Die Piraten - eine bürgerliche Protestpartei?

Die Umfragen der Online-Communities sehen die Piraten schon im Bundestag, die Wahlforscher scheinen die Partei dagegen gar nicht erst auf dem Zettel zu haben. Ein Textmarker zur Piratenpartei
andreas-glas

Die Piratenpartei ist die Protestwahl des jungen, gebildeten Bürgertums. Gerade wer in den 90er Jahren politisch sozialisiert wurde und daher die Zeit der ideologischen Konfrontation verpasst hat, gibt viel weniger auf die Bindung zu den etablierten Parteien. Da Nichtwählen die Ultima Ratio für jeden politischen Menschen ist und die radikalen Parteien stinken, könnte die Piratenpartei mit ihrem an freiheitlichen und bürgerrechtlichen Idealen (orientierten) Programm eine Ventilfunktion einnehmen. Wo steht das denn? Diese Einschätzung stammt von Journalist Sebastian Christ, der sich derzeit im Blog von stern.de seine Gedanken zur Bundestagswahl macht. Er hält die Piratenpartei für ein reines Phänomen jüngerer Generationen, die das Zeitalter des Ost-West-Konflikts nicht miterlebt haben. Wie in vielen Online-Umfragen steht die Piratenpartei derzeit auch im jetzt.de-Kosmos hoch im Kurs. Die jüngste jetzt.de-Sonntagsfrage sieht die Piraten bei stolzen 23 Prozent, nur die Grünen erreichen einen besseren Wert. Spiegelt dieses Ergebnis Sebastian Christs Einschätzung wider? Stimmen viele jetzt.de-Nutzer nur deshalb für die Piraten, weil sie sich als bildungsbürgerliche Protestwähler verstehen und in der Partei die einzige Alternative zum Nichtwählen sehen?

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Illustration: Julia Schubert

Christ vergleicht das Image der Piratenpartei mit dem Status der Grünen in den achtziger Jahren: Er bezeichnet die Piraten als "Anti-Parteien-Partei", die "gründungsgrüne Verhaltensmuster in die Gegenwart transferiert" und sorgt damit für Diskussionsstoff: Hat die Piratenpartei außer Protestpotenzial kein eigenes, ausgereiftes Profil, das über das Thema Internet hinausgeht? Oder sind die Piraten gerade deshalb reif für den Bundestag, weil sie sich mit dem Internet einem wichtigen Phänomen zugewandt haben, das andere Parteien bisher noch nicht erkannt haben? In den Kommentaren darf diskutiert werden, ob Sebastian Christs Ansicht stimmt oder ob seine Theorie schon an der vermeintlich paradoxen Verbindung von Protest und Bürgertum scheitert. Alles zur Bundestagswahl gibt es unter jetzt.de/wahl09

Text: andreas-glas - Foto: dpa

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