Erotische Feuerwerke oder: jetzt.de fragt nach dem Web-Moment des Jahres

Wer im Netz mailt, postet und surft erlebt mitunter Katastrophen, Wundersames und Wunderbares. Wir haben in einem Münchener Internet-Café nachgefragt: Was tust Du im Netz? Hattest Du einen besonderen Web-Moment? Die durchwachsene Bild-Qualität ist, entschuldigt, der maladen Redaktions-Kamera geschuldet. Und was war dein eigener Webmoment? Im Supersachen-Forum auf jetzt.de kannst du ihn aufschreiben.
stefan-biro

[b]Steven, 23, Auszubildender zum Visagisten und Kosmetiker[/b] In der Mittagspause oder nach der Arbeit verziehe ich mich gerne für eine Stunde ins Cybercafé. Ich bin erst seit einem Monat in München, daher fällt es mir extrem schwer, mit Leuten in Kontakt zu kommen. Ein Glück, dass es das Internet gibt. Auf www.knuddels.de suche ich Leute für gemeinsame Freizeitaktivitäten - meiner Freundin ist das egal, mir geht´s ja auch nicht um Sex dort. Mein Nick in der Community ist „underworld23“, also schreibt mich ruhig an.

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Illustration: Julia Schubert

[b]Mein Web-Moment 2006:[/b] „Hi wie geht’s, wo kommst du her?“, so habe ich Susy angeschrieben, eine Userin aus Reutlingen. Am Samstag werden wir uns treffen. Ich glaube das kann eine dicke Freundschaft werden.


[b]Isolde, 28, arbeitet für ein japanisches Modelabel[/b] Ich besuche gerade meine Eltern hier in München. Sonst lebe ich in Tokio. Was Mode anbelangt, ist uns Japan mindestens zwei Jahre voraus, ansonsten sind es genau acht Stunden. Wenn ich also mit meinen Eltern oder mit meinen Freunden in Berlin telefoniere, muss ich die Zeitverschiebung mit einrechnen. Ich telefoniere fast nur mit Skype, das ist ein wahrer Segen für mich.

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[b]Mein Web-Moment 2006:[/b] Im September hat mir mein Freund Alex aus Berlin – er ist dort Techno-DJ – beim skypen offenbart, dass er künftig auch in Tokio leben wolle. Gut, ich habe ihn vorher auch lange genug bearbeitet. Alex ist dann zweimal vorbeigekommen, aber auf Dauer wollte er nicht bleiben. Angeblich wegen der japanischen Papierwände, denn die sind für Musiker ziemlich unpraktisch.


[b]Alex, 22, Informatikstudent an der Münchener Uni[/b] Daheim am Notebook zieh ich mir Skripte und Übungsblätter von der Uni runter. Die Professoren stellen das Zeug ja inzwischen nur noch online. Wenn ich im Cybercafé bin, mache ich aber auch viel unsinnigen Mist, Pokern zum Beispiel und andere Games.

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[b]Mein Web-Moment 2006:[/b] Ich habe die Homepage von S-Clusive gestaltet, das ist eine Münchner HipHop-Combo, vier Kumpels von mir. Die machen genau meinen Sound. Endlich mal konnte ich mein Webdesign-Knowhow für eine fette Sache einbringen. Ich habe das umsonst gemacht, später möchte ich aber mit Webdesign ordentlich Kohle verdienen.


[b]Klaus, 21, zurzeit arbeitslos[/b] Wenn ich online bin, dann zocke ich eigentlich immer Counterstrike. In den nächsten Tagen bekomme ich daheim hoffentlich meinen Telefonboxanschluss mit Flatrate. Dann muss ich nicht mehr ins Cybercafé. Es ist Tausend mal cooler, PC-Spiele online zu spielen, weil ich meine Gegner nicht sehen will - sonst unterhalte ich mich doch bloß, und das lenkt ab. Beim Counterstrike bin ich fast immer im Minus, ich werde also mehr getötet als dass ich selbst töte. Man kann sagen, ich bin kein besonders guter Spieler, ich gehe aber auch immer auf die Server, wo die richtig guten Spieler sind.

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[b]Mein Web-Moment 2006:[/b] Irgendwann im Juni habe ich mit einer superschnellen DSL-Verbindung gegen Freunde mit mieser Verbindung gezockt, da war ich plötzlich 15 im Plus. Aber danach ging´s nur noch bergab.


[b]Marina, 25, Brezenverkäuferin[/b] Ich checke das Internet eigentlich nur für Emails und für Chats bei den Lokalisten. Sonst schau ich mir ganz gerne Partyfotos an - da sehe ich aber manchmal unglaublich fertig drauf aus. Mit meiner Clique hänge ich viel im Apartment 11 ab, das ist ein Club in der Münchner Kultfabrik. Die stellen die besten Partypics sofort auf ihre Homepage.

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[b]Mein Web-Moment 2006:[/b] Vor einem Monat ist mein Freund mit vier, fünf Kumpels ohne mich da hin. Als ich ein paar Tage später auf die Homepage geschaut habe, war da ein Foto, auf dem er eine blonde Tussi bei der Brust packt. Endlich ein Grund, den Typen rauszuschmeißen.


[b]Caroline, 42, Mentalcoach für Prominente[/b] Ich brauche das Internet, um Connections zu neuen Kunden herzustellen, ob das jetzt Stoiber ist, oder irgendwelche Schauspieler.

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[b]Mein Web-Moment 2006:[/b] Eine fehlgeleitete Email von Peter, einem Biker aus Limburg. Die Mail galt eigentlich meinem Sohn. Es war eine Einladung zu einer von Peters Motorradshows. Ich habe trotzdem geantwortet. Wir haben uns weitere drei Emails geschickt, einmal telefoniert, dann fragte er mich, ob ich mit ihm nach Ibiza fliegen wolle. Erst habe ich gezögert, aber als ich sein Foto gesehen habe, konnte ich nur ja sagen. Es folgten 385 Stunden perfekte Harmonie, das längste Date aller Zeiten, keine Sekunde Langeweile, 1.000 Themen und dazu ein erotisches Feuerwerk, das bis heute nicht zu Ende ist.


[b]David, 40, und Ambra, 34, Volkswagen-Zubehörhändler in Florida[/b] Ambra ist mein Girlfriend, bei einer VW-Werbeshow hat es klick gemacht. Wir sind beide total mit dem Volkswagenvirus infiziert, seit meiner Kindheit gibt es für mich nur VW. Das Internet benutze ich eigentlich nur, um billige Ersatzteile zu kaufen. Am besten geht das über thesamba.com, da findest du alles, auch rare Teile, die heute gar nicht mehr hergestellt werden.

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[b]Unser Web-Moment 2006:[/b] Ein irrer Ersatzteile-Deal im September. Für einen Käfer 1303 haben wir Bremslichter erworben, eines für rechts und eines für links, gezahlt haben wir knapp 15 Dollar. Ein unbeschreiblicher Glücksmoment. Diese Teile sind dermaßen schwer zu bekommen, das glaubst du gar nicht.

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