The Hate Destroyer

Zwei Italiener habe eine Kurzdoku über Irmela Mensah-Schramm gedreht. Die 65-jährige Berlinerin entfernt seit Jahrzehnten Hakenkreuz-Schmierereien
philipp-mattheis

http://vimeo.com/18392759

Über ihre Putzerfolge führt die lebhafte Frau Buch. In ihrem Notizheft steht, dass sie bereits rund 20.000 Aufkleber und Schmierereien entfernt hat - Schmierereien mit rechtsextremem, schwulenfeindlichem, rassistischem oder antisemitischem Inhalt.
taz vom 28.7.2007


Angefangen hat ihre Mission im Sommer 1986. Direkt vor der Haustür. Im bürgerlichen Berlin-Wannsee klebte an einem Laternenpfahl der Aufkleber "Freiheit für Rudolf Hess". Mensah-Schramm war auf dem Weg zur Arbeit, als sie den Sticker sah. Mit Abscheu stand sie davor, wollte das Papier abreißen - doch ihr Bus wartete bereits. Die gelernte Heilpädagogin wollte nicht zu spät zur Arbeit kommen, ließ den Sticker hängen.
Den ganzen Tag lang dachte sie an nichts anderes. "Ich habe mich geärgert, dass ich den Aufkleber nicht abgekratzt habe", erinnert sie sich. Am Abend kehrte sie zurück, das Stück Papier hing immer noch da. Sie verstand nicht, warum die vielen Leute, die tagsüber an der Haltestelle standen, es nicht entfernt hatten, "da habe ich beschlossen, nicht mehr wegzusehen".
Spiegel vom 26.10.2009



(...) weil die "Polit-Putze der Nation", wie sie sich selbst nennt, das rechte Gedankengut nicht nur tilgen, sondern auch darüber aufklären will, hält sie fest, was sie entfernt. Auf diese Weise hat Mensah-Schramm schon 48 Aktenordner mit "Beweismaterial" in ihrer Wohnung in Wannsee gefüllt, eine Dokumentation ihres Schaffens. Am Ende dieses Tages werden es insgesamt 34 452 Aufkleber sein, die die Rentnerin nach eigener Auskunft seit Beginn ihres "Nebenjobs" abgekratzt hat.
Berliner Morgenpost vom 10.2.2011


„Unzählige Verfahren wegen Sachbeschädigung liefen bereits gegen sie. Denn immer wieder rufen Passanten die Polizei und erstatten Anzeige, wenn Irmela Mensah-Schramm Hetzparolen übermalt.“
Vorwärts 07-08 2007

Dass sie 1994 die Bundesverdienstmedaille erhielt, zeigt, dass Mensah-Schramm nicht nur Feinde, sondern auch Bewunderer hat. Die Medaille gab sie allerdings wieder zurück, als ein ehemaliges SS-Mitglied mit der gleichen Auszeichnung geehrt wurde.
taz vom 28.7. 2007

„300 Euro investiere sie pro Monat für Material und Fahrtkosten, sie spart sogar am Essen, um ihrer Lebensaufgabe nachgehen zu können.
Für ihre Wanderausstellung "Hass vernichtet" erhält sie ebenfalls keine Fördermittel. Seit Mitte der neunziger Jahre zeigt sie darin eine Auswahl an Parolen, die sie vor dem Wegputzen fotografiert hat.“
Spiegel vom 26.10.2009

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