Saufen Kaufen: Über das Buch "Die feine Art des Saufens"

Das reizvollste an dem Buch ist der Name: „Die feine Art des Saufens“ entfaltet, im Freundeskreis auf den Küchentisch gepfeffert, eine nicht unerhebliche Wirkung.
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Illustration: Julia Schubert

Das reizvollste an dem Buch ist der Name: „Die feine Art des Saufens“ entfaltet, im Freundeskreis auf den Küchentisch gepfeffert, eine nicht unerhebliche Wirkung. Frank Kelly Rich hat sich an ein „Handbuch für den modernen Trinker“ gesetzt, das als Pamphlet pro gepflegtem Alkoholismus zu bezeichnen ist. Das ist leidlich politisch unkorrekt, weil Komasaufen = Problem und Alkohol sowieso: Volksdroge Nummer eins. Aber Rich spricht im Vorwort von seiner „Antwort auf die Armeen selbsternannter Kindermädchen, die uns glauben machen wollen, dass kein bisschen Spaß den langen, grauen Marsch in die Arme des Todes unterbrechen dürfe.“ Beim Tropen-Verlag – oder im Hause Rich – versteht man sich auf passende Wortspielereien mit dem Suff. „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“ steht da und vermutlich hat Rich recht. Jede Bewegung zieht ihre Gegenbewegung nach sich wie der Sonnenuntergang die Dunkelheit. So tritt Rich leise in die Fußstapfen der Abstinenz-Prediger und aller anderen vor Schnaps warnenden Subjekte auf diesem Planeten, die seiner Meinung nach lange genug die mahnende Oberhand behalten haben. Er beginnt sein reichlich rubriziertes Büchlein mit „77 Säuferregeln“ und rät, Beispiel, in Regel Nummer 53: „Niemals den Kopf auf den Tresen legen. Das ist, als legten Sie freiwillig den Kopf auf den Richtblock.“ Oder in Regel Nummer 2: „Einen ausgeben ist besser als fünfmal Händeschütteln.“ Richs Buch kann man getrost neben „Fußball unser“ stellen, ein sehr erfolgreiches Fußball-Brevier aus dem vergangenen Jahr. Nicht wegen der Thematik sondern wegen der Machart. Es ist ein Häppchenbuch, ein Blätterbuch, das man einen Monat lang in die gute Stube legen kann, um immer wieder reinzulesen und einen Brocken mit rauszunehmen. So stößt man auf einen gezeichneten Orden namens „Die purpurne Leber“, darselbst eine Auszeichnung „für rückhaltloses Trinken“. Rich redet außerdem dem einsamen Trinken das Wort und plädiert auch mal dafür, das Wochenende zu Nutzen, um sich das Hirn rauszusaufen. Jaja, das klingt bisweilen recht derb, aber jeder ordentliche Ausgehabend wird von härterem Vokabular assistiert als das von Rich verwendete. Ein Quatschbuch also? Naja, nicht so wirklich. Es widmet sich durchaus beschmunzelnswert dem Dreh- und Angelpunkt eines jeden Festes, einer jeden Veranstaltung: Dem Schnaps. Wir haben es nicht mit einer flammenbewehrten Schrift im Namen der hohen Prozentzahlen zu tun, eher mit einem putzigen Begleiter für Junggesellenabschiede oder arrivierte Bar-Touren. Das 200-Seiten-Teil widmet sich den Dingen, die man, wenn man schon Alkohol konsumiert, dienlichst Tun oder Lassen sollte. Da steckt manchmal mehr Ratgeber als Humorkäse drin, wenn man zum Beispiel erklärt bekommt, warum es ein Dummfug ist, zu behaupten, man erscheine auf einer Party am besten immer eher spät. Ein nettes Mitbringgeschenk hat Herr Rich verfasst, dessen Qualitäten sich keineswegs mit dem netten Titel erschöpfen und das sich auch engagierte Alkohol-Präventionisten, da kann man sich sicher sein, bei einer Weißweinschorle frohen Gemüts zu selbigem führen können. Ohne dabei das eigene Tun zu verraten. Cheers also, ist ja Wochenende. Die feine Art des Saufens, ist bei Tropen erschienen und kostet 14,80 Euro.

Text: peter-wagner - Illustration: Katharina Bitzl

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