PETA

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So viel Provokation wie möglich, das ist laut PETA-Gründerin Ingrid Newkirk das Rezept für den Erfolg: „PETAs Publicity-Formel – achtzig Prozent Empörung, jeweils zehn Prozent Promis und Wahrheit.“ Nun kann man dazu sagen: krasse Missstände bedürfen krasser Aktionen und PETA tut wenigstens etwas. Man kann aber auch sagen, dass PETA zum wiederholten Mal völlig übers Ziel hinausgeschossen sind. Und das, ebenfalls wie immer, völlig kalkuliert.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Ingrid Newkirk sagt selbst über ihre Organisation: „Wir sind totale Presse-Schlampen“. Denn es ist einzig Aufmerksamkeit, um die sie mit ihren aufsehenerregenden Aktionen buhlen. Das versuchen sie mit verschiedenen Mitteln. „Normale“ Aktivisten versuchen mit möglichst krassen Demonstrationen (auf denen sie gerne nackte, junge Haut zeigen), Farbbeutel-Würfen und der Störung von Modenschauen möglichst viel Presseresonanz zu erreichen. In der Wahl ihrer Waffen und der Penetranz erinnern diese Aktionen unangenehm an Demonstrationen von Abtreibungsgegnern vor Frauenkliniken in den USA. In ihrer Radikalität und dem unbedingten Willen zur Durchsetzung ihrer Anliegen gehen sie so weit wie möglich, um auf Missstände hinzuweisen. Undercover-Aktivisten filmen die Zustände in Legebatterien, Pelztier-Farmen und Schlachthöfen. Daraus werden Aufklärungs-Videos gemacht, die möglichst grausam die Zustände zeigen, um Menschen zu Vegetariern oder gar Veganern zu bekehren. Ein anderes Mittel, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erregen, erreicht PETA, indem sie möglichst viele, möglichst prominente Unterstützer für die gute Sache gewinnen. Und das gelingt ihnen mehr als gut: Fast alles, was Rang und Namen hat im Musik-, Film- und Fernsehgeschäft, macht sich für PETA stark. Pamela Anderson lässt keine Gelegenheit aus, sich über Hühner in Legebatterien, das Robbenschlachten und andere grausame Tierquälereien zu äußern. Paul McCartney hat sich mit seiner bald Ex-Frau und putzigen Robben fotografieren lassen und auch Deutschlands Prominente machen sich für ästhetische Fotos nackich und erleichtern nebenbei ganz einfach und schnell ihr soziales Gewissen. Für PETA sind die Prominenten willkommene Helfer im Bemühen um Öffentlichkeit: Da in der heutigen Mediengesellschaft eine Pamela Anderson mehr Aufmerksamkeit bekommt, als ein unbekannter Tierrechtler, wird eben Pamela Anderson in die Öffentlichkeit geschickt. Und den Prominenten, die sich engagieren, ist ebenfalls geholfen. Mit einer Plakataktion können sie auf schnellem Wege ihr Profil schärfen, haben ebenfalls die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und zeigen dabei noch soziales Engagement, ein unverzichtbarer Baustein im Lebenslauf eines jeden aufstrebenden Star.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Pro Jahr wird PETA von Spendern mit mehr als 15 Millionen Dollar unterstützt. Der deutsche Verband von PETA hat 2005 über eine Million Euro eingenommen. Der allergrößte Teil davon wurde für „Programme, allgemeine Betriebs- und Verwaltungkosten“ ausgegeben. PETA Deutschland sagt, dass der größte Teil der Spenden wiederum in PR-Aktionen investiert wurde. Einige Tierschutz-Vereine werfen der Organisation dagegen vor, die Verwendung der Spendengelder nicht transparent genug zu dokumentieren und einen Großteil der Spenden ins Ausland zu transferieren, an strengen deutschen Steuergesetzen vorbei. PETA ist keine Tierschutz-Organisation, sondern eine Tierrechts-Organisation. Tierrechtler gehen davon aus, dass Tiere Rechte haben. „Menschen, die die Rechte der Tiere unterstützen, sind der Ansicht, dass wir als Menschen kein Recht haben, Tiere für Nahrung, Kleidung, Unterhaltung, Versuche oder andere Zwecke zu benutzen, und dass Tiere eine Berücksichtigung ihrer ureigensten Interessen verdienen. (...) so wie ein geistig behinderter Mensch Rechte hat, selbst dann, wenn er oder sie nicht niedlich oder nützlich ist und keiner ihn oder sie mag.“ So schreibt PETA Deutschland auf der Homepage. Jetzt kann man sich darüber aufregen, dass PETA behinderte Menschen mit Tieren vergleicht. Aber vermutlich zeigt sich hier nur ganz besonders deutlich, welche Einstellung mit der Bezeichnung „Tierrechtler“ einhergehen. So schaffte es PETA 2004 auch, in einer Ausstellung die Situation von Tieren in Legebatterien und Schlachthäusern direkt mit dem Holocaust zu vergleichen. Als ein entrüsteter Aufschrei durch Deutschland ging, rechtfertigten sich die PETA-Aktivisten: „Es bleibt uns (..) gar keine andere Wahl, als die Barbarei gegen Tiere mit ähnlichen, uns vertrauteren Formen extremen menschlichen Leidens zu vergleichen, in der Hoffnung, dass es dann allen deutlich wird und Anlass zum Handeln gibt.“

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

PETA hat ebenfalls Verbindungen zur radikalen Tierrechtsorganisation ALF (Animal Liberation Front). Die sind vor allem dafür berühmt, Versuchslabore an Universitäten anzuzünden und landwirtschaftliche Betriebe zu sabotieren. PETA unterstützte Mitglieder der ALF finanziell, als sich diese vor Gericht verantworten mussten und profitierte von Informationen, die ALF-Mitglieder im Rahmen ihrer Sabotage-Aktionen aufdeckten. Fast jedes Mittel ist PETA Recht, den Zweck – das Recht von Tieren auf ein schmerzfreies, unversehrtes Leben – zu erreichen. Aktiven Tierschutz betreibt PETA dabei selbst nicht – sie haben keine Tierheime, angeblich töteten Aktivisten sogar herrenlose Hunde, da der Tod einem Leben als Haustier vorzuziehen sei. PETA geht es alleine um Aufmerksamkeit. Dass sie so erfolgreich sind, ist erstaunlich. Aber andererseits vermutlich auch wieder nicht. Denn PR, das können sie wirklich. Bild1: afp; Bild2: AP; Bild3: rtr

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