Wovon lebe ich später? Was sage ich dem Versichungsvertreter? Und wohin mit Omas Kohle?

Keiner hat Lust sich damit zu beschäftigen, aber jeder ahnt, dass es mal wichtig wird: Rente, Altersvorsorge, Sparen. Wir haben das schlechte Gewissen einmal überwunden und sind zu Merten Larisch gegangen. Er ist Referent für Altersvorsorge der Verbraucherzentrale in Bayern und erklärt uns nicht nur, was man wissen muss. Er kann es auch so ausdrücken, dass es selbst die Lustlosen verstehen:
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Illustration: Julia Schubert

Liste 1 – Kleine allgemeine Merkregeln 1. Sich zeitig über seine Finanzen Gedanken machen 2. Nur Geld in Angeboten anlegen, die man versteht 3. Nie was verkaufen lassen, immer aktiv kaufen. 4. An die Inflation denken Thema: Sparen Erstmal: Ich habe noch das Konto, das ich mit 14 bekommen habe, in einer kleinen Filialbank an einem Ort, an dem ich kaum mehr bin. Sollte ich da was ändern? Nun, Sie sollten sicherstellen, dass dieses Konto auf jeden Fall kostenlos ist. Und es gäbe natürlich auch Girokonten, bei denen das Guthaben sogar verzinst wird. Wichtig ist darüber hinaus eigentlich nur, dass es genug Geldautomaten zum kostenlosen Abheben gibt. Man braucht keine Filiale für seine Bankgeschäfte und kann ruhig ein Girokonto bei einer Bank im Internet führen. Wenn man eine Beratung für Anlagegeschäfte braucht, ist der persönliche Ansprechpartner in der Bank auch nur selten ein Vorteil, die Banker beraten nämlich gerne im eigenen Interesse. Okay, ich jobbe jetzt also und kann ein bisschen Geld im Monat sparen, wohin damit? Sie sollten erstmal etwas Geld zurücklegen und nicht gleich jeden Cent in eine Geldanlage stecken. Man braucht eine Rücklage für einen Urlaub oder ein Auto oder so etwas, damit man, wenn solche Anschaffungen anstehen, nicht gleich einen Kredit aufnehmen muss. Diese Rücklage sollte durchaus auf 5.000 bis 10.000 Euro ausgebaut werden. Dann erst kann man an richtiges Sparen denken. Diese „Flüssig“-Summe parken Sie am besten auf einem Tagesgeldkonto mit guten Zinsen, das bedeutet: derzeit nicht unter 3,5 Prozent. Jetzt habe ich von meiner Oma 8.000 Euro geerbt und möchte davon kein Auto kaufen, sondern richtig sparen. Wie? Am besten in eine übersichtliche Mischung von Investmentfonds anlegen. Das heißt, sich einen Sparkorb zusammenstellen aus Rentenfonds, Mischfonds und zu kleinerem Teil Aktienfonds. Übersicht verschafft man sich dafür in einer Finanzzeitschrift, da gibt es Listen, in denen die gut geführten Fonds aufgezeichnet sind – die kann man dann ruhig auch nehmen. Das gute an den Fonds ist, dass sich jeweils Fondsmanager, also Profis, darum kümmern und man nicht weiter drüber nachdenken muss. Leider gibt es bei den Fondsmanagern auch Nieten, wie überall. Wenn man sich um seine Fonds ganz wenig kümmern möchte, nimmt man kostengünstige Indexaktienfonds und Indexrentenfonds. Wie funktioniert das noch mal mit Fondssparplänen? Ein Fonds ist ein Topf, der mit verschiedenen Wertpapieren, zum Beispiel Aktien bestückt ist. Wenn sie monatlich 100 Euro in den Fonds einzahlen, kaufen sie damit jeden Monat ein Stückchen von diesem Topf. In schlechten Zeiten, bei sinkenden Kursen, sind diese Anteile weniger wert und sie kriegen für ihre 100 Euro pro Monat mehr Anteile vom Topf. Wenn die Kurse wieder steigen und die Anteile teurer werden, profitieren sie davon, dass sie in billigeren Zeiten mehr davon in ihre Höhle schleppen konnten. Ich lese aber nie den Wirtschaftsteil. Wie sehr muss ich mich für solche Sachen interessieren, wenn ich Geld in Fonds anlege? Sie müssen nicht den Wirtschafteil lesen. Einmal gute Fonds aussuchen und dann liegen lassen und sich nicht mehr drum kümmern; einmal im Jahr vielleicht schauen, ob diese Fonds noch als top-gemanagt eingeschätzt werden. Meine Mutter redet immer vom Bausparen. Was ist das noch mal? Wer unter 25.600 Euro zu versteuerndes Einkommen im Jahr hat, der ist gut bedient wenn er 500 Euro im Jahr in einen Bausparvertrag einzahlt, denn er bekommt Bausparprämie und damit bis knapp fünf Prozent Rendite. Gleiches gilt für einen Arbeitnehmer mit zu versteuerndem Einkommen unter 17.900 Euro im Jahr, der kann die so genannte Arbeitnehmersparzulage beantragen. Für alle anderen rentiert sich derzeit das Bausparen nicht. Die Tarife sind einfach nicht lohnenswert. Auch zum Immobilienerwerb ist Bausparen eher nicht geeignet, auch wenn die Bausparkassen das anders sehen. Hier wäre wieder ein normal gutverzinster Sparplan besser - und für die Finanzierung ein normales Bankdarlehen. Übrigens: Man muss mit einem Bausparvertrag kein Haus bauen und auch keinen Bau-Kredit aufnehmen, das ist einfach eine Kapitalanlageform. Das Wort "Bundesschatzbriefe" sagt meine Mutter auch oft. Bundesschatzbriefe sind manchmal nicht so schlecht, als konservative Geldanlage. Man kann sie in kleinen Stücken kaufen und auch die Verwahrung ist kostenlos - sofern wenn man sie direkt bei der Bundesfinanzagentur kauft. Bloß nicht bei der Hausbank! Es gibt aber auch hier wieder neue Sparangebote, die besser sind. Aber Zinsen vergleichen kann man ja mal. Allgemein gilt beim Sparen: Je früher man anfängt, umso billiger wird das Sparen durch den Zinseszinseffekt. Der noch mal was bedeutet? Na, Sie kriegen für hundert Euro bei einem Zinssatz von vier Prozent am Ende des Jahres 104 Euro. Im darauf folgenden Jahr werden bereits 104 Euro verzinst. Klingt wenig, ist aber eine exponentielle Steigerung, die umso eindrucksvoller wird, je länger man spart. Liste 2: Sachen, für die man einen Kredit aufnehmen darf 1. Ausbildung 2. Erwerb einer Immobilie, aber mit 30 % Eigenkapitalquote Ich habe wohl etwa 10.000 Euro Bafög-Schulden. Muss ich mir darüber sehr große Sorgen machen? Wenn man dieses Geld brauchte, ging es ja nicht anders und es war statthaft, diesen Kredit aufzunehmen. Man muss das als ein Investment betrachten: Ich stecke Geld in mein Humanwissen, aus dem ich ja mal wieder viel Geld verdienen möchte. Bei unverzinsten Bafög-Schulden könnte es interessant sein, diese gegen Nachlass vorzeitig zu tilgen. Klappt aber nur, wenn man das Geld dafür hat, die 8.000 Euro von der Oma etwa. Bei den verzinsten Bafög-Schulden steht die Tilgung dieser Last vor einer neuen Geldanlage. Auf der nächsten Seite: Rente und Vorsorge, und wieviel man als alter Zausel eigentlich braucht.


