Zu jung - zu alt (2)

In unserer Kolumne erzählen junge Menschen, was in ihrem Alter noch nicht geht - und was nicht mehr. Diesmal: Lennart, 30, hadert mit Urlaub im Hotel und Hostel-Schlafsälen
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Illustration: Julia Schubert
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Illustration: Julia Schubert



.... um meinen Urlaub in einem Hotel zu verbringen. Leisten könnte ich es mir mittlerweile, aber es ist mir viel zu langweilig. Im Hotel zu wohnen ist etwas ganz anderes als im Hostel zu schlafen, man ist gefühlt viel weiter weg und distanziert sich von den Menschen, der Stadt und dem Land. Wenn ich an Hotelgäste denke, dann sehe ich Menschen in Stoffhosen und Lederschuhen vor mir, die das Hotelgelände nicht verlassen, weil es draußen ja kein „All inclusive“ gibt. Den meisten tue ich damit sicher Unrecht und wer weiß, in zehn Jahre verbringe ich meine Urlaube vielleicht auch dort. Aber für dieses Jahr habe ich mir erst einmal vorgenommen, kleine Pensionen oder Airbnb auszuprobieren. Da gibt es – gerade was den Schlafkomfort angeht – hoffentlich ein bisschen Hotelluxus, aber mit ganz vielen Tentakeln, die einen mit der Außenwelt verbinden. 


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Illustration: Julia Schubert



... für Hostels mit Massenschlafsälen. Vier Betten gehen vielleicht noch, aber alles drüber ist zu anstrengend. Dabei waren Zimmer mit 20 Partywütigen früher genau mein Ding. Ich war einer von ihnen. Wenn ich heute Urlaub mache, dann will ich etwas davon haben, mich entspannen und mal runterkommen. Wenn aber ständig – vor allem die ganze Nacht – jemand rein- und rausgeht, rumschreit, Sex hat, dich zu einem Shot einlädt und mit dir auf die nächste Party gehen will, dann wird das schwer mit der Entspannung. Aber eines ist noch schlimmer als der Schlafentzug: Du führst immer und immer wieder das gleiche oberflächliche Pseudogespräch. Wer bist du? Wie alt bist du? Woher kommst du? Wo warst du vorher? Wo gehst du hin? Spätestens nach dem fünften Zimmernachbarn hörst du gar nicht mehr richtig zu. Es wiederholt sich, nur die Variablen werden ausgetauscht, und jeder versucht, sich als unerschrockener Reisender zu profilieren. Dafür habe ich heute nichts mehr übrig.

Text: teresa-fries - Foto: Teresa Fries

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