Mentalität hier entspricht und das Leben hier ruhiger ist ... und nonstop scheint die Sonne in Deutschland ja auch nicht.


Wo siehst Du Dich in 10 Jahren?

Zur Zeit lebe ich in Brüssel, Belgien. Hier arbeite ich als freischaffende Künstlerin, veranstalte
Vernissagen und Ausstellungen meiner Werke. Zusätzlich arbeite ich parallel auch an einigen
neuen Buchprojekten. Da Kunst mein Leben ist, denke ich, dass sich in zehn Jahren immer noch
ganz begeistert Pferde malen werde und meiner Kreativität freien Lauf lasse.


Vielen Dank für das Gespräch !








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