Was macht die Jugend der Welt?

Auch anderswo sind Menschen jung. Was sie daraus machen, steht jede Woche in unserer Umschau.
max-scharnigg

Hoch lebe der Jungliberale Christoph Schnurr, von dem die Schnurre erzählt wird, dass er unlängst zur Feier des Weltfrauentages eifrig FDP-Kondome verteilte. Damit die jungen Frauen auch an ihrem Ehrentag daran erinnert werden, wer für Verhütung zuständig ist. Auf den Päckchen stand folgerichtig „Wer, wenn nicht ich!“ Ja du. Oder der? Keine Ahnung, war aber auch in Frankfurt. Dort wie anderswo in bundesdeutschen Gauen sind die Jugendlichen mehrheitlich sauer auf die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Die nämlich verbietet auch weiterhin den Verkauf des Musikalbums „Die Maske“ des Berliner Rappers Sido an Jugendliche unter 18 und zwar wegen Verharmlosung des Drogenkonsums. Der gleichnamige Film mit dem interessanten Humoristen Jim Carrey ist aber weiterhin straffrei zu beziehen und dient vielleicht als kleines Entschädigungsbonbon für alle, die auf Sido noch warten müssen. Trotzdem kratzt das „jung sein“ an den Nerven, wie die Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie in Marburg jetzt herausgefunden hat. Eine stattliche Million Kinder und Jugendliche sind bereits seelisch krank, das ergab eine Studie. Asthma, Neurodermitis, Magen- oder Darmbeschwerden können die ersten Anzeichen psychischer Belastung sein, motorische Unruhe, Tics und Zwangshandlungen folgen. Und wer ist daran Schuld? Die neumodische Pubertät mit ihren Wirrnissen. Da ist es lobenswert und erfrischend zu lesen, dass es auch noch andere Kids gibt, die ganz kidstypische Dinge machen, wie nämlich bei „Jugend forscht“ zu gewinnen. In der Dresdner Vorausscheidung zu dem Wettbewerb wurden unter anderem Partysets für Kinder oder eine neuartige Trommel als Erfindungen eingereicht. Das ist doch tausendmal besser als der ewige Solarenergie-LegoTechnik-Scheiß, der sonst immer gewinnt. Richtig flott kommt es auch, von einem Hubschrauber aus einem Minenfeld gerettet zu werden. Das widerfuhr zwei Hängertypen aus Israel, die gerade auf dem Weg nach Obergaliläa waren, als ihnen eine Abkürzung einfiel. Mitten im besten Abkürzen landeten sie dann allerdings in einem Minenfeld – und blieben erst mal stehen. Mobiltelefon sei Dank, bald wurden diverse Rettungskräfte auf die missliche Lage der beiden Jungs aufmerksam, allerdings musste erst die Nacht abgewartet werden, bis es gelang, sie explosionsfrei zu retten. Eine Abkürzung war der Weg damit natürlich nicht mehr – die beiden Jungen kamen viel später in Obergaliläa an! Was haben sie in der langen Nacht gemacht? Walkman gehört, vielleicht sogar das Lied der feinsinnigen Band Knorkator, das da heißt „Ich verachte Jugendliche“. Die echten Jugendverachter aber sitzen in Brüssel und haben Clownsnamen. EU-Kommissar Kyprianou tut sich in diesen Tagen nämlich mit der Idee hervor, den Genuss von Bier für nette Menschen unter 18 zu verbieten. Dazu müsste allerdings das deutsche Jugendschutzgesetz geändert werden, was nur mit den Stimmen von krasser Koalition und Michael Ballack möglich ist - das kann also noch dauern. Solange fährt man ins idyllische Pinzgau im Salzburger Land, wo vor vielen Millionen Jahren die Alpen zu hübschen Gipfel-Origami gefaltet wurden. Außerdem gibt es dort geschändete Friedhöfe, inszeniert von einer deutschen Jugendgruppe. Nach der Klassenfahrtsendfete fiel den Schülern nichts anderes ein, als Friedhofslichter umzutreten und Grabsteine zu kippen. Das ist recht schändlich und es beruhigt wenig, dass „Der vierte Schüler laut Exekutive strafunmündig ist“. Exekutiv? Tss, die Österreicher mit ihren vielen Fällen... Illustration: daniela-pass

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