Wenn der Bart 'nen Bart hat

"Ingo Zamperoni und Steven Gätjen killed the Bart-Star", haben wir neulich behauptet. Die Wissenschaft widerspricht: Der baldige Tod des Bartes verdanke sich einem natürlichen Zyklus. "Peak beard" sei erreicht - ist aber nicht das Ende der Geschichte.
jakob-biazza

Wir bleiben dabei: Eigentlich ist Ingo Zamperoni schuld. Wenn’s ein Tagesthemen-Moderator macht, ist es tot. Schon sehr lang. Aber es gibt natürlich immer eine Institution, die noch später dran ist. Im Fall des öffentlich-rechtlichen Rundfunks heißt sie Wissenschaft und hat eine Studie veröffentlicht. Die Studie verhandelt das Thema Bärte und bricht man sie auf einen Aspekt herunter, lautet ihr Ergebnis: Der Bart-Hype hat seinen Höhepunkt erreicht. Für diese Runde.  

"Peak beard" nennen Forscher diesen Punkt, was einerseits ein ganz wunderbarer Ausdruck ist und andererseits besagt: Von nun an sinkt die Anzahl an Bärten wieder. Wir sind am Scheitel einer Parabel. Hier bricht die Welle.  

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Illustration: Julia Schubert


Eben noch hip, bald schon alt - und immer wieder von vorne: der Bart.

Der Grund dafür ist angemessen banal – wissenschaftlich belegt allerdings trotzdem interessant: Wir sehen inzwischen zu viele Bärte. Und dann gefallen sie uns nicht mehr. Beziehungsweise gefallen uns glatte Gesichter dann plötzlich besser. Um das zu belegen, zeigten Forscher der University of New South Wales (Sydney) 1453 hetero- oder bisexuelle Frauen und 213 heterosexuelle Männer Bilder von Männergesichtern. Eine Gruppe bekam 24 Bärte, eine andere 24 mal glatt. Für die Kontrollgruppe gab's eine Mischung. Anschließend mussten die Probanden auf zwölf weiteren Fotos Gesichter auf einer Skala von minus vier bis vier auf ihre Attraktivität hin bewerten.  

Ergebnis: Wer viel Haar sah, findet glatt besser. Ein Phänomen, das die UNSW-Forscher als "negative frequency-dependent sexual selection" bezeichnen. Ein Phänomen aber auch, das andersherum genauso funktioniert. Unter vielen glattrasierten Antlitzen gefallen uns die Schrate wieder besser.  

Das wiederum bedeutet, dass auf den peak beard irgendwann wieder ein "peak babyface" folgen wird und dann geht's wieder von vorne los. Bislang, so die australischen Forscher, dauerte der Weg von Peak zu Peak (nicht nur bei Bärten) etwa 30 Jahre. Mit dem Internet habe sich diese Spanne jedoch drastisch verkürzt. Könnte heißen: Wenn der Bart sehr langsam wächst, könnte es sich schon lohnen, ihn gleich stehenzulassen.

Text: jakob-biazza - Foto: simonthon/photocase.de

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