Neue Kulturgüter, ausgepackt und vorgestellt: Rufus Wainwright

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Illustration: Julia Schubert

Im Warenkorb: Rufus Wainwright - Release The Stars (Geffen) Warum: Herr Wainwright kann weiterhin das, was andere Männer so schön nicht können: Hemmungslos Gefühle herumzeigen, Pomp bündelweise einkaufen und dann noch aufblasen, Opern komponieren, die fünf Minuten lang sind. Schwül ist die Musik, aber nicht so, dass man hinterher duschen möchte. Im Vergleich zu den Vorgängerplatten dosiert der Wahl-Berliner sein emphatisches Gemüt etwas und präsentiert aufgeräumte Melancholie, manchmal sogar richtig aufmunternde ("Nobody’s Off The Hook") Kammermusik. Zum Einsatz kommen vornehmlich Geigen und Piano, die sich stets zart hinter Wainwrights schwelgerisches Belcanto einordnen. Das ist alles sehr stimmig: das homoästhetische Bookletartwork mit dem Künstler in bayerischen Lederhosen, die Songtexte, die sich zweideutig zwischen Sex und Verzweiflung herumtreiben und die Hochglanz-Produktion, die diesem Werk etwas Zeitloses gibt – könnte auch eine verlorene Seele Anfang der Achtziger aufgenommen haben. Oder jemand der „OK Computer“ von Radiohead in den Neunzigern edel interpretiert hat. Rufus Wainwright ist tatsächlich ein Inseltalent, ein Dramatiker dessen Inszenierungen im Radio genauso funktionieren wie auf einer Musicalbühne oder im Kopfhörer auf dem Weg nach Hause. Für wen: Wer die musikalischen Entsprechung zum Eckenstuck in der Altbauwohnung sucht, wer melodramatische Abendessen veranstaltet oder sich selbst einfach in elegante Stimmung versetzen möchte. Das Video zu "Going To A Town"

Illustration: katharina-bitzl

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