Verkehrserziehung für Kampfradler

Verkehrsmininster Peter Ramsauer hat ein neues altes Feindbild entdeckt: die Kampfradler. Auf Twitter und in der Bloggerszene macht man sich über seine Kampfansage bereits lustig.
kathrin-hollmer

Sie fahren über rote Ampeln, auf Gehwegen oder in die falsche Richtung auf dem Radweg, klingeln Passanten an und missachten jede Art von Verkehrsregel. Diese aggressive Gattung von Radfahrern ist zum Glück recht selten, trotzdem haben ihr die Medien im vergangenen Sommer bereits einen eigenen Namen verpasst, den inzwischen auch Verkehrsminister Peter Ramsauer anwendet, um gegen die Rowdys zu wettern: die Kampfradler.  

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Neues Feindbild von Verkehrsminister Peter Ramsauer: die Kampfradler.

Der CSU-Politiker will sie schon mit eigenen Augen beobachtet haben, wie sie ungeniert und vor den Augen der Polizei rote Ampeln überfahren, so ein Zitat in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das neu verinnerlichte Vokabular wendet er im Gespräch mit der niedersächsischen Tageszeitung gleich mehrmals an. Seiner Meinung nach sei die Polizei manchmal überfordert, „der Verrohung dieser Kampfradler endlich Einhalt zu gebieten.“  

Die Kampfradler sind nicht zum ersten Mal in den Medien. Bereits im Sommer 2011 waren sie im Gespräch, als in Berlin Mitte und am Prenzlauer Berg Plakate mit der Aufschrift „Kampf den Kampfradlern“ hingen. Unbekannte hatten Zettel mit einem Piktogramm eines Fahrradfahrers mit einer Handgranate als Kopf und der Forderung „Rücksicht statt Vorfahrt“ drucken lassen und in der Stadt aufgehängt.

Gerade kommen die ersten Reaktionen auf Ramsauers Kampfansage hoch. Roland Huhn, Rechtsreferent vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), sagte der Nachrichtenagentur dapd, er könne keine Kampfradler erkennen, dagegen kritisiert die Gewerkschaft der Polizei auf ihrer Website: „Die Missachtung von Verkehrsregeln unter Radfahrer ist inflationär, an keine Altersgruppe oder soziale Schichtung gebunden. Anzugträger ignorieren rote Ampel ebenso wie Kinder, junge Mütter, Jugendliche und auch ältere Menschen.“

Auf Twitter geht unter den Hashtags #Kampfradler und #Ramsauer die Diskussion weiter. „Ich nenne das mal ein Kompliment, danke Ramsauer“, twittert ein User. Ein anderer vermutet, dass bald eine Maut für Fahrradfahrer eingeführt wird. In einem offenen Brief schreibt Claude Walter auf seinem Cycling-Blog an Peter Ramsauer: „Statt alle Verkehrsteilnehmer näher zu bringen, stellen Sie sich massiv auf die Seite Ihrer Wähler, den Autofahrern. (...) Aggressivität sehe ich jeden Tag bei einigen Autofahrern – nicht nur gegenüber Radlern, aber auch allen anderen Verkehrsteilnehmern. Sprechen Sie da auch von Kampf-Autofahrern? (...) Erwecken Sie bitte nicht den Eindruck als würden nur Radler rote Ampeln manchmal missachten.“  

http://www.youtube.com/watch?v=kgEN9jCW78A  

Immerhin, Peter Ramsauer hat sogar schon eine Lösung parat: Die ARD soll die Sendung „Der 7. Sinn“ wieder ins Programm nehmen. Die „Fernsehsendung zur Verkehrssicherheit“ lief von 1966 bis 2005 und hatte mit ihrer unverkennbaren Intro-Musik, den schmissigen Anmoderationen und den gestellten Unfällen quasi Kultstatus erreicht. Laut Medienberichten sollen bereits Gespräche mit der zuständigen WDR-Intendantin Monika Piel laufen. „Der 7. Sinn“ scheint überhaupt nachhaltigen Eindruck in der Politik hinterlassen zu haben. Schon im Sommer 2007 forderten Politiker eine Wiederbelebung der Sendung.

Text: kathrin-hollmer - Foto: dapd

  • teilen
  • schließen