Wir kiffen!

In den USA ist der 20. April in subkulturellen Kreisen auch bekannt als "420": Ein inoffizieller Feiertag, der den Konsum von Marihuana zelebriert. Woher stammt diese Tradition und wie genau wird sie begangen?
andrea-wieczorek

Um 4:20 trafen sich 1971 ein paar Jugendliche in San Rafael, Kalifornien, an einer Louis-Pasteur-Statue. Der Grund: In der Nähe sollte es eine verlassene Marihuana-Pflanze geben. Dieses attraktive Gerücht versuchte die Gruppe wochenlang zu verifizieren. Sie nannten sich "The Waldos", trafen sich immer um 4:20 und benannten ihr Vorhaben bald nach dieser Uhrzeit. Unbekannt ist, ob die Waldos jemals die ominöse Marihuana-Pflanze fanden - aber ihr jugendlicher Gras-Enthusiasmus mündete kurze Zeit später in ein Codewort für Kiffen (420), und in einen bis heute zelebrierten, inoffiziellen Feiertag für Anhänger von Subkulturen. Oder einfach Kiffer. Gefeiert wird: Marihuana.

4:20, 4/20 oder 420 (gesprochen: four-twenty) findet jedes Jahr am 20. April statt. Besonders beliebt ist das illegale Get-Together bei Studenten und Alt-Hippies in Kalifornien und Colorado, zwei der vierzehn Staaten, in denen Marihuana zu medizinischen Zwecken gekauft werden darf. Medical Marihuana kann man sich dort mit einer Medical Marihuana Card, die als ärztlicher Nachweis dient, in dafür vorgesehenen Apotheken grammweise kaufen.  

Ganz im Einklang mit der Hippie-Kultur, in der das Wort "frei" an erster Stelle steht, sieht der Feiertag keine bestimmte Kleidung, Farbe oder Musik vor. Das Einzige was man an diesem Feiertag macht, ist, sich frei zu nehmen, Freunde zu treffen und einfach nur den ganzen Tag high sein, erklärt mir ein amerikanischer Freund, der in Kalifornien aufgewachsen ist. Der Höhepunkt kommt aber erst um zwanzig nach vier, 4:20 pm, wenn im Golden Gate Park in San Francisco, oder auf den Campi verschiedener Universitäten in Amerika, alle gleichzeitig ihre Joints anzünden: Riesengroße graue Wolken bilden sich über den Köpfen der Feiernden. Der Gras-Nebel hängt in den Bäumen und verschwindet erst, wenn sich die Gras-rauchenden Gruppen aufgelöst haben, wie dieses Video vom Boulder Campus der University of Colorado zeigt:  

http://www.youtube.com/watch?v=Re7RdnzeX98&feature=related  

An Gras zu kommen ist in Amerika nicht schwer. Aber für normale Bürger, also Studenten, Grasenthusiasten, subkulturelle Anhänger, ist "ma' einen durchziehen" immer noch illegal. Die Polizei der UC Santa Cruz zum Beispiel schickt einige Tage vorher eine Rundmail an die Studenten, in der auf mögliche Verzögerungen im Straßenverkehr und auf eine schwierige Parksituation an diesem Tag hingewiesen wird. Es wird natürlich auch dazu aufgefordert, verdächtige Aktivitäten und kriminelle Tätigkeiten zu melden. Trotzdem hört man kaum von großangelegten Interventionen, die den Fortgang des selbsternannten Feiertages in Zukunft verhindern sollen. 

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