Ich kann nichts dafür, das sind die Hormone!

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Es gab da mal eine Werbung für eine Pfefferminzschokolade aus England. Ein altes Ehepaar – etwa Mitte 60 – fährt durch London, alles um sie herum hat sich geändert. Es gibt das Internet, Mobiltelefone und immer wieder neu: Hoffnung. So weit, so verwirrend für die beiden Protagonisten im Fond des Taxis. Plötzlich sehen wir eine junge, hübsche Frau im kurzen Rock aus dem Eingang eines Hauses kommen. Der Ehemann dreht sich auffällig um und schaut der Frau relativ unverhohlen hinterher. Die Gattin quittiert es mit einem fatalistisch-achselzuckenden „And some things never change.“ Auf dieses Stichwort hat der Mann nur gewartet und zaubert plötzlich – wie man das halt so macht – eine Packung mit der Pfefferminzschokolade herbei, denn die hat sich in all den Jahren auch nicht geändert. Gottlob! Die Frau ist natürlich sofort wieder besänftigt und lässt es sich schmecken. Die etwas an den Haaren herbeigezogene Story ist ein typischer Spot im Sinne von: Man kommt von Kuchen backen auf Arschbacken.

http://www.youtube.com/watch?v=nA1Uin-21hU

Wobei Arschbacken hier wirklich eine Rolle spielen. Schließlich hat der Gatte der unbekannten Schönheit auf der Straße voll auf den Hintern geglotzt. So wie viele Männer das gerne machen, gerade im Sommer. Ich bin da – zugegeben – keine Ausnahme. Denn natürlich bin ich wie alle Männer Testosteron gesteuert. Was einem das Leben nicht immer einfacher macht. Ich will ja nicht wie blöde andere Frauen anglotzen und auf den Arsch oder anderswohin schauen, doch es passiert ganz automatisch. Dank der Hormone. Meistens versuche ich immer, so unauffällig wie möglich Frauen hinterherzuschauen. Toll ist es, wenn sonniges Wetter ist und die Augen durch eine Sonnenbrille verdeckt sind. Dann kann ich in Ruhe sehen, wie Frauen vorbeigehen. Manche staksen auf ihren hohen Absätzen etwas hilflos über den Asphalt und konterkarieren damit den Rest ihrer Erscheinung. Andere radeln vorbei, der Fahrtwind schiebt den Rock etwas nach oben. Und wieder andere sind einfach da und die Welt ist einen Augenblick lang noch etwas schöner. Im Grunde ist der liebe Gott der größte Designer der Welt: Er hat den Frauenkörper geschaffen. Ein wenig Colani, eine Prise Bauhaus oder hier und da Alessi. Fertig. Im Grunde schaue ich also gar nicht Frauen nach, ich begutachte eine riesige Designausstellung. Ich bin sauintellektuell und fröne dem Schönen. The Aim of Design is to define space – hier die Straße. Wahrscheinlich sind das auch gar keine Mädels, sondern alles Gregor Samsas, die sich in süße Käfer verwandelt haben (höhöhö, Schenkelklopf).

Bevor jetzt jemand meckert: Ja, ist das ist Quatsch. In meinem Kopf läuft nicht Arte, es läuft ganz profanes RTL2. Und da auch nur Wiederholungen, die leider nie langweilig werden. Aber ich habe immer die Fernbedienung in der Hand und kann jederzeit umschalten. Genau wie ein Raucher, der jeden Tag aufhören kann. In mir tobt der ewige Kampf des Mannes: Titten oder Arsch. Eine wirklich existentielle Frage, die sogar einmal Bodybuilder- und Conan-Legende Arnold Schwarzenegger bei einem Besuch in Rio umtrieb. Es war Karneval, die leicht bekleideten Samba-Tänzerinnen wackelten mit ihren Hüften zum Beat. Puh, ist das heiß hier an der Copa Cabana. In einer Einstellung tanzt Schwarzenegger ungelenk mit einer der närrischen Damen. Ein Traum. Noch schöner wird es, als sich der wandelnde Bizeps mit einer Brasilianerin ernsthaft darüber unterhält, was ihn mehr anmacht: eben Popo oder Oberweite. Arnie verrät: Hinterteile machen ihn mehr an. Maria Shriver hätte also gewarnt sein müssen, um es vorsichtig auszudrücken.

http://www.youtube.com/watch?v=pdIjJ8efftk

Manchmal habe ich Angst, dass sich dieses Hormon-gesteuert-Sein wirklich niemals ändert. Dass ich irgendwann ein schmutziger alter Mann bin, der Frauen auf den Arsch guckt. Sie sind ganz nah, aber gleichzeitig so fern. Unerreichbar, wie ein Friedensvertrag zwischen Israel und Palästina. Ich möchte einfach nicht in ferner Zeit auf der Rückseite eines Taxis in Berlin sitzen und zusammen mit meiner Frau bemerken, dass sich in Berlin ganz schön viel getan hat: „Schau mal Schatz, die haben jetzt nach 30 Jahren Bauzeit den Flughafen Willy-Brandt eröffnet." „Wer ist Willy Brandt?" „Gute Frage." Wir kommen am Brandenburger Tor vorbei, das jetzt „Telekom Brandenburger Tor" heißt, weil sich die Hauptstadt das Wahrzeichen nicht mehr leisten kann. Im Berghain finden nur noch Afterwork-Clubs statt, obwohl es keine Arbeit mehr gibt. Doch dann: Aus einem Hauseingang kommt eine Frau. Schön, jung, kurz berockt. Einen kleinen Moment arbeitet es in mir: Schauen oder nicht? Nein: Pfefferminzschokolade. Ich ziehe sie aus der Tasche – wie man das halt so macht – und reiche sie meiner Frau rüber. Schließlich ist Essen ja der Sex des Alters. 

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