Was muss ich über die Ramones wissen, Florian Hayler?

Vielleicht waren sie die hässlichste Band aller Zeiten. Und von musikalischem Talent wollen wir gar nicht erst anfangen. Trotzdem gibt es seit heute in Berlin ein Ramones-Museum.
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Florian, wer waren die Ramones? Ohne die Ramones gäbe es nicht nur Punk-, sondern auch ganz viele andere Bands nicht. Angefangen natürlich bei den Sex Pistols, die ja allgemein als der Inbegriff des Punk gelten, dann The Clash, aber auch Green day, Die Toten Hosen oder Die Ärzte. Ohne die Ramones gäbe es die alle nicht, weil die mit ihrer Musik gezeigt haben, dass man keine virtuosen Musiker für eine coole Band braucht. Wann hast du selbst zu den Ramones gefunden - und was bedeuten sie für dich? Die Band war für mich in der Pubertät wichtig. In einer Zeit, in der man sich selbst entdeckt und in der man herausfindet, was man gut und was man schlecht findet. Die Ramones haben mein musikalisches Interesse generell geweckt. Sie waren für mich auch der Grund, dass ich gesagt habe: Musik interessiert mich mehr, als sie nur so nebenbei zu konsumieren. Ich habe mich dann mit der Band beschäftigt, sehr oft deren Platten gehört und sehr oft ihre Konzerte gesehen.

Florian Hayler säubert das Plakat vom letzten Ramones-Konzert Müssen diejenigen, die sich heute aus Modegründen ein Ramones-T-Shirt kaufen, unbedingt wissen, wen sie da vorne drauf haben? Wenn irgendwas Mode wird, gibt es immer ein paar Leute, die sich intensiver damit beschäftigen und dann vielleicht auch etwas entdecken, was sie – außer dem modischen Aspekt –, total super finden. Es ist von daher ein ganz gutes Trojanisches Pferd, auf diese Art die Leute auf Bands wie Motörhead, The Clash oder eben die Ramones, von denen es ja auch T-Shirts bei H&M zu kaufen gibt, aufmerksam zu machen. Weil das auf jeden Fall was Gutes ist. Das sind ja keine Kackbands oder welche mit verwerflichen Idealen. Und wenn es jemand nur trägt, weil es schön aussieht – auch super! Die Welt kann gar nicht genug Ramones-T-Shirts und Stretchhosen oder was auch immer verkauft wird haben. Dieser Stil ist zeitlos, und du siehst damit immer cool aus. Was macht einen richtigen Punker aus? Sagen wir mal so: Der Klischee-Punker mit einem Hund, einem Iro und einer Bierflasche in der Hand, ist für mich kein Punker, sondern ein armer Mensch, der mir wirklich leid tut und dem elementare Sachen im Leben fehlen. Für mich ist jeder ein Punker – unabhängig davon wie er aussieht –, wenn er etwas macht, was halbwegs individuell ist. Wenn er seinen eigenen Stiefel findet, und den durchzieht, auch abseits der Norm und dem, was Eltern oder Lehrer sagen. Wenn er sich darauf konzentriert, was er selbst gut findet, und nicht auf das, was jemand anderes sagt. Das alles zahlt sich auf lange Zeit aus, weil es deinen Charakter und deine Persönlichkeit formt. Du bist dann nicht ein Fisch, der im Aquarium einfach so mitschwimmt. Im besten Fall bringt dir das auch eine Menge Selbstvertrauen. Hast du beim Aufbau des Ramones-Museums in Berlin eine Notwendigkeit darin gesehen? Brauchte es diese Gedenkstätte? Nein, natürlich nicht. Es braucht keine Ramones-Gedenkstätte. Es gibt Milliarden von Sammlern, die Briefmarken oder Märklin-Eisenbahnen sammeln. Jeder von denen könnte ein Museum aufmachen und sagen: Ich habe hier so viel Plunder, das würde ich gerne mal den anderen Leuten zeigen, die das gleiche Interesse haben. Die Welt könnte theoretisch auch noch viel mehr Ramones-Museen habe, weil ich ganz viele Sammler kenne, die mindestens genauso viel Scheiße in ihrer Garage stehen haben, wie ich. Ich habe damals versucht, es mal sinnvoll zu strukturieren, so dass es am Ende auch für die interessant sein kann, die nicht nur die Ramones gut finden. Das ist mir im ersten Museum nicht so gut gelungen. Jetzt in den neuen Räumen versuche ich das ein bisschen weiter zu fassen und auch andere Bands und gesellschaftliche und politische Strömungen zu beleuchten. Die Sex Pistols, Blondie und die Heartbreakers, also die frühen Protagonisten des Punk, spielen dabei eine Rolle.

Wo hast du die ganzen Sachen her? Der Bodensatz dessen, was in dem Museum ist, ist das, was ich aus der aktiven Zeit der Band mitgebracht habe. Als die Ramones sich dann Richtung Auflösung bewegten, so etwa 1995/96, wurde das ja oft thematisiert: Welche Sachen könnte man als Fan noch abstauben? Dann hat man zuerst bei der Band angefragt: Was kostet denn deine Gitarre? Und deine Lederjacke? Ich habe damals 100 Mark in ein Poster von Elvis Presley investiert, weil Johnny Ramone (†2004, Ramones-Gitarrist; Anm. des Verfassers) sein Leben lang Elvis-Poster gesammelt hat. Und das Poster habe ich dann gegen eine Hose von ihm getauscht. Also konnte ich sagen, ich habe was in meiner Sammlung, das man käuflich nicht erwerben kann. Ich habe viele Sachen von Johnny oder C.J. (Ramones-Bassist) persönlich gekriegt. Viele Exponate bekomme ich auch bis heute noch von Leuten aus dem engsten Umfeld der Band. Und zur Eröffnung des Museums wird ja nicht zuletzt Arturo Vega erscheinen, der langjährige Ramones-Mitarbeiter und Designer des berühmten Logos der Band. Früher war das Museum in Berlin-Kreuzberg, jetzt ist es im Touri-Paradies Berlin-Mitte. Wie kam es zu diesem Umzug? Der Kreuzberger geht nicht ins Ramones-Museum – es sei denn, er bekommt Besuch und hat damit einen Anlass, mal hinzugehen. Das Museum war schon immer ein Touristen-Magnet. Deswegen wusste ich, wenn ich das Museum noch mal neu aufmache, dann muss es a) ein bisschen größer sein, und b) auch in einer touristisch erschlosseneren Gegend. Ich wollte auch unbedingt noch ein Café dabei haben, damit man die Chance hat, sich auch einfach mal hinzusetzen und zu verweilen. Das ist jetzt das „Café Mania“, natürlich auch mit Ramones-Bezug. Wir werden auch Gastausstellungen haben, T-Shirt- oder Fotoausstellungen zum Beispiel. Es gibt es ja genügend Möglichkeiten, im Musikkontext auch noch Exponate von anderen Sammlern auszustellen. Und so sah das damals aus, "I wanna be sedated" (1979):

Das neue Ramones-Museum eröffnet am 8.10., 17-20 Uhr in der Krausnickstr. 23, Berlin-Mitte.

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