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Illustration: Julia Schubert

Produkt: Roman Titel: Rocko Schamoni – Sternstunden der Bedeutungslosigkeit Dazu:Rocko Schamoni ist ein seltsamer Typ. Irgendwie schwer zu verorten, das gilt für seine Musik genau wie für seine Literatur. Sein erstes Buch „Risiko des Ruhms“ war eine Groteske mit so ziemlich den lustigsten Anekdoten, die man Deutschland in den Buchläden bekommen konnte. Der Nachfolgeroman „Dorfpunks“ wirkte dagegen brav und molk die damals angesagte „Punk/Pubertät in der Provinz“-Kuh noch mal linear aus. Nun liegen 250 neue Seiten vor, in denen, so scheint es, zehn Jahre später der junge Dorfpunk eine Bestandsaufnahem seines Lebens vornimmt, mittlerweile in Hamburg angekommen und in einem Zustand kompletter Lebensverwüstung, Lethargie und Verliebtheit. Es geht um Musik, Rausch und Prügeleien, Ereignisse die keine Geschichte erzählen, sondern den Leser nur einklinken, ins wilde Leben. Das ist klassisches Verfahren mindestens der letzten 40 Jahre, wurde mal Beat-, mal Popliteratur genannt. Es erzeugt immer ähnliche Bücher und Schamoni’s ist eines der ähnlichsten und somit nicht besonders interessant geraten. Fast genau so las sich vor zwanzig Jahren Jörg Fausers „Rohstoff“ (Schriftsteller, arbeitslos, Drogen, Verliebt), vor zehn Jahren Michael Birbaeks „Was mich fertigmacht ist nicht das Leben…“ (Musiker, Arbeitslos, Drogen, Verliebt) und zwischendrin noch eine Menge anderer Werke. Dabei geht es recht kreativ los: Der sympathische Protagonist versucht seinen monumentalen Suff-Brand zu löschen und trinkt in Verzweiflung ein Aquarium inkl. Fisch aus. Der Fisch in seinem Bauch wird zum Sidekick in nachdenklichen Stunden –ganz nette Idee, angesichts all der folgenden Rock-Stereotype: Saufen, Als Roadie auf Tour, Besuch bei den Provinz-Eltern, geheimnisvolles Mädchen von gegenüber, Band gründen, Saufen. Den Meta-Fisch vergisst Schamoni aber weitgehend, zerrt ihn nur lieblos hin und wieder ans Licht und bleibt sonst bei der eindimensionalen Darstellung eines Chaotenlebens auf St.Pauli. Auch recht - abgesehen von der Erwartbarkeit der Szenen, unterhält das Buch zwei Stunden lang nicht schlecht. Inspiration, Tiefgang, Neugier sind allerdings gleich null, da wird das Werk seinem Titel ganz gerecht. Aber Bier trinkt man ja auch immer wieder, obwohl man schon weiß, wie es schmeckt. Für wen: Alle die Bourroughs, Bukowski und Rainald Goetz im Regal haben und mal einen Abend nicht selber ausgehen wollen.

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