Was macht die Jugend der Welt?

Auch anderswo sind Menschen jung. Was sie daraus machen, steht jede Woche in unserer Umschau.
max-scharnigg

Schlampigkeit ist der Jugend falscher Freund. Das gilt besonders für die sprichwörtlich gründlichen Schweizer, wenn sie im Ausland unterwegs sind. Vier eidgenössische Jugendliche wollten sich beim Apres-Ski in Tirol einen Lenz machen und ließen dabei versehentlich einen Joint unter dem Tisch des Lokals liegen. Eine Tiroler Kellnerin meldete den Fund pflichtgemäß und die Gendarmerie rückte mitsamt Drogenhund „Balko“ an, der das bekiffte Schweizer Kleeblatt bald ausfindig machte und ordentlich verbellte. Etwas couragierter gehen die niederländischen Behörden ein Haschisch-Problem an: Von der Stadt Amsterdam aufgestellte Schilder die haschischfreie Zonen anzeigen, sind über Nacht zum begehrten Sammelobjekt von Jugendlichen geworden, das berichten die Aichacher Nachrichten. Aber ruft die Stadt wegen des Schilddiebstahls gleich beim Drogenhund an, wie die verspannten Tiroler? Nein, lieber verscherbelt sie die Kiff-Devotionalien gleich ganz offiziell für 90 Euro und saniert sich. An solch ökonomischer Denke können sich die Schüler der Klasse HH1 der Berufsbildenden Schulen in Lüneburg ein Vorbild nehmen. Sie möchten mit einer eigenen T-Shirt-Firma den großen Reibach machen und gleichzeitig gute Noten im Fach Wirtschaft ergattern. Als Geschäftsidee der Schüler notiert die Landeszeitung Lüneburg „freche Sprüche“ auf „individuell angepassten Shirts“, wobei sich die jungen Mode-Fabrikanten auch mit den ethischen Grenzlinien der T-Shirt-Spruchkultur auskennen „Wir machen alles, nur rassistische Parolen lehnen wir ab“, sagt die flotte Maren aus der Marketingabteilung. Es ist nicht überliefert, welche T-Shirts die palästinensischen Jugendlichen trugen, die vor der Vertretung der Europäischen Union im Gazastreifen die EU-Fahne einholten, um stattdessen den palästinensischen Wimpel zu hissen und zündelnd weiterzuziehen. Mindestens aber hätte Maren aus Lüneburg einiges gegen die dabei verkündeten Parolen einzuwenden gehabt. Genau wie gegen den 16-jährigen Türken aus Trabzon, der die lebhafte Mohammed-Debatte zum Anlass nahm, einen katholischen Priester an dessen Arbeitsplatz mit zwei Schüssen seinem Herrn näher zu bringen. Offenbar strengte der Mörder mit der Tat einen Schwanzvergleich der Religion an, denn er verließ nach der Bluttat die Kirche mit den zufriedenen Worten „Allah ist größer“. Ob Gott das auf sich sitzen lässt? Mit Vergleichen anderer Art hat die österreichische Landjugend allabendlich zu kämpfen – ihr mangelt es an national einheitlichen Bestimmungen was Ausgehzeit und Alkoholerlaubnis angeht. Jedes Bundesland hat da seine eigenen Gesetze und Jugendliche, die im Laufe einer Zechtour die Ländergrenzen überschreiten, sind verwirrt. Jetzt soll dem unharmonischen Regelwerk ein einheitlicher Riegel vorgeschoben werden, der Alkopops für alle unter 18-jährigen verbietet, dafür aber alle, die über 16 sind nachts unbegrenzt herumstromern lässt. Davon können wiederum die tamilischen Jugendlichen nur träumen. Sie laufen derzeit Gefahr, nachts von der srilankischen Armee verhaftet zu werden und müssen sich deshalb allabendlich im Unterholz verstecken, wie der Pressedienst tamilpress.com meldet. Auch ohne Drogenhund „Balko“ keine schöne Situation. Illustration: daniela-pass

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