Im Warenkorb: Die neue Spex

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Illustration: Julia Schubert

Produkt: Ein zweimonatliches Magazin für Popkultur Titel: Spex Nr. 309 (aus Berlin) Dazu: Abgesehen von der Frage, ob Musikzeitschriften auf Papier in Zukunft noch einen Sinn erfüllen und auch wenn man vor vier Monaten noch geschworen hatte, lieber eine Fischerspooner-Vinyl zu zerkauen, als das zuzugeben: die neue Spex ist doch gut. Die (von beiden Seiten) unglückliche Auswechslung der alten Kölner Redaktion und eine ziemlich katastrophale erste Heftnummer der neuen Berliner Redaktion, gab den Berufsskeptikern (aka Leserschaft der Spex) und mir zunächst viel Anlass zum Bellen. Nun wirkt das Heft aber bereits mit der vorliegenden Juli/August-Ausgabe unbedingter, als es ganze Jahrgänge der alten Spex taten. Woran das liegt ist nicht gleich offensichtlich, offensichtlich ist nur, dass sich in nahezu allen Texten die Absicht a) zu informieren und b) zu unterhalten, bemerkbar macht. Dass dieses lobenswerte Eigenschaften zugleich mit einer fundierten Themenauswahl und -mixtur einhergehen, ist nicht selbstverständlich, aber tatsächlich geglückt: Erfrischend befindlichkeitslose (!) vier Seiten Tocotronic stehen gut neben Beuys-Schüler Conrad Schnitzler, Modeschöpfer David Delfin flippt neben einem kurzweiligen Dossier über Rave, kluge Notizen zu HBO und Oper. Endlich klappt die alte Ritterrüstung „Magazin für Popkultur“ wieder das Visier auf! Nicht, dass dies früher nicht geschehen wäre, viel zu oft wirkte damals aber ein queres Thema um der Quere willen ins Heft genommen, die produzierten Textmassen standen dann in keinem Zusammenhang zum erreichten Lesevergnügen. Es ergaben sich so in den hinteren Heftteilen der Kölner Spexe regelmäßig Themenghettos, absolute Sperrzonen für den Semiprofessional-Leser. Das ist nun einer Lockerheit gewichen, die vor allem mit einem Verzicht auf Indie-Hofberichterstattung erreicht wurde – weniger Plattenrezensionen, weniger vorgestellte Hypes, kaum Befindlichkeitskämpfe und gar nicht erst der Versuch, alles was eine Gitarre halten kann zu erfassen. Stattdessen wirkt das Heft jetzt wie ein gutes Hotel, liebevoll vom äußerst arbeitsamen Hotelier Max Dax eingerichtet, mit persönlichen Vorlieben aber doch so, dass sich jeder in den Zimmern wohlfühlen kann. Schlaue Unterhaltung, unterhaltende Schläue, was will man mehr.

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