Lars Weisbrods WM-Tagebuch: Stuttgart wordt oranje

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Beim Fan Fest vor dem Stuttgarter Schloss war auf einem Transparent zu lesen: "Franz, Franz, deine Mutter hat nen Schwanz." Auch sonst war hier eher Schluss mit Nettigkeit, zumindest mit der "Die Siedler von Catan" spielenden Nettigkeit. Die Königsstraße sah einigermaßen verwüstet aus, Statuen wurden umdekoriert und nach dem Sieg schließlich auch besetzt. In der Halbzeit wollte der Moderator die Menge mit lustigen Spielen bei Laune halten, aber die Menge wollte nicht. Holländer denken gar nicht daran, einen überdimensionalen Fußball über ihre Hände bis zu einer Fahne und zurück zu tragen, bloß damit Stuttgart irgendwelche Punkte in einer Fifa-Städte-Soundso-Competition bekommt, die ständig vom nervenden Pele anmoderiert wird. Man warf sich lieber auf den Ball drauf, irgendwann hatte der Moderator auch ein Einsehen und brach das Spiel ab. Auf dem Fan Fest ist mir wieder aufgefallen, was für ein tolles Bild es ist, wenn Menschen beim Torjubel Dinge in die Luft werfen. Man sollte immer Dinge in die Luft werfen, wenn etwas Tolles passiert. Nachts auf dem Campingplatz habe ich dann noch mit einem seltsamen Franzosen gesprochen, der noch vom Frankreichspiel Anfang dieser Woche übrig geblieben war. Ich wollte, dass er mit den Zinedine-Zidane-Trick beibringt, aber er war zu betrunken. Übe ich eben alleine weiter. Das singen die Holländer (so wie ich es verstehe): "Wir sind die Holländer und wir kommen ins Finale" Bestechend banales wie eingängiges Partylied, das überall gespielt wurde. Zum Beispiel in dem orange-farbenen Bus mit dem Ziel "Berljin". Gut, dass die Holländer noch mal klarstellen, dass sie die Holländer sind. Wüsste man ja sonst vielleicht nicht. Ich habe immer noch einen Ohrwurm davon und singe es solange vor mich hin, bis mir einfällt, dass ich nicht die Holländer bin. Außerdem wurde noch gesungen: "Es gibt nur einen Rudi Völler" bzw. "Es gibt nur einen Johan Cruyff" und etwas, das wie das "Zezeze zezeze" aus dem neuen Busta Rhymes Lied klang.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

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