Video der Woche: Morch Guykill träumt von Sex mit Sido und Bushido

Wie ein schwuler Sänger mit einer Liebeserklärung an die deutsche Rapszene deren homophobe Protagonisten persifliert.
julia-finger

Vor wenigen Tagen teilte Rapper Sido auf seiner privaten Facebook-Seite kommentarlos ein Video mit seinen Freunden. Bereits eine Minute später schrieb die Erste: „Hahahaha!“ Weitere drei Minuten danach der Zweite: „Ich wollt dich nicht drauf ansprechen... Das ist nicht lustig!“ Woraufhin dann wieder die Erste kommentierte: „Das ist einfach zu krass, natürlich ist das nicht lustig, es ist unfassbar.“ Nach wenigen Stunden standen unter Sidos gepostetem Video 18 Bemerkungen, deren Tenor sich zwischen Verachtung und Amüsement einpendelte. Sido selbst ließ sich zu keiner persönlichen Bewertung hinreißen. Vielleicht ist er empört, vielleicht ist es ihm mittlerweile egal. Aber Morch Guykills Persiflage auf den deutschen und vor allem homophoben Rap scheint dem Berliner Sprechsänger zumindest im Moment der Entdeckung bitter aufgestoßen zu sein.

Das Video ist seit dem 14. Dezember online und zählt bereits mehr als 37.000 Aufrufe. Ob es sich bei Morch Guykill um die gesamte Band handelt oder nur um den Sänger mit einer an Sido erinnernden Glitzermaske – man weiß es nicht. Der Künstler beschreibt das Video zumindest mit „Von Schwanz zu Schwanz, von Rosette zu Rosette, von Mann zu Mann! Hier ist sie, die erste sexuell anders begabte Liebeserklärung an Deutschlands Wortakrobaten.“ Ein offensichtlich Schwuler singt also länger als drei Minuten für Deutschlands homophobe Rap-Elite, für Bushido, Sido, Eko Fresh, Kool Savas, Tony D, King Orgasmus und Kay One. Morch Guykill bietet ihnen Analsex an, Bettspiele mit Natursekt, Freiheit und Geilheit, Oralsex an „dicken Schwänzen“ im Pool: „Wir könnten cool sein, relaxt ein bisschen schwul sein, ich fick’ euch in den Arsch, in euren engen Rapperarsch.“ Und Thomas D. darf zuschauen. Melodiös ist das Lied so harmlos und nett, dass auch Dieter Bohlen oder Stefan Raab es hätten produzieren können. Optisch erinnert das Video stark an den homosexuellen Euro-Dance-Musiker Sin With Sebastian. Und sprachlich ist der Song so rüde, dass er auch aus der Feder eines jeden deutschen Rappers entspringen könnte. Was genau Morch Guykill gerade jetzt dazu animiert, fragt man sich allerdings schon. Weder Sido, Bushido oder Kool Savas noch die weiter aufgezählten, eher B-prominenten Vertreter des Deutschraps haben sich in jüngster Vergangenheit negative, verachtende Anspielungen auf Homosexuelle erlaubt. Auch G-Hots „aus Versehen“ veröffentlicher Schwulenhass-Song „Keine Toleranz“ ist schon eine Weile her. Ob der Name Morch Guykill ein Anagramm sein und anders zusammengesetzt etwas Sinniges ergeben könnte, haben wir sogar nach langem Überlegen nicht herausgefunden. Und auch ob deutsche Rapper diese geradzu liebevolle Homo-Retourkutsche verstehen, bleibt zu bezweifeln. Liquit Walker jedenfalls kommentierte auf Sidos Facebook-Seite: „Ich hab’ gestern ’ne halbe Stunde darüber diskutiert. Der Typ is’ ja nun wirklich homosexuell. Aber wer is’ er, was soll das und warum so plump? Da schreibt ja selbst Farid Bang intelligentere Texte.“ Und ein Nachredner: „Was sind das denn für behinderte Schwuchteln? Aber lustig zu sehen, wie sie keinen Bock auf Stress haben, denn nicht einer von den Pussys zeigt seine schmierige Hackfresse.“ Dass das Verstecken des Gesichts hinter einer glänzenden Chrommaske zu unendlicher Aufmerksamkeit und danach großem Erfolg führt, hat der besungene Sido bekanntermaßen schon selbst erfahren.

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