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Grafik: jetzt, Foto: privat

Der Kommentar, der auf Partys immer fällt

Wenn ich erzähle, dass ich Schornsteinfeger bin, dann sagen die meisten: „Dann bringst du mir ja Glück!“ In der Öffentlichkeit bin ich sozusagen ein Glücksbringer – und das ist echt schön.

Der Weg dahin

Ich bin zufällig zu dem Beruf gekommen. Nach der Realschule habe ich mehrere Praktika gemacht, aber mir war ziemlich schnell klar, dass ich was Handfestes machen will. Mein späterer Lehrchef war dann mal als Kaminkehrer bei uns Zuhause und hat mir direkt ein Praktikum angeboten. Dabei hab ich mich dann in den Beruf verliebt – gleich nach dem Praktikum habe ich meine Ausbildung angefangen. Seit 2013 bin ich ausgelernt. 

Der Alltag

Mein Tag beginnt um 7 Uhr morgens in der Werkstatt. Dort bereite ich alles vor: Ich richte mein Werkzeug, ziehe meine Kluft an und bespreche die anstehenden Termine mit meinem Chef. Meine Kluft sieht übrigens wirklich so aus, wie man sich das vorstellt: Ganz schwarz, mit Goldknöpfen am Oberteil und einem Zylinder.

Der Rest des Tages besteht dann aus Kundenbesuchen. Dadurch ist die Arbeit sehr abwechslungsreich: Man weiß schließlich nie genau, wohin man kommt, was dort zu tun ist und was vielleicht schwierig werden könnte.

Generell besteht die Arbeit eines Schornsteinfegers aus drei verschiedenen Aufgabenfeldern. Erstens: das Kaminkehren, also das Reinigen von Schornsteinen und Abgasanlagen. Dabei steigen wir auf die Dächer von Gebäuden, schauen uns die Schornsteine an und kehren, im wahrsten Sinne des Wortes, den Dreck raus. Zweitens überprüft ein Schornsteinfeger regelmäßig die Feuerstätten in den Häusern. Dabei testen wir zum Beispiel, ob Abgase sauber abziehen und nicht zu viel davon austritt. Weil das gefährlich und ungesund sein könnte, gibt es dafür gesetzliche Regelungen – wir Schornsteinfeger kontrollieren, ob die eingehalten werden. Und drittens sind wir auch dafür zuständig, gewerblich genutzte Dunstabzugshauben zu überprüfen, zum Beispiel in Imbissen und Restaurants.

Die Besonderheit

Heutzutage kann man sich als Kunde zwar einen Schornsteinfeger aussuchen, aber traditionell werden den Schornsteinfegern immer noch sogenannte Kehrbezirke zugeteilt. Ein Kehrbezirk ist ein Gebiet, das ein Meister mit seinem Betrieb betreut und in dem er für die alltäglichen Arbeiten und Überprüfungen verantwortlich ist.

Die Motivation

Ich gehe jeden Tag zu den unterschiedlichsten Kunden nach Hause, in deren Wohnungen oder Häuser. Dabei bekommt man schon viel Privates mit – das stört mich aber nicht. Im Gegenteil, ich mag es, jeden Tag mit vielen verschiedenen Menschen zu tun zu haben. Das ist auch sehr spannend: Ich habe von der vermüllten Messi-Wohnung bis hin zum 400-Quadratmeter-Zweitwohnsitz schon so ziemlich alles gesehen.

 

Wenn man längere Zeit einen Kehrbezirk betreut, lernt man die Kunden nach und nach immer besser kennen. Da baut man dann eine richtige Beziehung zu den Menschen auf und fragt auch mal, wie’s der Oma so geht. Außerdem mag ich, dass ich mir meine Termine selbstständig einplanen kann – dadurch bin ich sehr flexibel.

 

Die Herausforderungen

Als Schornsteinfeger hat man nie ausgelernt. Ich muss immer auf dem neuesten Stand sein, was die gesetzlichen Vorschriften auf dem Gebiet betrifft – und die ändern sich immer wieder. Dafür gibt es mehrmals im Jahr Schulungen, ich muss mir aber auch viel selber anlesen.

 

Außerdem muss ich jeden Tag voll konzentriert bei der Arbeit sein – einen Schlendrian kann ich mir nicht leisten. Schließlich bin ich am Ende dafür verantwortlich, dass zum Beispiel keine ungesunden Abgase aus den Feuerstätten austreten und alles gut funktioniert.

 

Das Geld

Ich bin Meister und verdiene 3450 Euro brutto. Wir werden nach Tarif bezahlt, in sechs Gehaltsstufen. Man steigt bei 2450 Euro brutto ein. Mein aktuelles Gehalt ist das höchste, das in diesem Beruf gezahlt wird.

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