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Thema: Rente Ich arbeite, ganz im Sinne der digitalen Bohéme, selbstständig. Worauf muss ich bei der Vorsorge achten? Riester-Rente können Selbstständige nicht nutzen, für Riester muss man in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sein. Oft wird Selbstständigen deswegen eine sogenannte Rürup-Rente angeboten, das lohnt sich aber eher für den älteren Superverdiener. Allgemein gilt: Selbstständige haben ein unregelmäßiges Einkommen, die müssen auf eine flexible Geldanlage achten - wenn sie mal nicht zahlen können, werden sie durch starre Anlagepläne bestraft. Deshalb ist es gut, wenn die sich an Investmentanlagen halten. Nur mal ganz klar gestellt: Wenn ich selbstständig bin, kümmert sich niemand um meine Rente? Niemand als Sie selber. Gut. Vielleicht werde ich bald festangestellt, was ist dann? Alles super? Nein. Wenn Sie, auch schon als Azubi, in eine gesetzliche Rente zahlen, sollten Sie dazu möglichst früh in einen Riesterfondssparplan einzahlen. Riester brauchen Sie als Ergänzung, denn die gesetzliche Rente ist später zu wenig. Beim Riesterfondssparplan gibt es eine Wertgarantie, so dass also nie ein totaler Verlust entstehen kann. Und je länger Sie darein einzahlen, desto profitabler für Sie. Wieviel brauche ich als alter Mann eigentlich? Sie könnten ein Haushaltsbuch zu führen, um zu sehen, wie viel Sie jetzt verbrauchen. Dann überlegen: Wie viel will ich im Alter? Und das versetzt man dann mit der Inflationwirkung bis dahin und stellt sich danach ein Sparziel. Wir rechnen so: Wenn Sie später eine lebenslange Monatsrente von 1.000 Euro haben wollen, brauchen Sie dafür 250.000 Euro Kapital. Anderer Plan: Ich erbe mal die Wohnung meiner Eltern. Reicht das nicht als Altersvorsorge? Man sollte sich nicht blind darauf verlassen, die Tendenz spricht zwar dafür, dass man in so einem Fall weniger Probleme im Alter hat. Man darf aber nicht vergessen: Die Ausgaben, die man sich so vorstellt im Rentenalter, werden viel teurer sein, durch die Inflation. Wer heute mit 2.000 Euro im Monat auskommt, würde in 30 Jahren schon 4.000 Euro brauchen – für den gleichen Lebensstandard. Da muss man sich überlegen, ob die geerbte Wohnung das hergibt. Alle andere müssen natürlich auch an die Inflation denken. Jetzt sage ich: Ich werde ja vielleicht gar nicht so alt, schade um das Geld, ich lebe lieber jetzt gut und kümmere mich nicht ums Später. Jede derartige Philosophie ist erlaubt und wer das macht, darf nur nicht heulen, wenn er im Rentenalter von Sozialhilfe lebt. Aber ich denke: Man verdient sein Geld nicht nur für heute. Die Verhältnisse sind nun mal so, dass man später nicht mal die Basisversorgung mit der gesetzlichen Rente abdecken kann. Und zum Stichwort „Vielleicht lebe ich gar nicht so lange“: Man muss sagen, dass diejenigen, die gesundheitlich den Ausstieg aus dem Erwerbsleben schaffen, also zwischen 66 und 68 Jahren nicht sterben, steinalt werden. Die Lebenserwartung ist enorm, und wer dann 25 Prozent seines Lebens mit Sozialhilfe bestreiten möchte, bitte. Allerdings wird man damit vermutlich nicht so alt. Was sind Vorsorge-Fehler, die Sie bei den meisten Menschen beobachten? Viele haben sich eigentlich keine Gedanken gemacht, wie man das kalkuliert. Die denken, 50 Euro monatlich müssen schon reichen. Tut es aber nicht, Altersvorsorge entweder ganz oder … gar nicht möchte ich nicht sagen. Andere verwechseln Alterssparen mit Versicherungsvorsorge, die sagen: Mir wurden mit Renten- und Lebensversicherungen vom Vertreter damals 300 000 Euro versprochen und jetzt habe ich nur 120 000 Euro rausgekriegt. Bitte merken: Vorsorge hat nichts mit Versicherungen zu tun, sondern mit der Geldanlage! Auf der nächste Seite: Versicherungen die man braucht, und solche, die unnötig sind.


