Im Warenkorb: "Die Kunst, frei zu sein"

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Illustration: Julia Schubert

Im Warenkorb: „Die Kunst, frei zu sein. Handbuch für ein schönes Leben“ von Tom Hodgkinson Warum: Was die Welt braucht, sind mehr Bücher, die totale Verlotterung und Nachlässigkeit zu einer Tugend erklären und faulen Menschen einreden, das einzig wahre und gute Leben zu führen. Tom Hodgkinson hat genau diese Haltung zu seiner Maxime gemacht. Nach einem selbst bestimmten Leben an der Universität war er von der Aussicht, einen Beruf ergreifen zu müssen, alles andere als begeistert. Schließlich entschied er sich, wie seine Eltern Journalist zu werden. Und vermasselte sich durch sein Unvermögen, rechtzeitig aus dem Bett zu kommen, eine Menge. Stolz war er auf seine Hallodri-Attitüde ganz und gar nicht – im Gegenteil. Er schämte sich für seinen mangelnden Ehrgeiz. Erst als er die Schriften des Dichters Samuel Johnson in die Hände bekam, erkannte er, dass er seine Unzulänglichkeit auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten konnte: Er war ein „Idler“ – ein Müßiggänger. Und auf diese Erkenntnis baute er auf – mit der Zeitschriftengründung von The Idler, Artikeln und Büchern, die den Müßiggänger protegierten und einem Lebensstil, der ganz seiner trägen Attitüde Rechnung trägt. Nachdem er sich in seinem ersten Buch dem Müßßiggang widmete, ist in diesem nun die Freiheit dran und wie wir ein freies Leben führen können. Freiheit bedeutet für Hodgkinson in erster Linie Verzicht auf vermeintliche Bequemlichkeit und damit ein Ende von Abhängigkeiten. Konkret bedeutet das: Von Auto (Öl) und öffentlichen Verkehrsmitteln (nervig) aufs Fahrrad (frei) umsteigen. Von der passiven Freizeitgestaltung wie Kino (Emotionales Outsourcing) und Musik (andere spielen dir etwas vor) Abstand nehmen und drei Akkorde auf der Ukulele lernen. Damit, so Hodgkinson, kann man genug Songs begleiten und einige lustige Abende zu erleben. Sorgen mit ein oder mehreren guten Bieren wegspülen, oder gleich ganz damit aufhören, sich zu sorgen. Für wen: Ach, eigentlich für alle. Natürlich wird kaum ein Mensch nach der Lektüre von Hodgkinsons Manifest anfangen, einen Kompost-Haufen auf seinem Balkon anzulegen oder seinen festen Job kündigen, um ein Jahr lang in der Hängematte auf die Erkenntnis zu warten, was seine wahre Bestimmung sei. Aber wenn man das Buch nicht als strenge Lebens-Vorschrift betrachtet, sondern als eine Ansammlung sehr lesbarer und kluger Vorschläge für ein Leben abseits der geraden Straße, dann kann das keinem schaden – nicht einmal der Volkswirtschaft. Die Kunst, frei zu sein, ist bei Rogner und Bernhard erschienen und kostet 17,90 Euro. Illustration: katharina-bitzl

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