Video-Spezial: Mit Vampire Weekend in die Welt des Preppy Chic

Wie fein diese Band ist, merkt man nicht nur in ihren Songs, auch die Videos sind Delikatessen - für Freunde des gepflegten College-Stils. Eine kleine Analyse.
max-scharnigg

Mit bereits vier gedrehten Videos zu ihrem Debütalbum bekennt sich die fabelhafte New Yorker Band Vampire Weekend auch zur Visualisierung des Pop. Sie ist dabei, wie in allem was sie tut, enorm unterhaltsam. Schon musikalisch trugen die Jungs den Indiesound weg vom grassierenden Zeitgeist und in eine ganz neue Ecke - mit afrikanischen Tschingdarassa, Hawaii-Gitarre und sehr gelassener Yale-Attitüde. Auf Letztere setzen sie auch vor der Kamera und brechen in allen ihren Filmen eine derart angespitzte Lanze für den Preppy-Chic und die klassische College-Mode, dass es Ralph Lauren ganz warm ums neuenglische Herz werden dürfte.

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Illustration: Julia Schubert

In einem Interview darauf angesprochen, erklärte Sänger Ezra Koenig, dass dieser Stil, der fest in den 80er-Jahren zwischen Boston und New York und dem konservativen Denken der amerikanischen Upper-Class verankert ist, rein ästhetisch am Besten zu ihrer Musik passen würde. Den tendenziell schlampigen Indie-Look habe man nie verstanden. Ezra selbst trägt dazu eine bemerkenswerte Frisur, wie man sie so normal noch vielleicht noch nie auf einer Bühne gesehen hat und die sehr an Kevin Arnold aus der legendären Serie „Wunderbare Jahre“ (Original: „The Wonder Years“, Produktionszeit 1988-1993) erinnert. Mit ihren Filmen hat die Band jedenfalls zeitgemäße Lehrstücke des Preppism vorgelegt: 1. Grundlage für das große Vampire-Weekend-Preppy-Chic-Manifest ist ihr erstes und traumhaftes Video zu „Mansard Roof“, wo alles vorkommt was diese Moderichtung prägte: Abgeschnittene Jeans, Barfüsse in Segelschuhen, weiße Baumwollhosen und gekrempelte Hemdsärmel, dazu die glorios eingefangene Stimmung des ewigen Sommernachmittags, die Seekarte von New Jersey und das Spiegeln der Wellen in den polierten Messingteilen. “Mansard Roof“

2. Das zweite Video der Band dürfte in seinem reduzierten Witz zu den allerbesten Clips dieser Saison gehören - das Lied natürlich genauso. Auch hier wieder sehr schön: Die Pastell-Polohemden in der Jeanshose, Strickjacken und Pullis in Benetton-Farben, irgendwie konnten die 80er also auch ganz gut aussehen. “A-Punk“

3. Zum festen Bestandteil der Preppyness gehört das Landhaus in den Hamptons oder auf Long Island oder zumindest die Sommerfrische auf Marthas Vineyard, dem Sylt New Yorks. Auch Vampire Weekend zieht es in ihrem dritten Video mit einem gemütlichen Auto aufs Land – dort ist es zwar nicht so glamourös, aber die Band besticht mal wieder durch exzellentes Aussehen in Tom-Wolfe-Anzügen – und grenzt sich damit scharf von den ebenfalls vorhanden Hippies und Slacker-Typen ab. So ganz unstolz ist man auf diesen distinguierten Auftritt auch nicht: die Hippie-Mädchen rennen den Poppern jedenfalls hinterher. “Oxford Comma“

4. Der neueste Film aus dem Hause Vampire Weekend markiert einen ironischen Höhepunkt des modischen Kreuzzuges der Band. Wir befinden uns auf einem mustergültigen Prep-Sommerfest mit weichgezeichneten Barbie-Klassensprecherinnen und fechtenden Jungs, mit Pullovern über den Schultern, Ezra im klassischen Lauren-Hemd und natürlich strumpflos in der 501 – ein Traum! Aber dann kommt das dunkle Mädchen, das personifizierte Indie-Goth-Emo-Andershalt-Mädchen, lockt die sorglose Band weg und verzaubert auch noch den Sänger – die Pop-Klamotten müssen runter und die Band verwandelt sich in eine alberne Rock’n’Roll-Band mit typischen Insignien: wildes Feuer statt Pool, Drummer im Unterhemd statt mit weichem Pullover. Ach, hoffentlich kommen Vampire Weekend im nächsten Video wieder mit Polohemd zurück. “Cape Cod Kwassa Kwassa“

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