Tollwood-Kolumne: Am Anfang des Rock'n'Roll

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Es klopft laut an der Tür. Das klopfen wird langsamer...immer laaaangsamer. Wer klopft? Richtig, ein Schlagzeuger. Vorurteile über Musiker kommen nicht von irgendwoher. Und dass Schlagzeuger keine Tempi halten können, ist nur ein Vorurteil von vielen, das sich tapfer hält. Ja, es gibt sie tatsächlich, diese kleinen Regelmäßigkeiten und Eigenschaften, wegen denen irgendwann jemand angefangen hat, Musikerwitze zu schreiben. Und es gibt einen Moment, in dem sie besonders sichtbar werden: Das Konzert. Man muss dafür nur ganz genau hinschauen. Zum Beispiel im SZ-Zelt im GabiDom auf dem Tollwood-Festival in München. Hier gibt sich drei Wochen lang täglich die ansässige Musikszene die Klinke, beziehungsweise das Mikro oder die Gitarre in die Hand. Umweht von Zimt und Patchouli, neben Kleinkünstlern, asiatischem Kitsch und biologisch wertvollen Fressbuden, reißen sie ihre Gitarrenverstärker auf und preisen diese Kleinigkeit, die Rock 'n' Roll heißt.

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Illustration: Julia Schubert

Na, wer ahnt, wie es an diesem Tollwood-Stand riecht? (Foto:dpa) Nein, ich komme nicht von der Isar. Und während ich mich auf meinem Fahrrad das erste Mal gen Olympiapark abstrample, frage ich mich, ob meine Ansichten über Musikermythen in Bayerns Hauptstadt wohl genauso gelten wie im Rheinland, da wo ich musikalisch groß geworden bin. Gestern habe ich extra noch mal meinen musikfanatischen besten Freund in Köln angerufen und ihn gefragt, was ihm so einfällt zum Thema Musik in München. „Sporfreunde Stiller“ hat er gesagt. Und etwas später noch: „Münchner Freiheit“. Gut, soweit bin ich auch schon gewesen. Meine Band ConcordeGT – wir werden als Specialguest mit der Band Crash Tokio im SZ Zelt spielen – zuckt auch nur mit den Achseln. Sie seien gespannt, sagen sie. Nach fünf Minuten im SZ-Zelt ist meine Aufregung verschwunden. Vertraute Szenen, zumindest auf den ersten Blick. Der Soundcheck von der Band Go Panic! hat sich um eine Stunde verschoben, das passiert. Die Emil Bulls hängen in der Sonne rum und trinken Bier. Ja, das ist ein normales Festival. Mit einem liebevoll eingerichteten Backstagebunker, gutem Sound und einer großen Bühne. Nach ein paar Stunden fühle ich mich fast schon zu Hause. Ich verlasse den Backstagebereich Richtung Bühne. Am Durchgang zum Zelt steht ein Mädchen und guckt grimmig. „Darf ich mal da rein?“ frage ich. Das sei kein Publikumseingang, sagt sie und verschränkt die Arme. Ich erkläre ihr, dass ich auch hier arbeite. Skepsis. Dann: „Neee, du arbeitest nicht im Ball!“ Resolut und verhandlungsunwillig versperrt sie weiterhin den Eingang. Ich merke mir den Begriff Ball als Codewort für Interne und gehe resigniert die große Runde bis zum Haupteingang.

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