Was macht die Jugend der Welt?

Der junge Mensch gilt gemeinhin wenig – ungefestigt, ungestüm und ungemein gefährlich absolviert er das Heranwachsen und der Rest der Menschheit hält derweil lieber Abstand.
max-scharnigg

Der junge Mensch gilt gemeinhin wenig – ungefestigt, ungestüm und ungemein gefährlich absolviert er das Heranwachsen und der Rest der Menschheit hält derweil lieber Abstand. Oft kommt man dabei mit ein paar klaren Regeln aus – nicht so in Großbritannien, wo alles härter ist. Dort werden regelrechte Jugendabwehrwaffen erfunden. Ein Tüftler meldet von dort die Konstruktion einer Frequenzkanone, die einen schrillen, hohen Ton erzeugt, der herumlungernde, junge Tunichtgute etwa aus Kaufhäusern vergraulen soll. Ältere Kundschaft bleibt ungestört, denn ihre verkalkten Hörleitungen nehmen den Oberton gar nicht wahr. Genau 622 Pfund kostet das kleine Gerät, die Kosten für die völlig kirre gemachte Generation, die damit entseht, sind wohl höher. Kein Wunder also, wenn wie in Salzburg die Jugend verstört reagiert, und einem 10-Jährigen das Hörgerät klaut. Ganze vier Jugendliche konnte die Salzburger Polizei als Urheber der schlechten Tat ausfindig machen, die sich in einem öffentlichen Schwimmbad zutrug. Die Reizlosigkeit ihrer Beute wurde den Dieben offenbar schnell bewusst, denn das Hörgerät landete noch auf der Flucht im Müll. Der bestohlene, taube Junge sieht sich nun einer Welle von Salzburger Mitgefühl ausgesetzt und trägt bereits ein Ersatzhörgerät. So ein Diebstahl ist klein und schmutzig und nicht zu vergleichen mit dem relativ glamourösen Raub eines Kleinflugzeuges, den zwei 14-jährige Kalifornier bewerkstelligten. Keck gingen die Burschen auf einen unbewachten Flughafen, knackten eine einmotorige Maschine und starteten – freilich ohne Flugschein. Vor lauter Übermut über die gelungenen Spritztour vergaß das Duo aber die Tankanzeige, und sah sich gezwungen, über dem Nationalpark Joshua Tree abzustürzen. Dabei krachten sie wohl auf eine Versammlung von Schutzengeln, den beide wurden nur leicht verletzt – Schwein gehabt und im Jugendgefängnis Zeit drüber nachzudenken. Wohldurchdacht klingt auf den ersten Blick auch das neue Alkoholkaufverhalten junger Menschen, das vom Mainzer Jugendschutzbeauftragten Hajo Kunkel beobachtet wird. Statt kleiner Ex-und-Hopp-Alcopops greift der rauschbereite Teen neuerdings lieber zur 0,75-Liter Schnapsbuddel mit Aromastoffen. Bald werde, so warnt der Schutzjugendliche, reiner Schnaps konsumiert. Na, das soll’s ja früher auch schon mal gegeben haben... Was es früher garantiert nicht gab, ist die neue Regelung, die im unterschätzten Bundesland Sachsen seit diesen Tagen gilt. Bereits mit 16 Jahren kann dort mit dem Autoführerschein begonnen werden und mit 17 darf der erfolgreiche Absolvent bereits vogelfrei herumfahren, solange eine Begleitperson über 30 mit im Auto sitzt. Ob die blutjung zurückgelegten Meilen dem Kriterium für die „Grünen Meilen“ entsprechen, die 30.000 Kinder und Jugendliche in Österreich derzeit sammeln, ist fraglich. Genau 387749 umweltfreundlich zurückgelegte Schulwegmeilen wurden von den fleißigen Alpentierchen für irgendeine Öko-Kampagne aufgelistet. Das Ganze soll jetzt auf Europa ausgeweitet werden und dürfte so gut wie gar nichts bedeuten. Interessanter sind da noch die Ergebnisse einer Umfrage, die uns aus Jerusalem erreichen und die besagen, dass ein Viertel der Zöglinge aus religiösen, jüdischen Familien den traditionellen Lebensstil nicht fortführen möchte. Als Hauptgrund für dieses Vorhaben gab ein Großteil der Jugendlichen an, nicht so fromm zu sein, wie die Eltern. Fromm oder nicht: mit einer Frequenzkanone beschossen zu werden nur weil man jung und ein rechter Flegel ist, hat keiner verdient. Schließlich ist die Jugend die Zukunft und die Zukunft das, was kommt. Illustration: daniela-pass

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