Tobias hat einen PR-Berater. Bei dem kann man einen Termin vereinbaren, wenn man den Direktkandidaten der FDP, Stimmkreis München Land, treffen will. So sitzt Tobias Thalhammer, gerade 29 Jahre alt geworden, in Anzug und lachsrosa Hemd, breit lächelnd in der Lobby eines Hotels in der Münchner Innenstadt und erzählt von sich. Im Hintergrund dudelt Fusion-Musik, der Fernseher neben der Bar zeigt eine Dokumentation über die letzten Monate der DDR. Einen Interview-Termin in der Hotellobby, das machen nicht viele Politiker. Das ist sonst doch eher das Ding von Filmstars oder Popmusikern. „Ich versuche, mit jedem Album ein Thema aufzugreifen, das mir auf dem Herzen liegt“, sagt Tobias. Er sagt WAS? Tobias Thalhammer ist im Nebenberuf Schlagersänger. Er tritt unter dem Namen Toby bei Festen auf und im Fernsehen, schon seit er ein Kind ist. Seine Lieder haben Titel wie „Heute will ich mich verlieben“ oder „Zu Jein sag ich Nein“ und sind so niedlich, dass Howard Carpendale dagegen klingt wie der Prince of Darkness. Bei „Marienhof“ hatte er auch mal eine Nebenrolle (Heiko!) und als er als kleiner Pimpf einmal im Frühstücksfernsehen von Sat1 auftrat, widmete der TV-Lästermolch Oliver Kalkhofe dem Ereignis gleich einen ganzen Sketch und taufte den jungen Sänger auf den Namen „Toby Pupsnase“.

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Das ist natürlich nicht nett. Aber irgendwie bleibt das im Hinterkopf kleben und man denkt: Jaja, war ja klar, die FDP, die alte Spaßpartei, hat wieder mal alle Schlagernasen und Gameshowansager genommen, die sie kriegen konnten, und lässt sie im Guidomobil durch den Wahlkreis tuckern, schön brav Wahlkampf spielen. Aber so ist das nicht. Zur FDP sei er wegen der Wehrpflicht gekommen, erzählt Tobias. Er war zur Bundeswehr gegangen und fühlte sich dort überhaupt nicht wohl. Er merkte, wie er psychisch oft an die Belastungsgrenze getrieben wurde, und kam sich dabei irgendwie manipulierbar vor. „Dieses Brechen und neu Formen ist vollkommen falsch für die Persönlichkeitsbildung im 21. Jahrhundert“, meint Tobias. Die FDP-Jugendorganisation, die Jungen Liberalen (Julis), hat sich die Abschaffung der Wehrpflicht als wichtiges Ziel gesetzt. Das gefiel ihm. Als Tobias dann wenig später Betriebswirtschaft studierte, ging er zu seiner ersten Juli-Veranstaltung. So kam er zur FDP. Seinem Vater war das anfangs gar nicht recht. Der hätte den Sohn lieber bei der CSU gesehen. Tobias lässt sich in den Hotellobbysessel sinken. Er hat heute schon eine Kreistagssitzung in den Knochen. Dort ist er seit diesem Jahr der Finanzreferent der FDP-Fraktion. Heute ging es um Pflegeeinrichtungen in der Gemeinde Gräfelfing und die Bezuschussung von Schuldnerfachberaterstellen. So ist der ganz nüchterne Kommunalpolitik-Alltag eben. Aber Tobias ist begeistert. „Aufgrund auch meiner Initiative wird jetzt im Landkreis München eine Fachoberschule gebaut“, sagt er. „Ich freu mich, wenn ich als junger Mensch auf die Weise etwas bewegen kann.“ Thomas schwärmt von seiner Partei, von der Diskussionskultur, die es dort gebe, von der Weltoffenheit, der Idee der Leistungsgerechtigkeit und vor allem von ihrem Eintreten für Datenschutz und Bürgerrechte. Weil es gerade damit der CSU in den vergangenen Monaten nicht immer ernst war, könnte es die FDP nach über 14 Jahren Dürre diesmal tatsächlich wieder in den bayerischen Landtag schaffen. Damit es auch für Tobias reicht, hat er sich vorgenommen, ganz nah auf die Bürger zuzugehen. Das heißt: In seiner Freizeit, neben seinem Job bei einem Münchner Medienunternehmen – die Schlagersingerei muss zur Zeit auch zurückstehen – geht er auf Dorf- und Volksfeste, spricht dort Leute an, stellt sich brav vor und sagt dann seinen Spruch: „Ich will frischen Wind ins Maximilianeum bringen.“ So wie Tobias auftritt, wie er auf die Leute zugeht und über Politik redet, hat tatsächlich etwas Erfrischendes. So ein abgebrühter, begeisterungsresistenter Profiparlamentarier, wie sie zu Dutzenden im Landtag sitzen, möchte er auch gar nicht werden. Er hat sich fest vorgenommen: „Sollte es klappen, werde ich kein Berufspolitiker werden.“ Und eines möchte Tobias Thalhammer unbedingt noch klarstellen: „Mit dem Wort Spaßpartei hab ich gar kein Problem“, meint er. „Denn man muss ja Spaß bei der Arbeit haben.“

Text: bernhard-huebner - Foto: Holly Pickett