Lars Weisbrods WM-Kolumne: Das Eröffnungsspiel

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Zwei Dinge haben meinen Silvestervergleich bestätigt: 1. Jeder hat gefragt, wo man das Spiel guckt. So wie Silvester jeder fragt, wo man feiert. 2. Am Schluss hat man doch keinen tollen Platz dafür gefunden. Ich zumindest nie. Das war nämlich so: Ich bin zum Hotel der deutschen Mannschaft gefahren, einfach so, weil ich noch nie vor dem Hotel von Prominenten gewartet habe. Leider war ganz lange keine Mannschaft zu sehen, aber wie das nun mal so ist: Wenn man einmal irgendwo wartet, dann geht man auch nicht mehr weg. Man muss ja auch beenden, was man angefangen hat. Ums Hotel herum gab es auch nicht sehr viel zu gucken, nur mit den nummerierten FIFA-Autos hätte man Bingo spielen können. Außerdem weiß ich jetzt, dass man dort auch lustig ist, denn an den Fensterscheiben waren Aufkleber, auf denen ?No tickets inside? stand. Nachdem der kleine Junge neben mir schon mehrmals ?Papa, i moag hoam? gequengelt hatte, kam dann irgendwann auch die deutsche Mannschaft. Weil ich aber auch noch meine Brille vergessen hatte, konnte ich nur Mike Hanke erkennen und Bastian Schweinsteigers an seinen weißen iPod-Ohrstöpseln. Ich dachte sogar, sie hätten Ballack alleine im Hotel gelassen. Die Eröffnungsfeier begann bald, also waren die meisten auch schon in der Arena und dass ich mit der U-Bahn noch mal dorthin gefahren bin, um mir die Stimmung draußen vor dem Spiel anzuschauen, war dann auch vergebens. Dazu kam, dass man vom U-Bahn-Fahrer erfuhr, ins Olympiastadion zu kommen sei auch nicht mehr drin: wegen Überfüllung geschlossen. Also habe ich weder die tolle Stimmung tagsüber am Marienplatz, noch die im Olympiastadion, noch die vor der Allianz-Arena mitbekommen und stand jetzt in Fröttmaning, wo die letzten Zuschauer eintrudelten. Die Eröffnungsfeier hatte ich schon verpasst (dabei wollte ich doch Grönemeyer sehen) und wenn ich jetzt wieder zurückgefahren wäre, um mir einen schönen Platz zum public viewen zu suchen, hätte ich den Anpfiff auch nicht mehr mitbekommen. Dann habe ich mich daran erinnert, gestern in der Nähe des Hornbachparkplatzes einen Hinweis gelesen zu haben, dass dort in der Gaststätte des SC Freimanns das Spiel übertragen wird. Wenigstens da Fußball sehen , keine fünfhundert Meter vom Spielort entfernt, zwischen Vereinsmitgliedern, Verkehrswachtmitarbeitern, die auf ihren Einsatz nach dem Spiel warteten, und all denen, die bis zur letzten Sekunde vor dem Stadion gewartet hatten, um Karten zu bekommen. Das werde ich dem SC Freimann nie vergessen, ohne ihn hätte ich wohl das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft im eigenen Land verpasst. Außerdem gab es leckere Steaks im Brötchen.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert
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