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Illustration: Julia Schubert

Thema: Versicherungen Liste 3: Die wichtigen Versicherungen 1. Glasklar: Krankenversicherung, dazu vielleicht noch Auslandreisekrankenversicherung 2. Privathaftpflicht und Berufsunfähigkeit - beide unbedingt nötig 3. Risikolebensversicherung, wenn für andere gesorgt wird 4. Unfallversicherung für Kinder, wenn welche da sind 5. Gebäudeversicherung, wer ein Haus hat Später vielleicht: 1.Verkehrsrechtschutz, Schadensersatzrechtschutz und Arbeitsrechtschutz 2. Hausratsversicherung Beim Auto: 1. Neues Auto, bis drei Jahre alt: Vollkasko 2. Auto, bis acht Jahre alt: Teilkasko Ziemlich lange ist man ja bei den Eltern mitversichert, wann und womit fängt man versicherungstechnisch an, auf eigenen Beinen zu stehen? Man fängt noch vor der Altersvorsorge an, denn die funktioniert erst, wenn auch etwas mehr Geld zum Anlegen da ist. Wenn man jung ist, ist das Höchste was man hat, die Qualifikation. Die sollte man erstmal verteidigen, damit verteidigt man seine Fähigkeit, später Geld zu verdienen. Also sollte man sich das unbedingt zuerst versichern: Berufsunfähigkeit und Privathaftpflicht. Berufsunfähigkeitsversicherung tut weh, weil da monatlich ein ganz schöner Batzen weggeht - und für immer weg ist. Man darf bei der Berufsunfähigkeitsversicherung aber nicht knauserig sein, weil man im Falle der Berufsunfähigkeit ja davon leben muss. Man versichert damit den Schatz seiner Arbeitskraft. Wenn Sie also jetzt noch 40 Jahre arbeiten müssen und 2000 Euro im Monat verdienen, schützen Sie mit dieser Versicherung einen Schatz von einer Million Euro. Die Leute versichern aber lieber ihr Reisegepäck als diese Million. Ja, weil alle denken wie ich: Ich arbeite nicht auf der Baustelle, ich säge mir doch nicht den Finger ab. Ach wissen Sie, zu uns kommen gerade viele Menschen mit Schreibtischberufen, die nicht mehr arbeiten können, wegen BurnOut-Syndromen, Konzentrationsschwächen, Depressionen und solchen Sachen, an die man überhaupt nicht denkt. Das wird heute auch als Berufsunfähigkeitsgrund anerkannt und ist ja gerade in ihrem Beruf häufig. Okay, verstanden. Was noch? Risikolebensversicherungen sind wichtig für Hinterbliebene, wenn man Alleinversorger einer Familie oder Partnerschaft ist. Wenn Sie sterben, kriegt ihre Freundin oder ihr Kind sofort eine hohe Summe. Und dabei können Sie ruhig die günstigste für sechs bis acht Euro im Monat nehmen. Liste 4: Versicherungen, die man nicht braucht 1. Reisegepäckversicherungen 2. Glasversicherung 3. Insassenunfallversicherung 4. Fahrerschutzversicherung 5. Garantieversicherung

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