Wortschatztruhe: Das Stay-At-Home-Girlfriend

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Die Rezession hat uns viele Dinge beschert: Kleinlaute Banker, den rasanten Aufstieg sozialer Prokrastinations-Netzwerke, und die erstaunliche Renaissance von Großmutter-Beschäftigungen, wie Obst einmachen und Socken stopfen.  

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Illustration: Julia Schubert


Und offensichtlich greift die Rezession auch ganz massiv ins Privatleben der Betroffenen ein – zumindest in den USA, wo die Wirtschaft schon seit Beginn der Krise 2008  nicht mehr richtig auf die Beine kommen mag. So hat die Bloggerin Quiana Stokes das neuartige Phänomen des rezessionsbedingten Stay-at-home-Girlfriend (SAHGF) beschrieben. 

 Das SAHGF ist Mitte Zwanzig, lebt in einem angesagten Stadtviertel mit seinem Freund zusammen und wurde aufgrund der Rezession aus einem mindestens prestigeträchtigen, allerdings nicht besonders gut bezahlten Job entlassen. Und weil die Rezession weiter wütet, sind alle Versuche, einen neuen Job zu bekommen, einigermaßen vergeblich, weshalb sich das SAHGF plötzlich in einer Rolle wieder findet, von deren Existenz es eigentlich nur noch aus alten Familien-Sagen oder Fernsehserien wie „Mad Men“ wusste: Der Hausfrau.  

Und was tut nun so eine junge Dame mit viel Tagesfreizeit und wenig Kapital in seinem Hipsterviertel Silverlake oder Brooklyn? Quiana Stokes hat eine Liste von Überlebenstipps für ihresgleichen erstellt, die dabei helfen soll, den häuslichen Frieden auch in Krisenzeiten so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Dazu gehören so interessante Tipps, wie:
 - Stehe morgens mit deinem Freund auf und mach ihm ein Frühstück, nicht dass er denkt, du würdest bis Mittags pennen.

- Gib ihm abends ein Glas Wein oder Whiskey in die Hand, damit ihm die Wartezeit nicht zu lange wird, während du das Abendessen bereitest oder auf den Pizza-Service wartest.

- Da man als Arbeitslose nur ein beschränktes Budget zur Verfügung hat, recherchiert das fleißige SAHGF billige Alternativen zu Friseur-, Kosmetiker- und Waxing-Terminen.

 -  Und natürlich ist so ein SAHGF quasi moralisch verpflichtet, sich den erotischen Begehren des arbeitenden Freundes freudig hinzugeben.

 -  Und um all diese Strapazen bei geistiger Gesundheit überstehen zu können, empfielt Stokes ihren Leidensgenossinnen, einmal täglich das Haus zu verlassen – und sich beim preiswerten Lunch mit Freundinnen einen leichten Rausch anzutrinken.   



Text: christina-waechter - Bild: Brigitte, Gruner + Jahr

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