Helfen im Netz: Wie helpedia im Internet Gutes tun will

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Vielleicht hat Basti heute geholfen, ein Krankenhaus zu bauen. Vielleicht hat er einem Kind die Möglichkeit gegeben, zur Schule zu gehen. Vielleicht hat er einen politischen Verfolgten befreit. Vielleicht. Die Folgen seiner Arbeit sind ihm unbekannt. Und trotzdem fühlt er sich gut, wenn er abends im Bett liegt. „Das, was ich tue, ist sehr abstrakt“, sagt er. „Aber es muss ja nicht jeder einen Brunnen in Afrika graben.“

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Illustration: Julia Schubert

Irgendwo zwischen Börsenmakler und Weltverbesserer: Helpedia-Gründer Sebastian Schwiecker, Foto: helpedia.de Basti hilft nicht persönlich. Er macht es aber möglich, dass Helfer und Hilfsbedürftige zueinander finden. Sebastian Schwiecker, genannt Basti, ist 28 Jahre alt, Diplom-Volkswirt und einer der Gründer von helpedia.org - einem Internetportal, das Menschen, die sich engagieren wollen, mit passenden Organisationen zusammen bringt. Suchende können in diesem Portal das Land, das Ort und den Tätigkeitsbereich eingeben, in denen sie helfen wollen, z.B. Bildung, Gesundheit, Kultur oder Migration. Ein Klick, und die Suchmaschine spuckt Organisationen aus, die den gewünschten Kriterien entsprechen. Außerdem hat helpedia.de einen Veranstaltungskalender, eine Jobbörse für ehrenamtliche Tätigkeiten und Praktika und eine Rubrik für Spenden. Seine Arbeit findet Basti nicht weniger wichtig als Hilfe vor Ort: „Ein Drittel aller Deutschen engagieren sich in Vereinen“, erzählt er. Ein weiteres Drittel sei grundsätzlich bereit, ehrenamtlich zu helfen. Nur: Ihnen fehle es an Information. Wie schwierig es ist, die passende Organisation zu finden, wurde Basti erst durch eine Wette mit seinem Bruder bewusst. Dieser unterstützte aus Prinzip keine wohltätige Projekte und war nur unter einer Bedingung bereit, sich zu engagieren: Wenn Basti ihm sofort einen Verein in seiner Umgebung zeige, der benachteiligten Kindern hilft. Leichtes Spiel, dachte Basti. Doch wider Erwarten ließ ihn das Internet im Stich. Amerikaner konnten in Portalen wie networkforgood.org oder volunteermatch.org Vereine nach Region und Interessengebiet suchen. In Deutschland gab es so etwas in dieser Form nicht. Die Seiten waren zu regional, zu unvollständig oder funktionierten nicht richtig. [b] Erfolge und Geldsorgen [/b] Mit Helpedia würde Basti die Wette gegen seinen Bruder gewinnen. Seit dem Sommer 2007 arbeitet er gemeinsam mit fünf Freunden an der Seite. Anfang März ging die Beta-Version online, sie hat inzwischen 1500 Vereinseinträge. Die meisten trug das Team ein, nur knapp hundert Vereine meldeten sich selbst an. Später solle helpedia aber zum Selbstläufer werden – die Macher könnten schließlich nicht alle 200.000 Organisationen per Hand eingeben. Außerdem muss die Seite auch bald Geld bringen: Da helpedia rund um die Uhr Betreuung braucht, muss Basti als einziger hauptamtlicher Mitarbeiter von 10 bis 22 Uhr arbeiten – unentgeltlich. Die restlichen fünf Mitglieder kommen nur paar Mal in der Woche. Sie studieren oder verdienen nebenher Geld. Basti lebt allein von den Vorräten, die er in der Zeit nach dem Studium zur Seite legte. Bis Ende 2008 wird es noch reichen, dann kann er seine Miete nicht mehr bezahlen. Was seine Eltern dazu sagen? „Meine Mutter ist begeistert. Solange ich nicht aus Geldmangel wieder bei ihr einziehe.“ Wie helpedia Gewinne einbringen soll, ist noch unklar. Auf keinen Fall will das Team Gebühren von Organisationen verlangen – die haben selbst zu wenig Geld. Von Kleinspendern dürfen sie sich aber auch nichts versprechen: „Helpedia ist nun mal nichts Emotionales“, sagt Basti. „Keine hungernden Kinder, oder so was. Das bewegt nicht.“ Die Hoffnung liegt auf größeren Sponsoren. In der vergangenen Woche wurde schon die die erste Spende zugesagt. Das Leben in Ungewissheit nimmt Basti in Kauf: Es ist der Preis für die Selbstbestimmung. Ihm war schon länger bewusst, dass er sich selbstständig machen will. „Früher wollte ich entweder Börsenmakler oder Weltverbesserer werden“, sagt er. Mit 24, nach einem Praktikum bei der Grameen-Bank, wurde ihm klar, dass er den zweiten Weg einschlagen wird. Nach Gutmenschentum sehe seine Arbeit zwar nicht aus. Vielmehr erinnere sie an die Anfangsphase eines Internet-Startups. „Aber darauf kommt es nicht an“, sagt Basti. Jeder kann am besten dort helfen, wo seine Stärken liegen.

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