Im Warenkorb: Zwischen den Sprechblasen lesen - zwei gute Comic-Magazine

Im jetzt.de-Warenkorb liegt immer ein Produkt, über das diese Woche gesprochen werden muss.
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Illustration: Julia Schubert

Produkt: Strapazin – Das Comic-Magazin Warum: Weil es Sinn macht, die Grenzbereiche und Möglichkeiten des Comics immer wieder auszuloten, um nicht ewig bei Mickey und den X-Men hängen zu bleiben. Das deutsch-schweizerische Strapazin gibt nicht einfach beliebige Ausgaben heraus, sondern widmet sich in jeder Nummer einem bestimmten Thema. Das kann eine regionale Szene sein oder aber ein Schwerpunktthema. Jedes Mal gibt es neben Comicgeschichten von Independent- Zeichnern auch interessante Texte auf der Metaebene. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Comic, der laufen lernt. In diesem Fall dem Trickfilm mit dem Titel „Peur(s) Du Noir“ oder auf deutsch: „Angst (Ängste) vor dem Dunkeln“. Dieser Film soll 2008 erscheinen und besteht aus einzelnen Episoden, die von namhaften Comickünstlern gestaltet werden. Internationale Comic-Stars wie Blutch, Charles Burns oder Richard McGuire haben die Vorgabe, in ein paar Minuten mit den Farben schwarz und weiß ihre Zeichnungen zum Leben zu erwecken. Und dabei kann eine bunte Palette an Ideen entstehen, wie sich bei der gedruckten Sneak-Preview im Strapazin feststellen lässt. Neben dem thematischen Block sind im Heft auch Comicgeschichten abgedruckt, die mit der Schwarz-Weiß-Ästhetik gekonnt jonglieren. Ein gekratzter Comic von Thomas Ott und einen Scherenschnitt-Geschichte von Blanquet bringen das Spiel mit den Gegensätzen noch mal auf einen anderes Level. Obligatorisch wie Plattenkritiken in einem Musikmagazin gibt’s am Ende des Strapazins auch Besprechungen von anspruchsvollen Comics, die zur Zeit erscheinen. Für wen: Für Leute, für die Comics mehr sind, als nur seichte Unterhaltung. Und für Kunst- und Filmstudenten, die sich neue Inspirationen holen wollen. Produkt: Plaque 02 – Magazin für Wort und Bild Warum: Weil Comic-Künstler zu selten zu Wort kommen. Plaque erscheint beim Avant-Verlag, hat ein handliches Format und ist in etwas so dick wie ein kleiner Roman. In der zweiten Ausgabe gibt es auf den knapp 160 Seiten eine gute Mischung aus Comic-Seiten und solchen, die nur mit Buchstaben bedruckt sind. Ein Essay von Horus, der schon das Leben von Schiller in ein Comic gepackt hat, beschäftigt sich mit dem Lieblingsthema von Comic-Freaks: Nämlich mit der Frage, was dieses bildhafte und erzählerische Medium genau ausmacht und wo genau die Grenzen des Comics liegen. Ein langes Interview mit Anke Feuchtenberger, der vielleicht bekanntesten deutschen Comiczeichnerin, erzählt unter anderem von den Flugblättern, die sie während der deutsch-deutschen Wendezeit gestaltet und wie sie nach der Wiedervereinigung den Weg zu West-Comics gefunden hat. Die Bildgeschichten zwischen den Wortseiten kommen von internationalen Comic-Künstlern wie dem Österreicher Nicolas Mahler oder dem Franzosen David B., der gerne Traumszenarien aufs Papier bringt und vor allem durch sein autobiographisches Comic Die heilige Krankheit bekannt wurde. Seine Geschichte ist angenehm surreal und erinnert an die „Stadt der träumenden Bücher“ und irgendwie auch Paul Austers „New York-Triologie“. Für wen: Für fortgeschrittene Comic-Kenner, denen Comics alleine nicht mehr reichen. Und für Literaturwissenschaftler, die noch ein paar Fußnoten für Hausarbeiten über Comics suchen.

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