Interview mit dem österreichischen Web 2.0-Visionär Roman Scharf

Roman Scharf ist noch nicht lange im Geschäft, aber bereits ein gemachter Mann. Zusammen mit seinem Partner Daniel Mattes hat der 35-jährige Österreicher die Telefon-Startup-Firma „Jajah“ gegründet. Die Geschäftsidee: die Internet-Telefonie (VoIP) vom PC zu befreien und raus auf die Straße zu bringen. Jajah könnte den Telefonmarkt revolutionieren. Bei der Firmengründung haben die beiden Jung-Unternehmer stark vom neuen Internet-Goldfieber profitiert. Mittlerweile arbeiten Scharf und Mattes im Silicon Valley in den gleichen Büros, in denen vor einigen Jahren auch die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page saßen. Mit jetzt.de sprach Roman Scharf über Businesspläne, gefällige Geldgeber und das Leben im Silicon Valley.
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[b]Roman, ihr werdet als erstes europäisches Unternehmen von der Risikokapital-Gesellschaft Sequioa unterstützt, die auch Google, Apple und YouTube beim Start geholfen hat. Wie konntet ihr die Herrscher des Silicon Valleys von Eurer Geschäftsidee überzeugen?[/b] Das ging überraschend einfach. Die Leute von Sequoia sind sofort auf die Idee abgefahren, VoIP massenmarktfähig zu machen. Wir hatten gewaltigen Respekt und hatten unseren Bewerbungsvortrag bis ins letzte Detail vorbereitet: mit Businessplan und Powerpoint-Präsentation. Aber die wollten von all dem nichts hören. Die wollten keinen Businessplan lesen, weil das für die ja nur Papier ist, und Papier ist geduldig, und die wollten auch keine Powerpoint-Präsentation sehen. Wir sollten einfach nur in unseren eigenen Worten sagen: Wer sind wir, was tun wir und wo wollen wir hin.

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Illustration: Julia Schubert

Mit den Millionen aus dem Silicon Valley zieht es Roman Scharf auch auf den deutschen Handymarkt [b]Hat euch das aus dem Konzept gebracht?[/b] Zuerst waren wir schon etwas aufgebracht, weil einen das ja aggressiv macht, wenn der Businessplan, an dem man monatelang gearbeitet hat, einfach zur Seite geschoben wird. Ich bin dann irgendwann aufgesprungen und habe einen Monolog gehalten. Erst 30 Minuten, dann 40 Minuten. Daraus wurde dann eine mehrstündige Diskussion. Und plötzlich waren wir mitten in einem Workshop. Es saßen nicht mehr Geldgeber und Anfänger an einem Tisch, sondern ein gemeinsames Team. Als wir damals auseinander gegangen sind, war eigentlich allen Beteiligten klar, dass das eine gute Sache wird. Darum hatten wir auch 21 Tage später alles in trockenen Tüchern. Das muss man sich mal vorstellen: 21 Tage nach dem Erstmeeting hatten wir die Verträge unterschrieben und das Geld war auf dem Konto. [b]Euer erstes Geschäftsjahr war ziemlich erfolgreich. Wie hat sich dadurch deine Verhandlungsposition gegenüber den Kapitalgebern verändert?[/b] Als mir klar wurde, wie viele Kapitalgeber Interesse hatten, als Partner bei uns einzusteigen, haben wir sie einfach aufmarschieren lassen und sozusagen gecastet. Das heißt, wir haben die Spielregeln umgedreht. Wir haben niemandem etwas über Jajah gezeigt. Die sind auf uns zugekommen und haben sich präsentiert. Wir haben uns deren Erfolgsgeschichten angehört, bekamen Telefonnummern von Vorstandsvorsitzenden zugesteckt. Die haben sich sozusagen bei uns beworben, wie man sich normal als Unternehmen für Venture Capital bewirbt. Das war etwas grotesk, aber lustig. Am Ende haben wir dann die Leute ausgesucht, bei denen die Mischung aus zwischenmenschlicher Chemie, den Vibrations und dem Wissen über den Markt am besten gepasst hat. [b]Ist es denn wichtig, ob man sich mit dem Investor persönlich versteht?[/b] Das ist schon sehr wichtig, weil Risikokapitalgeber ja auch immer strategische Partner sind. Bei Sequoia zum Beispiel sitzen zehn Leute im Vorstand, und wenn du da auch nur mit einem von denen nicht klar kommst, ist das ein extremer Nachteil. [b]Wie sehr dominiert deine Firma gerade dein Leben?[/b] Momentan bleibt kaum Zeit für andere Dinge, aber ich versuche schon, das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten: mit Vinothek, gutem Essen oder indem ich mal ans Meer fahre. [b]Du arbeitest die meiste Zeit im Silicon Valley, dem Zentrum des Web 2.0-Hypes. Hast du noch viel Zeit für deine Familie und die Heimat in Wien?[/b] Wir sehen uns ziemlich häufig. Ich bin zwar oft im Valley, aber ich glaube, die meiste Zeit verbringe ich im Flugzeug. Auf unserer To-Do-Liste für Februar steht ein gemeinsamer Skiurlaub. Da ist dann auch mein Jajah-Partner dabei samt Familie. Yair Goldfinger, den Gründer von ICQ, nehmen wir auch noch mit, so können wir in der Skihütte die eine oder andere Brainstorming-Session abziehen. Wir haben ja genug neue Web 2.0-Ideen für Jajah, aber bisher sind es nur Ideen. Vielleicht hilft uns ja die Bergluft etwas auf die Sprünge. [i]Foto: jajah.com[/i]

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