Programmierst du noch oder brogrammierst du schon?

Nerds oder solche, die sich gern so bezeichnen, sind längst Mainstream. Unter Programmieren formiert sich gerade eine neue Bewegung: Die "Brogrammers".
kathrin-hollmer

Nerds waren mal cool. Als der Begriff noch nicht so chic war, sind sie uns nur nicht aufgefallen. Heute dagegen bildet sich fast jeder ein, er sei ein Nerd. Wenigstens ein bisschen. Zumindest manchmal. Anscheinend reicht es für dieses Prädikat schon, wenn eine Vierzehnjährige sich eine Hornbrille aufsetzt. Oder wenn die Computer-Kenntnisse mehr erlauben, als nur den Drucker zu installieren oder das E-Mail-Konto einzurichten.  

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Illustration: Julia Schubert



Das Ende des Nerd-Hypes zeichnet sich schon eine Weile ab. Jedes Brillen-Label hat mittlerweile dickrandige Modelle im Sortiment und in Teenie-Magazinen wird der „Nerd-Style“ vorgestellt. Wir sind umgeben von Möchtegern-Nerds, nicht zuletzt wegen Serien wie „The Big Bang Theory“ und „The IT-Crowd“. Der Nerd – oder die verbreitete Vorstellung davon – hat sich aus der Subkultur in die Fußgängerzone eingeschlichen. Und der vermeintliche Trend seinen Charme verloren. Zeit für was Neues!  

Egal, wie man Nerds nun definiert, der Programmierer ist für viele der Prototyp davon. Dass das Klischee des unsportlichen Außenseiters nicht auf alle Vertreter dieser Berufsgruppe zutreffen muss, ist zwar nur logisch, trotzdem zeichnet sich unter Programmierern gerade eine Gegenbewegung zum Nerd-Klischee ab: die „Brogrammer“, eine Kombination aus „Bro“ und „Programmer“.  

Das Urban Dictionary hat den Begriff bereits aufgenommen. Ein Brogrammer ist der Definition nach ein „programmer who breaks the usual expectations of quiet nerdiness and opts instead for the usual trappings of a frat-boy: popped collars, bad beer, and calling everybody ‚bro’.“ Merke: Ein Brogrammer trägt einen hochgeschlagenen Kragen, trinkt schlechtes Bier und nennt alle „Bro“. Braucht es dafür einen neuen Namen? Gagan Biyani, Mitbegründer und Präsident der E-Learning-Plattform Udemy, plädierte auf sfgate.com dafür: „Es gibt eine steigende Anzahl von Entwicklern, die viel geselliger sind und gerne ausgehen und Spaß haben. Ich denke, brogramming spricht dieses Publikum an.“ Dass diese Zielgruppe gar nicht so klein ist, zeigt die Facebook-Seite „Brogramming“ mit knapp 22.000 „Gefällt mir“-Angaben.  

Was kennzeichnet einen Brogrammer? Auf der Frage-Antwort-Seite Quora wird gerade diskutiert, wie ein Programmierer ein Brogrammierer wird: zum Beispiel, indem er - zuckerfreies - Red Bull, Bier und „Brotein“-Shakes trinkt. Brogrammers machen Sport, sind gut gekleidet und tragen grundsätzlich Sonnenbrille, meistens verspiegelte Fliegerbrillen oder bunte Wayfarer. Und, ganz wichtig: „Always look good, always.“

Text: kathrin-hollmer - Bild: dpa

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